DEU beginnt am Jahresende mit Truppenabzug

22/06/2011
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Und jetzt geht alles plötzlich ganz schnell: Bundesaußenminister Westerwelle (FDP) will Ende des Jahres damit beginnen, die Sicherheitsverantwortung in Afghanistan abzugeben. Wie viele Soldaten abgezogen werden, ließ er heute in seiner Pressekonferenz im Auswärtigen Amt offen. Im Prinzip hat er nichts Neues erzählt. Offenbar ist der AFG-Einsatz der Bundeswehr in der Gesellschaft nicht mehr zu verantworten (?) Anders kann ich mir die Kehrtwende dieser Politik nicht mehr erklären. Vor zehn Jahren mit der NATO rein nach AFG (hat damals eh niemanden interessiert) und jetzt der internationale Rückzug…beschlossen auf der Londoner AFG Konferenz zu Beginn letzten Jahres. Plötzlich „Gespräche“ mit den Taliban? Nicht, dass mich hier jemand falsch versteht. Ich finde das nicht richtig! Das Land nun alleine lassen zu wollen, grenzt an Verantwortungslosigkeit…bei allen Mühen und Opfern der vergangenen 10 Jahre. Wofür mussten dann unsere Soldaten sterben? Verschiedene Experten prognostizieren nach Abzug der NATO einen Bürgerkrieg in AFG. Wem würde dann eigentlich damit geholfen? Bin schon auf die AFG Konferenz Anfang Dezember auf dem Petersberg gespannt…wie transparent uns 90 Länder dieser Welt den Rückzug vom Hindukusch „verkaufen“ werden.

Bildquelle: zeit.de

 

Bundeswehr beginnt Ende des Jahres mit Afghanistan-Abzug:

Deutschland wird Ende des Jahres erstmals die Präsenz von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan verringern. In enger Abstimmung mit den USA werde die Verantwortung für die Sicherheit an afghanische Behörden übergeben und parallel dazu das Bundeswehrkontingent am Hindukusch verringert, kündigte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin an. „In Kürze beginnt in Masar-i-Sharif die Übergabe der Sicherheitsverantwortung von deutschen Isaf-Soldaten an afghanische Sicherheitskräfte. Insgesamt beginnt dieser Prozess in drei Provinzen und vier Städten, in denen ein Viertel immerhin der afghanischen Bevölkerung lebt.“

Wie viele Soldaten abgezogen werden sollen und ob es sich dabei um Kampftruppen oder andere Einheiten handeln wird, sagte Westerwelle nicht. Dies sei Sache der Bundeswehrführung. Ziel sei es, 2014 komplett die Sicherheitsverantwortung in afghanische Hände zu legen, sagte der Außenminister. „Natürlich ist damit unser Engagement und unser Interesse für Afghanistan nicht beendet.“ Mit dem Abzug setzt die Bundesregierung einen Bundestagsbeschluss um, der besagt, dass Ende diesen Jahres mit dem Abzug deutscher Soldaten begonnen werden soll. (weiter auf zeit.de)

Sehen Sie hier die Rede Westerwelles auf zeit.de (Video)

 

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14 Responses to DEU beginnt am Jahresende mit Truppenabzug

  1. Paul on 22/06/2011 at 21:52

    Die Regierenden sehen langsam aber sicher ein, dass der Krieg gegen die Taliban nicht zu gewinnen ist. Aber das hätte man ja auch schon vor 10 Jahren wissen können. Dazu kommen die immensen Kosten, die mit der Truppenstationierung verbunden sind. Wie lange kann sich der Westen das überhaupt noch leisten??

    Jetzt sind viele Soldaten tot und die Öffentlichkeit und deren Familien fragen sich verständlicherweise „warum“. Es ist eine niederschmetternde Antwort, denn die braven Soldaten sind für nichts umgekommen. Sie haben die Arschkarte gezogen dank dem unverantwortlichen Verhalten der Politik.

    Afghanistan droht nach dem Abzug der Westmächte sicherlich ein (heißer) Bürgerkrieg zwischen Taliban und der Zentralregierung in Kabul, die sich nur dank der Hilfe aus dem Westen halten kann. Die Peripherie wird wieder den Sieg davon tragen, wie so oft in der Geschichte. Darüberhinaus kann es nie einen Frieden geben, solange Pakistan die Taliban unterstützt um Afghanistan zu destabilisieren.

