Dänemarks Militärführung hat gelernt. Nachdem es im September vergangenen Jahres eine heisse Diskussion über die Pressefreiheit des Landes gegeben hatte, nachdem ein Soldat nach seinem Afghanistaneinsatz ein Buch veröffentlicht hatte (im Blog hier nachzulesen: “Buchautor gefährdet Afghanistan-Einsatz”), bietet das Operative Kommando seit Dezember 2009 nun einen ungewöhnlichen Presse-Service an:
Service für Autoren 04.12.2009: Soldaten, die über ihre Erlebnisse in internationalen Missionen schreiben möchten, können Hilfe bekommen, sodass sie nicht unbeabsichtigt die Sicherheit der in der Mission befindlichen Soldaten riskieren. Hærens Operative Kommando (Army Operational Command) ist bereit, Manuskripte, Filme und Tonaufnahmen, die von Begebenheiten in den internationalen Missionen handeln, durchzuschauen, falls dies gewünscht wird.
Dies ist ein Service, den wir gerne anbieten, sagt Oberst Henrik Sommer, der der Chef der Operationseinheiten im Hærens Operative Kommando ist. Es gebe wohl keinen, der daran interessiert ist, die Sicherheit der im Einsatz befindlichen dänischen Soldaten zu gefährden, indem man Informationen preisgibt, von denen ggf. Feinde profitieren könnten und somit dänischen Soldaten schaden.
Aber wenn man sich als Autor oder Fotograf mitten in einer aufregenden Situation befindet, kann es eventuell schwierig sein, die einzelne Begebenheit und ihren Zusammenhang richtig zu bewerten und einzuordnen. Deshalb bieten wir diesen Service jenen an, die eventuell Zweifel hegen, was zulässig ist zu veröffentlichen, ohne dass die Sicherheit ausgesandten Soldaten in Gefahr gerät, sagt Henrik Sommer.
Nun dürfe man nicht glauben, dass Hærens Operative Kommando auf diese Weise Bücher oder Bilder zu zensieren. Die Verantwortung für das Endprodukt werde immer bei dem Autor oder Fotografen liegen. Hærens Operative Kommando nehme keine Stellung zum fachlichen militärischen Inhalt und ob die beschriebenen Fakten korrekt sind. Man schaue allein nach Informationen, die aufgrund der Sicherheitswahrung für dänische Soldaten verschwiegen werden müssten, so Oberst Henrik Sommer. (Fundstelle hier/übersetzt von Jenni Thier)











Ich hoffe, die Bundeswehr vergibt nicht ihre Chance darauf, das Bild des Einsatzes durch die Soldaten objektiver gestalten zu lassen.
In den Medien gibt es doch überwiegend nur gefallene und verletzte Soldaten, getötete afghanische Zivilisten und Ausrüstungsmängel. Wo finden sich – abgesehen vom Blog hier – Darstellungen des Soldatenalltags, dem Nutzen des Einsatzes für die afghanische Bevölkerung, dem Leben der Menschen in Masar-e-Sharif, Kabul, Kunduz, Feyzabad?
Der Ansatz ist sehr gut, und es ist den Dänen zu wünschen, dass sie einen angemessenen Umgang damit finden. Mit Blick auf die Bundeswehr: Sofort nachmachen, aber dann: wer sollte das denn tun? Dazu bräuchte es ein ganz anderes Verständnis von Kommunikation.
Das denke ich mir auch. Es gibt mittlerweile viele aufgeschlossene Offiziere, die transparent arbeiten wollen, aber immer noch an den alten haudegen aus dem Kalten Krieg scheitern. Aber ich denke, das wird sich biologisch bald ändern…;-)