Fußball WM in Afghanistan…

08/06/2010
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Ahmed Karimi ist ein niederländischer Afghane, der 2007 in sein Heimatland zurückgekehrt ist, um beim Wiederaufbau zu helfen. Er schreibt auf dem Weblog Kabul über kleine und große Probleme des Alltags, über die Menschen, die er trifft und über die sich verschlechternde Sicherheitslage. Karimi möchte zeigen, wie die Menschen tagtäglich überleben und dass Afghanistan mehr ist als Taliban, Krieg und Korruption.

In seinem letzten Eintrag vom 05. Juni berichtet er über eine Thema, das uns hier in Deutschland schon seit Wochen beschäftigt und ab Freitag wieder die Nachrichten dominieren wird: Die Fußball WM in Südafrika… Wie also erlebt ein niederländischer Afghane das sportliche Highlight des Jahres, das in seiner europäischen Heimat für große Schlagzeilen sorgt, während in seinem Heimatland ganz andere Dinge wichtig sind?

Wir sind nur noch ein paar Tage von der Fußball WM entfernt. Die Weltmeisterschaft ist noch nicht wirklich in Afghanistan angekommen. Man spricht schon darüber, aber es ist noch ein langer Weg bis zum richtigen Fußballfieber. Ich selbst bin voll dabei bei den Vorbereitungen für die WM. Seit Tagen bin ich damit beschäftigt, den richtigen Kabel TV Anbieter zu finden, der Sportsender in seinem Angebot hat. Ich dachte, ich hätte den richtigen gefunden, bis ich gestern den Fernseher anmachte. So gut wie alle Sportkanäle waren verschwunden.

Da es Freitag war (der islamische Sonntag) konnte ich niemanden erreichen. Heute habe ich alles versucht, sie zu erreichen, damit am kommenden Freitag alles funktioniert. Ich habe extra einen Beamer und eine große Leinwand in meinem Zimmer aufgestellt.

Es wird wahrscheinlich schon klappen mit meinem Kabelkanal. Alleine Fußball zu schauen ist nicht sonderlich spaßig. Diese WM wird die zweite große Meisterschaft sein, die ich “verpassen” werde. Auch die Europameisterschaft 2008 musste ich alleine schauen. Ich vermisse – jetzt, wo ich hier bin – das niederländische Fußballfieber; die orangen Straßen, den organgen Krimskrams, Fußball in einem Café zu schauen zusammen mit einer riesigen Menschenmasse. Die WM 2006 in Deutschland war ein großes Fest. Ich habe damals alle Spiele zusammen mit Freunden angeschaut.

Bei der EM 2008 war es in einigen Restaurants in Kabul noch möglich, die Spiele auf einem großen Bildschirm anzuschauen. Es war damals auch möglich, dabei ein Bier zu trinken. Seit ein paar Monaten hat die Polizei den Verkauf von Alkohol in Restaurants und Cafés verboten. Das wurde den Restaurants ein wenig zum Verhängnis. Catering (für Ausländer) war bis vor kurzem ein großes Geschäft, aber nun sind die Restaurants so gut wie leer, weil niemand mehr zum Essen ausgeht. Ich habe dieses Mal viel Vertrauen in “unsere Jungs”. Ich erwarte, dass die Niederlande gut in das Turnier starten. Wenn die Niederlande Weltmeister werden, komme ich bestimmt zurück um in den Grachten von Amsterdam zu feiern. Versprochen!

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One Response to Fußball WM in Afghanistan…

  1. Mauricio Vondrasek on 22/06/2010 at 14:32

    Ich glaube das Deutschland in der Gruppenphase rausfliegt.Wenn sie so spielen wie das letzte spiel, wird es wohl so sein. Mesut Özil ist mit Abstand der deutsche Nationalspieler. Viel Glück den Deutschen.Vuvuseelers sind sowas von schrecklich , bekomme nur Kopfschmerzen. Ich glaube das Klose, nicht der richtige Stürmer ist.

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