Gestern gab es nun die in manchen Medien vorabgescholtene Kerner Spezial Sendung aus Mazar-e Sharif, für die der Minister eine SAT.1 Crew mit nach Afghanistan nahm, um diese Sendung aufzuzeichnen. Ich bin auf Ihre Meinung zur Senung gespannt. Mein Fazit: Chapeau an alle Beteiligten! Mit Sicherheit haben Bundeswehrangehörige nichts Neues erfahren – dennoch: mit dieser Sendung wurde deutschen Soldaten am Hindukusch eine bisher nie dagewesene Aufmerksamkeit geschenkt. Unter dem vorherigen Minister Jung wäre solch eine Sendung undenkbar gewesen. Meines Erachtens nach hat Minister zu Guttenberg nun erstmals seine immer wieder geforderte Einsatztransparenz vorgelebt und eingelöst und machte eine solche Talksshow erstmals möglich. Natürlich kann man darüber streiten, ob man das auch nicht hätte anders machen können, ob Talksshows in Kriegsbieten auf gezeichnet werden müssen. Egal. Das ist ein guter Anfang. Weiter so…
Wer die Sendung nicht gesehen hat…dann bitte diesem Link zu Sat.1 folgen.
Der Bundeswehreinsatz am Hindukusch verliert bei der deutschen Bevölkerung an Rückhalt: 71 Prozent der Deutschen fordern einen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag von SAT.1. Im Vergleich zum April 2010 ist das eine Steigerung um 9 Prozentpunkte.
In der Facebook Gruppe dieses Blogs schrieb ein Leser zur Kerner Sendung:
Vielleicht sollte ich meine negative Meinung zurückziehen was Guttenbergs Besuch betrifft. Die Sendung aus Mazar war ziemlich unverblümt!! Und das ist ein Punkt der viel zählt… Was mich aber geschockt hat war die Statistik zu dem Thema so…fortiger Abzug…. Ich weiss nicht ob die 71 % wirklich überlegen was sie sich d…a wünschen oder ob sie einfach mal der Meinung aller sich anschliessen. Ich persönlich zähle mich dann eher zu den 21%, obwohl ich meinen besten Freund dort unten verloren habe, denke ich trotzdem das es wichtig ist diesen Einsatz weiterzuführen im Sinne aller. Würde man sofort abziehen wären sogar die Gefallen umsonst gefallen und ihr Tod hätte keinen Sinn, dies sollten sich die Leute auch vor Augen halten. Deswegen danke ich allen Soldatinnen und Soldaten das sie ihren Dienst leisten!!! Ich wünsche ihnen trotz des Einsatzes und der Entfernung zur Familie eine schöne Weihnacht unter Kameraden und das die Tage zur Heimkehr schnell vergehen.
Karl Theodor zu Guttenberg im Tagesspiegel Interview: “Ich muss meine Quote nicht am Hindukusch verteidigen“











ich fand die Sendung ganz gut gemacht. War sehr interessant.Die Menschen urteilen ohne zu bedenken das Soldaten usw auch nur Menschen sind.. Keiner begibt sich gern in Gefahr oder verlässt Familie und Freunde.. Wer denkt wirklich darüber nach, wie es den Soldaten wirklich geht? Wie es deren Familien geht?
Jeder hat eine Meinung. Aber die meisten meckern nur und verändern selbst nichts..
Über Soldaten und Polizisten wird meist geschimpft, aber das sie im Endeffekt ihr Leben riskieren um die Sicherheit andere zu gewährleisten – das wird meist vergessen. Und nicht beachtet. Natürlich gibt es unter eben erwähnten einzelne negative Fälle, aber eben auch positive.. Und das darf man nicht vergessen. Es gibt auch Soldaten mit Herz die darunter leiden und einfach nur was bewegen wollen. Man kann über den Afghanistan Einsatz denken wie man will, aber diese Menschen da leisten schon einiges. Ich finde es gut das mal mehr darüber gebracht wird..
Rund eine Million Menschen haben das Kerner Spezial gesehen.
Quelle hier:
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1084736
Die Medienresonanz zur Sendung hat das Blog augen geradeaus zusammengestellt:
http://augengeradeaus.net/2010/12/talkshow-am-hindukusch-die-kommentarlage/
Ich war sehr zwiegespalten tagelang auch wegen der Debatten um den Besuch des Ministers mit Ehefrau.