  2. Helga D. on 23/06/2011 at 10:36

    Den Krieg in AFG haben die USA nach dem September 2001 begonnen, weil sie sich angegriffen gefühlt haben. Deutschland hat wie so viele andere Nationen, seine Solidarität erklärt und seinen Beitrag hierzu bis dato geleistet. Wenn die USA jetzt, wie gestern im ZDF-heute-journal zu hören und zu sehen – übrigens nicht das erste Mal – die Sinnfrage stellen, kein Geld mehr im Säckel für Kriegsführung haben und es weder der Bevölkerung noch den Soldaten und deren Familien erklären kann, und deswegen mit dem Truppenabzug beginnen – ja dann können nicht nur, nein dann müssen wir und andere Nationen diesen Schritt ebenfalls gehen. Denn wir haben die gleichen Probleme und haben zudem nicht diesen Krieg begonnen.

    Eine Kernaussage dieses Berichtes im heute-journal: „Wir haben Schulen gebaut, wir haben Bildung gebracht – aber wir können nicht ein ganzes Land wieder aufbauen…“
    Sehr richtig, dass muss die Bevölkerung selbst tun! Zum großen Teil hat sie sich aber zurückgelehnt und diese Arbeit erledigen „lassen“ – daran trägt der Westen selbst am meisten Schuld. „Fördern und fordern“ – das wäre der richtige Weg gewesen.

    Und da gebe ich „Paul“ weiter oben Recht, die Soldaten wissen nicht mehr, wofür sie da sind und wofür so viele Kameraden ihre Gesundheit und ihr Leben dort gelassen haben – und wir Familien erst Recht nicht – Antworten konnte und wollte uns bis heute nie jemand geben. Und den Umstand der so vielen gefallenen Soldaten damit zu erklären, dass man weitere „opfern“ muss, damit sie nicht „umsonst“ gefallen seien, ist – sagen wir mal „verklärt.“ Jedes weitere Menschenleben, jede weitere Gesundheit, jede weitere Familie, die zerbricht, weil man die vielen Einsätze nicht mehr verkraften kann, jedes weitere Kind, das hier zu Hause nach seinem Papi oder Mami weint, ist zu viel.

    Was dann aus dem Land wird – man wird sehen. Vielleicht begreifen die Afghanen – die es so ja nicht gibt, sondern jeder kocht sein eigenes Süppchen, ihnen geht doch selbst das eigene Land sonst wo vorbei – dann, dass sie eine Chance hatten und sie sie nicht genügend genutzt haben. Die Geschichte hat gezeigt, dass Afghanistan immer wieder auferstanden ist…

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1367814/ZDF-heute-journal-vom-22-Juni-2011

  3. Klaus on 23/06/2011 at 10:52

    Für diesen Schritt hätte der US-Präsident eigentlich seinen Friedensnobelpreis verdient! Endlich begreifend, dass dieser Krieg nichts bringt – außer Unheil über die eigene Bevölkerung, 61 % Prozent der Bevölkerung ist gegen diesen Krieg!
    Endlich begreifend, dass die USA sich um die eigenen Probleme im Land kümmern muss.
    Endlich begreifend, dass nicht noch mehr Soldaten sterben und seelisch/körperlich verwundet werden dürfen.

    Scheint das endlich auch in die Köpfe unserer Politiker zu dringen – es bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur polemische „Bemühungen“ sind, sondern dass auch der Abzug deutscher Soldaten schnellstens umgesetzt wird. Hoffentlich gehen auch die übrigen Nationen diesen Weg!

    Auch der deutschen Bevölkerung ist schon lange keinen Sinn mehr zu vermitteln und auch uns Soldatenfamilien nicht – dafür solte es sich lohnen, auf die Straße zu gehen, wenn deutsche Politiker nicht endlich den Mut dazu haben!

    • Pille on 24/06/2011 at 19:25

      Wenn sich die Bevölkerung ein wenig für Afghanistan interessieren würde, die Soldaten nicht ohne Vorwissen dorthin geschickt werden würden – wenn wir endlich mal von unserem 2.WK-Trauma wegkommen würden UND dann die Leute sagen Abzug, dann würde ich ihnen recht geben.

