AFG-Blog auf der Afghanistan-Konferenz…

06/12/2011
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Dass die Bonner Konferenz ein Erfolg war, davon sind die Beteiligten überzeugt. Pakistan war nicht dabei. Deswegen kann und konnte die die Konferenz keine neuen Perspektiven bringen, kommentierten viele kritische Beobachter. Rund 900 akkreditierte Journalisten im Maritim Hotel – doch die Musik spielte im ehemaligen Bundestag im World Conférence Center – Berichterstattung aus der zweiten Reihe. Wenig Transparenz. Verkehrschaos in Bonn. Brückensperrung, weil Hilary Clinton zwischendurch immer wieder ins Hotel auf die andere Rheinseite musste. Am Rande des Geschehens durfte ich interessante Menschen kennenlernen, die mir in Hintergrundgesprächen ihre Erwartungen von der Konferenz schilderten und ein Kabuler TV Kollege hat mich nach Afghanistan eingeladen :-) Melmapalena – Gastfreundschaft. Ich bin ziemlich platt vom Tag  und lade gerade einige Videos hoch. Das dauert. Hier nun ein erster Packen Infos des heutigen Tages. Die Nachlese dann morgen, ich muss jetzt ins Bett ;-)

Die afghanische Gesundheitsministerin Soraya Dalil

Die internationale Gemeinschaft hat Afghanistan Hilfsleistungen bis 2024 zugesichert, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Regierung in Kabul zu demokratischen Reformen und Korruptionsbekämpfung. In 13 Jahren soll Afghanistan ein voll funktionsfähiger Staat sein. Das sind laut Auswärtigem Amt die Kernaussagen der Abschlusserklärung, auf die sich 85 Staaten und 15 Organisationen in Bonn verständigten.

“Jahrzehnt der Transformation”

In der Erklärung ist den Angaben zufolge von einem “Jahrzehnt der Transformation” nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen 2014 die Rede. Die Hilfe soll in Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung fließen. Konkrete Zusagen sollen aber erst auf einer Geberkonferenz in Tokio 2012 gemacht werden. Nach den Worten von Afghanistans Finanzminister Omar Sachilwal benötigt Afghanistan jährlich etwa sieben Milliarden Dollar aus dem Ausland, um Sicherheit und Entwicklung zu finanzieren.

Afghanistan verpflichtet sich zu einem klaren Reformkurs, der die Bekämpfung der Korruption auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung und den Aufbau einer funktionsfähigen Justiz einschließt. Die internationale Gemeinschaft unterstützt eine Fortsetzung des Aussöhnungsprozesses mit Aufständischen wie den Taliban mit folgenden Leitlinien: Gewaltverzicht, Bruch mit dem internationalen Terrorismus, Respekt für die afghanische Verfassung und die Menschenrechte. (mehr auf  Tagesschau.de)

Die Zitate des Tage von der Bonner Afghanistan-Konferenz – Hamid Karsai:

  • ‎”Wir sind Deutschland zutiefst dankbar…für Solidarität und alles andere und für ihre Gastfreundschaft in Deutschland. In den letzten 10 Jahren hatten wir Afghanen viele Chancen und viele Verbesserung. Wir haben eine Basis für ein pluralistisches demokratisches Politiksystem gelegt…‎Es arbeiten mittlerweile so viele Afghanen in der Privatwirtschaft wie noch nie.”

  •  ‎”Armut und Unterentwicklung sind immer noch eine große Herausforderung…”
  • “Unsere größter Herausforderung: wir können immer noch keine Sicherheit garantieren.”
  •  ‎”Meine Sicht der Zukunft: Wir wollen in Einheit und Würde leben, möchten eine Demokratie als Heimstadt, die mit der Welt befreundet ist. Wir wollen verhindern, dass AFG Opfer derer wird, die uns schon immer bedroht haben.”
  •  ‎”Wir wollen die Korruption effektiver angehen.”
  •  ‎”Transitionsprozess von 2014 bis 2025.”
  • “Wir müssen mehr für die Industrie, Bergbau und Landwirtschaft tun…”
  • ‎”Wir nehmen eine geostrategische Rolle ein. Deshalb sind wir ein Brückenkopf. Deshalb ist auch unsere Sicherheit sehr sehr wichtig.”
  •  ‎”Die Verantwortung für AFG bleibt bei den Afghanen selbst.”
  •  ‎”Wir wollen keine Belastung für die intern. Gemeinschaft sein.”