Aber den Tenor, den ich hier lese, fand ich auch heute morgen schon online, im Morgenkommentar von Henric M. Broder – was mich sehr überraschte, denn er gehört in meine Medienlandschaft – auf radioeins und vieler Hörer, die um ihre Meinung zur Sendung gebeten waren.
Es war also nach Meinung der Zuschauer und Kritik von Medienjournalisten KEINE Unterhaltungssendung.
Danke für alle Infos und Hinweise hier, ich hab was nachzuholen!
Wer Kerner verpasst hat, kann die Sendung hier anschauen:
http://www.sat1.de/kerner/video/clips/clip_karl-theodor-zu-guttenberg-im-interview_38211/
Habe die Sendung ebenfalls verfolgt und fand sie persönlich sehr gut! Zunächst aber empfinde ich das Wort “Talkshow” als Fehl am Platze. Mit diesem Begriff verbinde ich “Vera am mittag” oder “Zwei bei Kallwass” oder sonstigem hirnfreien Mist! Das Ziel dieser, nennen wir es Dokumentation, war einzig und alleine in meinen Augen, dem “unwissenden” Zivilisten zu Hause wenigstens mal ein bißchen näher zu bringen, was der Bundeswehreinsatz in Afghanistan überhaupt beinhaltet. Und genau das ist unserem Minister auch gelungen. Ich respektiere und achte seinen Schneid, den er mit dieser Aktion bewiesen hat. Und auf Kommentare eines Herrn Gabriel kann nicht nur er, sondern können auch wir drauf verzichten. Erst mal besser machen und dann kritisieren. Mein erster Verteidigungsminister meiner Dienstzeit war Stoltenberg (kennt den hier überhaupt noch jemand, ich werd alt?) und ich glaube sagen zu können, dass ich beim Jetzigen ein sehr gutes Gefühl, was die Unterstützung und das Einsätzen für uns Soldaten angeht, habe!
Mario.
@Mario
Mein erster war “Tornado” Hans Apel
Man wird nicht alt, nur besser
Das Gefühl hinsichtlich KTzG teile ich, möge er der aktiven Truppe noch einige Zeit erhalten bleiben.
Ich habe die Sendung verfolgt und zeitgleich die Diskussion auf Twitter unter der Hashtag #Kerner. Traurig fand ich, dass dort kaum jemand bereit war, die Sendung als Schilderung der Arbeits- und Lebenssituation der Soldaten aufzufassen. Man kommentierte zu einem nicht unerheblichen Teil mit “schnell raus Parolen”.
In diesem Fall hat auch die Vorab-Berichterstattung grandios versagt. “Steffi” war das dominierende Thema in den Medien und in einem aus meiner Sicht absolut unnützen politischen Shitstorm. Doch weder der Minister, noch seine Frau waren auch nur annähernd in einem Umfang vertreten, wie es die Vorberichterstattung impliziert hat.
Leider wurde in der Sendung nicht deutlich, dass
- die Bundeswehr personell reduziert wird
- dem Kostendiktat in hohem Maße unterworfen ist
- der Einsatz bis auf weiteres mit der gleichen Intensität fortgeführt wird.
Die Sparmaßnahmen werden (in meinen Augen) die Einsatzhäufigkeit noch weiter erhöhen und die Belastung der Familien ebenso. Es bleibt zu hoffen, dass die Ausrüstung der Kameraden vor Ort nicht an Qualität und Brauchbarkeit abnimmt.
Und – wie üblich – war die Platzierung wieder einmal ungeeignet.
Mich stört es, wenn Soldaten wie kleine Kinder dargestellt werden, die ständig “Aufmerksamkeit”, Mitleid oder sonstige Streicheleinheiten brauchen. Tatsächlich führt der normale deutsche Soldat seinen Auftrag aus ohne zu klagen und braucht weder die heuchlerische “Aufmerksamkeit” deutscher Politiker noch das Mitleid von irgendwem.
Das ist ja mal eine interessante Ansage…!
Wir hier sind doch *die Anderen*.
Orontes, deine Meinungsäußerung hier regt sehr zum nachdenken an.
Wenn ich irgend könnte würde ich mich gern bei allen bedanken, die sich durch vielfältigste Aktionen und Initiativen für die Solidarität mit den Soldaten und zivilen Einsatzkräften engagieren, es möglich machen, dass Ihnen Hochachtung gezollt wird und Ehrerbietung entgegengebracht.
Ich habe immer versucht, das zu transportieren nach AFGH. Es tut uns Daheimgebliebenen gut und den Einsatzkräften vor Ort.