      Aber mal ehrlich, die Leute hier in DTL die sich für AFG interessieren und sich engagieren kann man an einer Hand abzählen…der Rest wird dumm gemacht und bleibt dumm – selbst Schuld…wer nur an die Sachen seiner „Tageszeitungen“ glaubt oder an „RTL-aktuell“ dem ist einfach nicht mehr zu helfen…

  4. Helga D. on 23/06/2011 at 12:05

    Angenommen, es wäre damals nicht die berühmte Zitrone gewesen, mit der man auf Sie „schoss“, sondern es wäre eine Kugel gewesen – hätten Sie dann bei Ihrem letzten Atemzug gedacht, „ich bin für eine gute Sache gestorben“?

    Angenommen, Sie hätten in die Augen Ihres gefallenen Kameraden geschaut – hätten Sie seinen Angehörigen gesagt, „es hatte einen Sinn, dass er gefallen ist“?

    Angenommen, Sie hätten durch einen Sprengsatz beide Beine oder Arme verloren und Sie könnten heute z. B. kein Motorrad mehr fahren, was wohl das kleinste Übel sein dürfte – würden Sie sagen, „macht nichts, es war für einen guten Zweck“?

    Angenommen, Ihre Familie wäre zerbrochen, weil Frau und Kinder die Angst nicht mehr ertragen haben, weil so viel in den Beziehungen zerbrochen ist – würden Sie für sich einen Sinn darin sehen, dass Ihre Kinder ohne Vater aufwachsen, dass Sie einer Frau nicht mehr der Mann sein konnten, der Sie mal sein wollten?

    Angenommen, Sie können keine Nacht mehr schlafen, weil Albträume Ihnen vor Augen führen, dass Sie traumatisiert sind, dass Sie zittern, Schweißausbrüche haben, Angst haben, unter Menschen zu gehen, Sie deshalb zunehmend isoliert sind, keine Freunde mehr haben – würden Sie sich die Antwort geben: „Ja das ist es mir Wert“.

    Angenommen, Sie wüssten nicht, wie Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen, Sie Ihre Versicherungen und damit auch u. U. ärztliche Versorgung nicht mehr bezahlen könnten, weil Sie seit Monaten und Jahren um die Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung kämpfen und vom Staat im Stich gelassen werden, einer Arbeit aber aus psychischen Gründen nicht mehr nachgehen können – und auch Ihre Familie da hineingezogen wird – würden Sie immer noch einen Sinn in diesem elenden Krieg sehen?

    Mich erinnert dieses „dann wären die Soldaten umsonst gefallen“ an „Endsieg-Parolen“ aus früheren Zeiten. Die meisten Soldaten gehen in diesen Einsatz, weil es ihr Auftrag ist, weil sie sich mit ihrem Entschluss zu diesem Beruf und Berufung dazu mit einem Eid verpflichtet haben. Manch einer geht aus finanziellen Gründen, aus „Abenteuerlust“ oder um sein Können nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch unter Beweis zu stellen, um seine Kameraden nicht im Stich zu lassen, aus „soldatischem Selbstverständnis“ – es können unterschiedliche Gründe sein – aber der aus humanitären Gründen dürfte doch wohl eher nachrangig sein. Dafür böten sich auch andere Tätigkeiten oder Berufe wohl eher an. Und spätestens nach dem ersten Einsatz dürften diese Ideale dann auch eher untergegangen sein. Und die Zahl derer, die nicht mehr „freiwillig“ gehen, sondern sich den Befehl „schriftlich“ geben lassen, nimmt stetig zu – warum wohl???

