20. Februar 2008: Spenden sind angekommen…
Vor ein paar Tagen war es nun endlich soweit: wir sind in die Schule gefahren, deren Schueler unsere Ankunft schon so sehnsuechtig erwartet hatten. Zuvor hatten wir mit einer Spedition unsere Einkaeufe zur Schule liefern lassen: Stuehle, Tische, Buecherregale, kleine Containerboxen, Papier in A4 und A3, Schulhefte, einen Fernseher, einen DVD-Player, Kinderbuecher und insgesamt vier Tonnen Winterkleidung – gespendet von einer ostfriesischen Schule.
Es war wie eine Nacht- und Nebelaktion, denn zur Zeit sind ja noch Ferien in Afghanistan, also musste der Direktor seine Schueler zum Tag der Tage ueber einen Muezzin zur Schule rufen lassen. Als wir morgens durch das Schultor fuhren, hofften wir wenigsten auf ein paar Kinder – doch wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: zirka dreihundert Schueler und Schuelerinnen und bestimmt 50 Lehrer hatten sich auf dem Schulhof versammelt.

In den einzelnen Klassen hatten die Lehrer spaeter Muehe, ihre Schuetzlinge im Zaume zu halten – schliesslich sahen sie unseren grossen Laster auf dem Hof stehen, die Vorfreude war entsprechend gross. Da wir nicht mit so vielen Kindern gerechnet hatten, fiel es uns auch dementsprechend schwer, eine geordnete und wohlvorbereitete Verteilung durchzufuehren. Nichtsdestotrotz gelang es uns dann doch, etwas Ruhe in das mehr oder weniger geordnete Chaos zu bringen. Die einzelnen Klassen warteten in ihren Raeumen, ein ohrenbetaeubener Laerm, lachende Kinder, Lehrer, die ihre Schueler immer wieder zur Ordnung rufen mussten – hatten sie von sich selber aus doch eher ein geordneteres Warten vorgstellt. Unsere Kinderbuecher rissen uns die Kleinen foermlich aus der Hand. Denn bisher hatten die Kinder noch keine eigenen Schulbuecher. Diese wurden bisher je nach Unterrichteinheit an die einzelnen Klassen “ausgeborgt”.

Endlich ein Tisch im Unterrichtsraum, in dem die Schueler bisher nur an klapperigen Tischen sitzen mussten. Jetzt ein langer Tisch, an dem gearbeitet werden kann und 50 kindgerechte Hocker und die langersehnten Regale.


In diesen Containerboxen koennen die Schueler und Lehrer nun ihre Unterrichtsmaterialien lagern. Die Augen der Kinder sind immer groesser geworden als sie all diese Sachen gesehen haben. Zu unserer Uebergabe waren auch afghanische Nachrichtenagenturen erschienen, die ueber dieses Ereignis schreiben wollten. Auch unsere Medien von Sada-e-Azadi (Radio, TV und Zeitung) waren dabei, um ueber diese Spendenaktion, die von franzoesischen Soldaten aus dem Regional Command Capital (Camp Warehouse) unterstuetzt wurde, zu berichten.
Der Schuldirektor bedankt sich stellvertretend fuer alle 6000 Schueler – die an diesem Tag natuerlich nicht alle da waren – und gruesst alle Spender in Deutschland, die diese Hilfe ueberhaupt moeglich gemacht haben. Die Malkarten, die CASH mir fuer die Kinder mitgegeben hatte, habe ich mittlerweile wieder zurueck und werde sie nach meiner Rueckkehr nach Deutschland an Oberstabsfeldwebel Butzloff (CASH) ueberreichen. Es sind viele schoene Bilder dabei, die einen aber auch nachdenklich stimmen. Kleine Kinder, die ihre Gedanken in bunte Bilder fassen und tief blicken lassen. Bilder, die den Alltag dieser Kinder widerspiegeln, eine Realitaet, die fuer uns daheim kaum vorstellbar ist. Ich werde diese Zeichnungen bald hier veroeffentlichen.
Momente…