DANKE auch hier.
Die Medien habe ich wieder mit anderen Augen zu betrachten gelernt.
Es ist erstaunlich, was die Medien und vor allem Oppositionspolitiker alles in den Truppenbesuch hineininterpretiert haben.
Vor allem die “Journaille” muss von einem Virus befallen sein – was treibt diese um, jemanden derart zu demontieren? Ohne ihm parteipolitisch nahe zu stehen, muss man doch Fortschritte sehen und anerkennen, wenngleich noch einiges auf der To Do-Liste steht.
Aber wenn es das ist, was die Welt bewegt, welches Schuhwerk Herr zu Guttenberg bei seinem Besuch trägt “mal wieder seine gelben Stiefelchen, die die Kiddies in deutschen Großstädten tragen” (O-Ton General-Anzeiger Bonn) oder auch in Berliner Zeitung “er trug mal wieder seinen grauen Pullover mit Reißverschluss” – welch geistreiche Bemerkungen mehrerer Journalisten! Getoppt wird das Ganze aber noch mit der Bemerkung “vordergründige Fragen” und noch “fragwürdigere Antworten”: Eine Angehörige beantwortete doch die Frage, welche Sorgen sie umtreiben, mit “Das Schlimmste ist, dass er anders wiederkommt…”
Was sollte uns Angehörige auch anders umtreiben – allem voran die Angst um das nackte Überleben, und dann doch die seelische Unversehrtheit, es muss nicht immer gleich PTBS sein. Aber wir wissen doch um die stetig anwachsende Zahl derer, die sich in Abteilung VI eines Bundeswehrkrankenhauses wiederfinden wegen Schlaflosigkeit, Albträumen, Aggressivität, Angst vor großen Menschenmengen, Auswirkungen “mal wieder einer zerbrochenen Beziehung/Ehe/Familie.” Und das erdreistet sich, ein von nichts eine Ahnung habender Journalist derart zu verhämen mit “fragwürdige Antworten”???
Ein guter Beitrag, wenn er auch uns Insidern nicht viel Neues bieten konnte, aber um uns geht es hier auch nicht, sondern um die, die nichts wissen.
Ich stimme hier Orontes zu: Die SoldatInnen, die ich kenne, wollen nicht dieses ständige “auf die Schulter klopfen”, Mitleid etc., manche Initiative in der Öffentlichkeit von uns Angehörigen ist ihnen gar peinlich oder berührt sie ungewohnt oder gar unangenehm. Dass sie Anerkennung und Unterstützung von ihren Familien bekommen, dass ist oder sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Aber diese “Selbstverständlichkeit” wollen sie auch von der Gesellschaft – kein großes Getöse, sondern einfach die Wahrnehmung, die ihren internationalen Kameraden in ihren Heimatländern auch entgegengebracht wird, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Aber da wir in Deutschland so verkruxt mit diesem Thema umgehen, müssen wir Angehörigen wohl erst die Trommel rühren, damit überhaupt mal einer hier in unserer “Insel der Glückseligkeit” aufwacht. Ich befürchte auch, dass wir das in diesem Krieg nicht mehr hinbekommen mit einer “selbstverständlichen Wahrnehmung und Akzeptanz – vielleicht erst in den kommenden, wenn es dann noch junge Leute geben sollte, die sich für ein derart undankbares Vaterland, für solch scheinheilige und verlogene Politiker und solche dumpfbackigen Journalisten, die für die Stimmung und Meinung innerhalb einer Gesellschaft sorgen, ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren.
P.S. Unterstützung für die Soldaten im Einsatz ist mir persönlich natürlich sehr willkommen und ich bin dankbar dafür. Mich stört nur etwas, dass Soldaten zunehmend als passive Opfer und emotional empfindliche Wesen dargestellt werden, die vier oder sechs Monate an die Belastungsgrenze treiben, und die ganz dringend mehr Aufmerksamkeit, Betreuung und Therapie brauchen. Das ist alles gut gemeint. Gerade jene Soldaten, die tatsächlich Gefechte erleben, schaffen sich jedoch gerade eine eigene Kultur, bei der es darauf ankommt, solche Empfindlichkeiten zu reduzieren, also eine klassische Kämpferkultur. Ich spreche zwar nicht im Namen dieser Soldaten, aber ich glaube, man würde ihnen einen größere Gefallen tun, wenn man diese entstehende Kultur respektieren würde bzw. den Soldaten auch als Kämpfer respektiert und nicht nur als Opfer.