    Interview mit Qais Mowafaq von Negaath TV aus Kabul über seine Erwartungen von der Bonner Konferenz. Er ist stellvertretender Direktor seines Senders, der dem stellvertretendem Präsidenten Afghanistans Mohammed Karim Khalili gehört. Er fragte mich, ob ich ihm hin und wieder ein paar Interviews für seinen Sender geben könne, was in Europa so über AFG berichtet würde. Gerne doch :-)

    Ban Ki Moon, UN Generalsekretär:

  •  ‎”Der Zyklus des Leidens ist noch nicht zünde. 4,6 Mio afg. Flüchtlinge sind zurückgekehrt. 80% des Landes ist frei von Kinderlähmung. Kinder- und Müttersterblichkeit ist zurückgegangen.”
  • ‎”Eine Aussöhnung ist erforderlich. das afghanische Volk hat das verstanden. Wir müssen lernen, von der Klugheit der Afghanen: wir brauchen Aussöhnungsprozess, ohne jemanden auszuschließen.”
  •  ‎”Die Zivilgesellschaft muss geschützt werden.”
  • ‎”Vertrauen läßt sich gewinnen, indem man die Korruption bekämpft.”
  •  ‎”Bildung für alle. Mädchen und Jungen, Männer UND Frauen. Auch das Recht auf politische Teilgabe ist wichtig.”
  •  ‎”Wenn die Hälfte des Gesellschaft AFGs nicht die selben Rechte hat wie die andere, dann hat AFG keine Chance.”

    Ein interessantes Gespräch mit dem pakistanischem Journalisten Saleem Safi von GEO News Islamabad. Ein Talibanexperte, der angeblich schon Osama bin Laden und Mullah Omar interviewt haben soll. Pakistan stünde unter innenpolitischem Druck, dies sei der eigentliche Grund, warum seine Regierung heute nicht in Bonn war. Die von der NATO getöteten Soldaten an der afghanischen Grenze waren dafür der Grund.

    Außenminister Guido Wetserwelle:

    • “Es wird keine militärische Lösung geben.”

      “Unser Ziel ist Wohlstand für Afghanistan.”
    •  ‎”Wir lassen Euch nicht allein und lassen Euch nicht im Stich.”

      Bundeskanzlerin Angela Merkel: 

    • “Wr müssen die Sicherheitskräfte weiter ertüchtigen…”

      ‎”Über 300000 Soldaten und Polizisten sind jetzt im Einsatz.”
    • ‎”AFG soll von seinen Ressourcen profitieren können.”

      Frauenrechtlerin Dr. Malika Popal

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One Response to AFG-Blog auf der Afghanistan-Konferenz…

  1. Erich Lienhart on 14/12/2011 at 14:12

    Leserbrief

    Das Kalkül der Taliban geht auf. Die Wahltermine in den Demokratien bestimmen den Abzug der fremden Truppen aus Afghanistan. Man braucht nur zu warten. Es wäre eine jener zahlreichen orientalischen Seifenblasen, zu glauben, die Taliban blieben nach einem Abzug ruhig oder würden nicht versuchen, das Rad der Geschichte so wie die anderen Islamisten in der arabischen Welt zurückzudrehen – in die Zeit der brutalen Scharia und der üblichen islamistischen Menschenverachtung.
    Aber auch die jetzt so großzügigen Geberländer des Westens haben ihr Kalkül: Entweder eine prowestliche afghanische Regierung hält sich, dann sind die versprochenen Milliarden eine gute Investition. Oder sie wird von den Taliban gestürzt, dann kann man die Milliardenströme sofort stoppen. Man kann davon ausgehen, daß etliche Diplomaten unter den tausend Teilnehmern der Bonner Konferenz sich klammheimlich diesen Gedankenspielen hingeben. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Sie heucheln der Welt und sich etwas vor.
    Westerwelle hat recht, wenn er sagt, diese Konferenz sei ein Meilenstein. Die Frage ist nur: Auf dem Weg wohin ? Zur Demokratie, Freiheit und Frieden führt dieser Weg sicher nicht. Aber das ist ein Problem für die übernächste Wahlperiode.

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