Dieser kurze Bericht und die Bilder nur eine kleine Zwischenmeldung, dass die Spenden von Ihnen in Kabul angekommen sind. Ich warte derzeit noch auf weitere Bilder, die ich dann hier hochladen werde. Dann reiche ich auch einen ausfuehrlicheren Bericht nach. Derzeit sind wir mit der Fertigstellung unserer vorletzten Sada-e-Azadi beschaeftigt. Danach habe ich wieder ein bischen mehr Luft und melde mich dann wieder.
Die Zeit vergeht momentan wie im Fluge. Etwas uber drei Wochen noch, dann sitze ich wieder im Airbus Richtung Heimat. “Kabul, ich komme wieder” ist dann schon wieder Vergangenheit. Ich hoffe, diesem Land verbunden bleiben zu koennen. Zur Schule werde ich Kontakt halten. Von Ihren Spendengeldern ist noch ein ordentlicher Betrag ueber geblieben. Von ihm werden wir einer zweiten Schule Stuehle und Tische kaufen. Ihnen allen ganz herzlichen Dank fuer Ihre Unterstuetzung.
Viele Gruesse aus Kabul
Ihr
Boris Barschow
Fotos: privat/Copyright: Boris Barschow













Hi Mr. Boris Barschow ,
My name is Imal Hashimi, I am the photo journalist who covered your program of aid distirbution to children , please have a look at my website ( http://www.daillyaf.blogspot.com )to see your program’s photos and short report.
am 25. Februar 2008 um 10:40 pm Uhr. Unglaublich,
Gratulation, dass Du, Ihr dass geschafft habt.
Diese Augen und Gesichter zeigen, warum Du wieder da bist und warum sich Deutschland engagiert.
Weiterso, komm gesund zurück.
am 26. Februar 2008 um 6:47 am Uhr. bearbeitenHallo Polarbaer,
thanks for message. Klar komme ich gesund wieder. Auf bald Kamerad.
Wir sehen uns, wenn ich wieder im Lande bin.
Bis dahin.
B.B.
am 29. Februar 2008 um 5:44 pm Uhr. bearbeiten Hallo Herr Barschow,
gestern habe ich ihr Buch auf meinem Flug von Deutschland nach USA gelesen. Vielen Dank, dass sie es geschrieben haben. Das Buch ist total interessant und ich bin ganz ihrer Meinung ueber Afgh. Ich war fuer 6 Wochen 2005 in Afghanistan – Kabul, Panjshir, Mazar-e-Sharif, Logar Province. Wie sie, liebe ich dieses Land und ihre Menschen.
Meine Frage – warum kann das Deutsche Militaer nicht mehr an Kleidung, Schuhe, Haushaltsware und anderen Dingen nach Afgh. fliegen? So viele Transportflugzeuge fliegen hin and her. Meine Freundin lebt in Penzing wo die Transall stationiert sind. Ich koennte eine grosse Menge von Spenden zusammenstellen wenn ich nur einen Weg haette sie dort hinzubringen. Haben sie keine connections die helfen koennten? Ich wuerde ich Leute kennen in Kabul und Kunduz die die Spenden abholen und austeilen koennten. Gestern brachte ich wieder 40 kg on Kinderkleidung von Deutschland mit mir nach USA um sie dann von dort aus nach Afgh. zu senden.
Ich habe von USA aus via dem Militaer schon ueber 25 000 kg an Spenden wie medical supplies, Kleidung usw. von Wyoming nach Bagram geschickt. Ein afgh. Chirurg holt sie dort ab und teilt die Spenden an Kliniken, Krankenhaeuser und arme Menschen aus.
Herzlichst
Rita Iverson, RN
Casper, Wyoming USA
http://www.bellaslilmiracles.com
am 23. Juli 2008 um 8:29 am Uhr. bearbeiten Lieber Herr Barschow,
eine wunderbare Leistung, die durch glückliche Kinder belohnt wurde! Würde ISAF nur für solche Taten im Afghanistan präsent sein, wäre es eine unstrittiger Einsatz. Aber wozu bräuchte es dann noch Uniformen und Tornados?
Die Hauptaufgabe der ISAF, von OEF ganz zu schweigen, ist leider eine andere, bei der es um die Durchsetzung strategischer Machtinteressen und den Zugriff auf Rohstoffe geht.
Solch durchaus verdienstvolle Taten, wie Ihre, werden doch leider zu nichte gemacht durch neue Gewalt ihrer militärischen Kameraden auf vermeintlicher Terroristenjagd. Vielleicht liegt darin auch einer der Gründe, weshalb in allen Medien so wenig über solche Taten, wie Ihre, berichtet wird, da man ja dann in größerer Öffentlichkeit über die Sinnhaftigkeit dieses militärischen Einsatzes in Afghanistan reden müßte. Daran dürfte stellvertretend Herr Jung und erst recht die Rüstungsindustrie, die auch mit diesem Einsatz unmoralische Gewinne macht, kein Interesse haben.
Mit freundlich anerkennend kritischen Grüßen an Sie
Harald Briesovsky