Ein paar Fragen stellen sich da aber doch:
Wenn man aber vom “Ist ja schön wie ihr euch aufopert, egal was dabei rauskommt” wegkommen wollte, wie es mal wieder in der Kerner-Show präsentiert wurde: Würde das nicht eher die Wirkung als die Belastung in den Vordergrund stellen – und damit eher die gemeinsame Mission als den einzelnen Soldaten? Ist das wirklich gewünscht, sowohl von Politik als auch seitens der Soldaten?
Ist eine “klassische Kämpferkultur” wirklich das, was in Afghanistan zum Erfolg führt? Oder gehen die Erfahrungen der Verbündeten nicht eher in die Richtung, dass der Soldat neben Kämpfer eben auch Politiker sein muss?
Und letztlich: Ist eine “freundlich-unkritische Anteilnahme”, wie es wohl von Soldaten und Politik bevorzugt wird, ohne mehr Interesse am Wirken der Soldaten überhaupt erreichbar und wünschenswert?
Wenn man sich beispielsweise die soldatische Kultur in Amerika anschaut, dann wird da über den Afghanistan-Einsatz auch seitens der Soldaten berichtet und diskutiert. In Deutschland herrscht da seitens der Soldaten ziemliches Schweigen – da habe ich durchaus den Eindruck, dass das deutsche Militär schon irgendwie als Komplize der Politik beim Belügen der Bevölkerung wahrgenommen wird. Das wird vielleicht nicht konkret dem einzelnen Soldaten angelastet, aber der damit verbundene Verlust an Respekt färbt wohl letztlich auch auf ihn ab.
Vielleicht sollte man einfach mal diese Reportage hören.
http://www.youtube.com/watch?v=JWEbIBjxYjU&feature=player_embedded
Allen Diskutanten ein frohes, freidliches und besinnliches Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr
Also ich fand die Sendung an sich i.O.!!! Hier wurden diejenigen, welche noch keine Ahnung oder geringe Ahnung von Afghanistan haben, zumindest ein wenig aufgeklärt.
Die Kritik an zu Guttenberg kann ich auch nicht nachvollziehen. Er versucht nunmal eigentlich “nur” eine (Ver-)Bindung/Transparenz zwischen den Soldaten im Einsatz und der Gesellschaft, herbeizuführen. Dies hatten seine Vorgänger und hohen Militärs nunmal seit fast einem Jahrzehnt (gewollt) nicht geschafft und hörten hierbei nicht auf kritische Stimmen der Kameraden und Kameradinnen aus dem Einsatzgebiet, obwohl diese über mehr Einsatzerfahrung verfügen als der als so mancher Entscheidungsträger in der Führungsebene.
Natürlich kann man meinen, dass zu Guttenberg populistisch vorgeht. Jedoch bleibt ihn da auch keine andere Wahl es der Gesellschaft so beizubringen, nachdem, wie bereits erwähnt, nun mehr fast ein Jahrzehnt vergangen ist ohne für eine vernünftige Aufklärung über den Einsatz zu sorgen.
Ich habe auch ein gutes Gefühl was zu Guttenberg betrifft. Er hat schon das ein oder andere für die Kameraden im Einsatz geleistet, damit sie flexibler reagieren können falls sie mal wieder mit Raketen beschossen werden oder anderweitig angegriffen werden. Ich hoffe auch, dass er eine Reform bezüglich der Veteranenversorgung bzw. von Wehrbeschädigten schafft. Weil, was diese Kameraden durch unsere deutsche Bürokratie erleiden müssen ist einfach nur unehrenhaft und unter aller Sau!!! Hierfür muss sich die Bundeswehr einfach schämen.
Über die Abzugspläne kann ich auch nur sagen, dass man nicht zu früh gehen sollte. Das vielleicht das mühsam Aufgebaute binnen kurzer Wochen wieder zerstört werden würde, sollte man hierbei bedenken. Zudem würde man meiner Meinung nach das Andenken der gefallenen Kameraden verraten, da ihr Tot dann sinnlos werden würde (sofern der Tot überhaupt einen Sinn hat!).
Lange Rede kurzer Sinn. Ich wünsche allen ein besinnliches Weihnachtsfest, schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Meine besonderen Grüße gelten allen Soldatinnen und Soldaten in den Einsatzländern dieser Welt. Ihr leistet großartige Arbeit, ihr verdient meinen und den Respekt aller Deutschen, und kehrt gesund nach Hause zurück.
MfG
Michl