(Zweisprachig dari/deutsch) Heute möchte ich Ihnen einen afghanischen Politiker vorstellen, von dem Sie in deutschen Medien wohl noch nicht viel gelesen oder gehört haben. Ich behaupte: selbst deutsche Sicherheitspolitiker oder Bundeswehrverantwortliche werden ihn nicht kennen. Unter den Afghanen gilt er als Hoffnungsschimmer Nr. 1 am Horizont für die Zeit nach 2014, wenn die westlichen Truppen das Land verlassen haben. Bereits 2009 kandidierte er für das Präsidentenamt und will nun bei der nächsten Wahl wieder antreten. Er bezeichnet sich als den Gandhi Afghanistans: Dr. Ramazan Bashardost (Bashar—>Mensch, Dost—>Freund). Ein unter allen Ethnien anerkannter Politiker, der zu einer moralischen Größe im Parlament zählt und sich seit Jahr und Tag gegen die Korruption im Lande einsetzt. Im Oktober diesen Jahres wird sich Dr. Bashardost in Deutschland aufhalten. Das Afghanistan Blog wird ihn auf seiner Tour durch Deutschland exklusiv begleiten.
Erstmals biete ich einen Blogpost auch in Dari an. Mein afghanischer Journalistenkollege Naser Ahmadi war so freundlich den Text zu für meine afghanischen Leser zu übersetzen. Taschakor Naser jan
Dr. Ramazan Bashardost könnte beim Machtpoker in Afghanistan nach 2014 eine Persönlichkeit sein, die den historischen Urkonklikt unter den Ethnien beenden könnte, damit das Land ein neues Fundament für eine neue Perspektive erhält. Er finanziert sich durch Spenden, verteilt das meiste Geld an die Bedürftigen, meidet den Luxus, hatte sein Büro bis vor kurzer Zeit noch in einem spartanischen Zelt gegenüber vom Parlamentsgebäude eingerichtet. Allerdings, so behaupten andere Politiker, die ihn kennen, er habe nicht genügend Macht um sich herum und wäre daher völlig ungeeignet für das Präsidentenamt. Dr. Bashardost gehört selber der Ethnie Hazara und wird von allen anderen Ethnien akzeptiert und als Volksfreund geehrt und geachtet.
“Der 50jährige Politiker fährt im schäbigen Taxi, während andere in gepanzerten Limousinen unterwegs sind. Der ehemalige Planungsminister Karsais ist eine wichtige Stimme im Parlament in Kabul. Er geht gegen Kriminalität und Korruption vor, und er ist furchtlos. Die Leute mögen ihn. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen kam der Mann mit dem Gandhi-Image auf Platz drei. Bashardost ist Angehöriger der Hasara, einer ethnischen Minderheit, die in Afghanistan diskriminiert wird. Er lebt bescheiden ohne Luxus und empfängt die Menschen in einem kleinen Zelt auf der Darulaman-Straße gegenüber dem Parlamentsgebäude. Weit entfernt sieht man die Überreste des alten Königspalastes – Symbol für ein Land, dessen Geschichte voll von Krieg und Zerstörung ist.
Fünf Jahre schon dauerten die Arbeiten an der Straße, berichtet Bashardost, doch nichts werde fertig. „Alles wegen der Korruption.“ Das Unternehmen, das die Fahrbahn neu asphaltieren soll, habe bereits vier Mal gewechselt. Den Auftrag bekomme der, der den Beamten der Straßenbaubehörde genug zahle, bis ein Anderer mehr biete. Bashardost hat keine schlechte Meinung von Präsident Karsai: „Er ist ein sehr netter Mann.“ Doch auch Bashardost ist besorgt um die Zukunft Afghanistans. Die Regierung sei schwach und die Sicherheitslage katastrophal. „Es ist kaum möglich, sich die Situation schlimmer als heute vorzustellen.“ Wenn Ziele mitten in Kabul angegriffen würden, dann sei das Krieg.
Bashardost glaubt nicht, dass Karsais Regierung nach dem Abzug der westlichen Truppen noch Bestand haben wird. Ihr würden dann die finanziellen Mittel fehlen. Ohne die USA habe Karsai nicht genug Geld, um seine Stellung zu behaupten. Der Politiker glaubt, dass nach dem Nato-Abzug die Taliban wieder die Macht ergreifen könnten. Die Möglichkeit eines Friedensabkommens zwischen Karsai und den Taliban bezweifelt Bashardost. Die islamistischen Kämpfer würden Karsai nicht akzeptieren, wenn sie wieder an der Macht seien. Die afghanische Regierung habe zu viele Taliban getötet.” (Quelle gebende-haende.de)
Dr. Ramazan Bashardost, geboren 1965 in Qarabagh, Provinz Ghazni, ist ein afghanischer Politiker, der den Ruf besitzt sich massiv gegen Korruption einzusetzen. Bashardost absolvierte seine Ausbildung, Grund- und Mittelstufe, in Qarabagh und später in Maimana, Hauptstadt von Fariyab im Norden Afghanistans
Als es 1978 in Afghanistan zum Staatsstreich kam, emigrierte er nach Iran und von dort nach Pakistan und führte seine Schulbildung in diesen Ländern fort. 1983 verließ Bashardost Pakistan und wanderte nach Frankreich aus, wo er mehr als 20 Jahre verbrachte.
Im Jahr 1989 studierte er an der Universität Grenoble und machte dort seinen Master in Law. 1990 machte er seinen Master in Diplomatie an der Universität Paris. 1995 promovierte er in“ Rechtswissenschaften“ an der Universität Toulouse. Er schrieb seine Dissertation über die“ Rolle der UNO gegen die sowjetische Invasion in Afghanistan“. Nach Jahren im Exil kehrte Bashardost 2002 nach Afghanistan zurück und er wurde 2003 bei der UN im Ministerium für Europäische und westliche politische Angelegenheiten als Direktor ernannt.
Im März 2004 besetzte er die Position des Ministers für Planung. Bald jedoch trat er aus Protest gegen die Regierung, nicht im Sinne des Volkes zu handeln, zurück. 2004 veröffentlichte Bashardost sein Buch, in dem er die Gesetzgebung Afghanistans aus historischer Sicht analysierte. Das Buch wurde von der Akademie der Politikwissenschaften Frankreich gelobt und ausgezeichnet. Solch eine Auszeichnung wurde das erste Mal einem unabhängigen afghanischen Wissenschaftler und Gelehrten verliehen.
Dr. Bashardost lehnt jegliche Zugehörigkeit zu einer Ethnie, einer militärischen oder politischen Partei ab. Er betrachtet sich als einen unabhängigen Wissenschaftler und einen politischen Aktivisten. In Afghanistan ist er bekannt für seine Unterstützung und Verteidigung der Menschenrechte. Er ist ebenso bekannt als eine prominente Stimme gegen Korruption, als mutiger Reformer und als Kritiker der Regierung.
Im Jahr 2006 wurde er zum Abgeordneten Kabuls bei den Parlamentswahlen gewählt. Er gewann die dritthöchste Zahl an Stimmen, die sich zwischen ethnischen und sprachlichen Gruppen erstreckte. Am 7. Mai 2009 kandidierte Dr. Bashardost bei den afghanischen Präsidentschaftswahlen. Eine weiße Taube, ein Symbol des Friedens, war Bashardosts Emblem in seinem Wahlkampf. Bei der umstrittenen Wahl erreichte er den dritten Platz, nach Hamed Karzai und Abdullah Abdullah. Im Jahr 2010 hat der Radio-Sender „RFE/RL“ Bashardost zur „Person des Jahres“ und „Gandhi Afghanistans“ ernannt.
Wenn Sie Dr. Bashardost unterstützen möchten, dann finden Sie hier den Weg zu den Kontoverbindungen seiner Foundation.












Endlich eine unbelastete Stimme aus dem Land, die zumindest nach Außen ein neues, ziviles und demokratisches Afghanistan symbolisieren könnte. Dr. Bashardost ist zu wünschen, dass seine Landsleute mit ihm einen Neuanfang wagen wollen und die intern. Gemeinschaft ihn dabei unterstützt. Viell. ergeben sich im Oktober ja Möglichkeiten zum Austausch mit deutschen Entscheidungsträgern…?
Lieber Kevo,
das wäre klasse. Vielen Dank für das Telefonat und das Blog zählt nun ein bischen auf Sie, dass Sie Ihren Worten Taten folgen lassen und der die eine oder andere Begegnung Bashardosts mit Bundestagspolitikern netzwerkerisch unterstützen könnten…:-)
Sehr geehrter Herr Barschow,
Ihre Berichterstattung zu Herrn Dr. Bashardost war für mich äußerst informativ. Bei seinem Besuch am 20.10.12 in Berlin werde ich bei der Veranstaltung von Dr. Safi, Komitee für Frieden, Wiederaufbau und Kultur, anwesend sein.
Meine Artikelfolge “Das afghanische Postwesen – exotisch und spannend” können Sie gerne bei Ihnen einstellen.
Es würde mich freuen, von Ihnen zu hören
Ihr Franz-Josef Pütz
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