  5. Gisela L. on 24/06/2011 at 13:27

    Lange genug hat es ja gedauert. Es war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Nun haben die Amerikaner, im eigenen Land, Finanzprobleme, und wodurch?
    Durch die immensen Unsummen, die diese Kriege, – die die Amis ja selber angezettelt haben, – gekostet haben. Auch eine Weltmacht stößt mal an seine finanziellen wie moralischen Grenzen.
    Daß die Amerikaner nun Ihre Truppen aus dem Land abziehen, dank Mr. Obama,
    daß die Franzosen und die Spanier, auch schon bekundet haben Ihre Truppen abzuziehen, und die Niederlande schon dieses Jahr raus geht,- das stand schon im letzten Jahr fest,- unabhängig von den Amerikanern, – da kann man nur hoffen, daß Dtschl., so schnell wie nur irgendmöglich nachzieht. Oder sollten die deutschen Soldaten als “ Nachhut “ oder das “ vergessene Batallion “ übrigbleiben. Nur lt. Beitrag von gestern im “ Heute Journal “ können sich unsere Soldaten nicht mal selber helfen. Sie haben noch nicht mal eigene Rettungs-und Sanitätshubschrauber, die sogenannten MedEvans. Lt. Herrn Außenminister Westerwelle, soll nun doch Ende des Jahres mit dem Abzug unserer Soldaten begonnen werden. Wollen wir hoffen, daß das nicht nur wieder hohles Geschwätz ist, sondern wirklich etwas passiert.
    Mag sein, daß in Afghnaisten, – wenn dann alle Truppen abgezogen sind,- ein Bürgerkrieg ausbricht, mag auch sein, daß die Taliban dann wieder die Oberhand gewinnen. Afghanistan war früher ein “ westlich orientiertes Land “ gewesen. Sollen die Menschen mal selber sehen, wie Sie da wieder hinkommen.
    Ich bin kein hartherziger Mensch, bei Gott nicht, aber als
    “ Verantwortungslos “ stufe ich das “ Abziehen “ der Nationen nicht ein. Eher als ein Faß ohne Boden, würde es nicht üassieren, wenn es in diesem Land so weitergehen würde.
    Mir jedenfalls liegen unsere Soldaten und deren Familien mehr am Herzen, als
    Afghanistan.

    • Pille on 24/06/2011 at 19:22

      Mir jedenfalls liegen unsere Soldaten und deren Familien mehr am Herzen, als
      Afghanistan.

      Das ist ja eine sehr tolle EInstellung wirklich! Zeigt die typische Arroganz des Westens…“Uns doch egal ob ein Land imn Bürgerkrieg versink, hauptsache wir sind (noch) sicher und haben unser Auto in der Garage und einen fetten LCD-Fernseher an der Wand“

      Wir sind vllt aus falschen Gründen 2001 nach Afghanistan gegangen, aber jetzt ist es umso wichtiger dort zu bleiben. Nicht für uns, sondern für die Afghanen. Aber westliche Dekadenz, anders kann ich das ganze hier jetzt nicht mehr nennen, bringt uns wiedermal dafür das falsche im richtigen Moment zu machen.

      Abzug jetzt (bis 2014) heißt definitiv Bürgerkrieg, definitiv Millionen tote Afghanen und wahrscheinlich eine Ausweitung des Konflikts auf die Randländer (Pakistan, Iran, Uzbekistan, usw)…haben wir ja wieder toll hinbekommen…Mit Taliban verhandeln wollen aber gleichzeitig Truppenabzüge verkünden ist SOWAS von DUmm…jeder DIplomat auf der Schule lernt das man sowas nicht macht, die Talibs brauchen jetzt nur mal bissl anziehen und schon sind wir 2012 endgültig raus – aber wir begreifen das nicht.

      Dieses Land ist kein Ball den man in die Ecke werfen kann wenn man auf diesen keinen Bock mehr hat…Afghanistan ist ein Land mit echten Menschen, ja richtig lebendige Menschen, die seit 30Jahren im Krieg versinken – und nein daran sind nicht nur sie Schuld, Schuld hatte der Kalte Krieg, der Westen, der Osten, Pakistan, die arrogante Bevölkerung, etcetc…wir hatten nach dem Abzug der Russen die Chance was zu verändern wollten das aber nicht…(5mio $ für den Aufbau von Schulen pro Jahr – lächerlich)…

      Klar ist es mistig das deutsche Staatsbürger da unten fallen, ich kann die Sorgen, Ängste, Nöte von ANgehörigen, SOldaten verstehen, fordere aber auch das sich diese in die Situation der Afghanen einfühlen…würde der Westen nicht immer so arrogant sein und sein Geld sinnlos dort unten verpulvern würden wir viel mehr positive Sachen sehen (und ja diese gibt es)…

      Und mit diesen Aussagen die ich hier lese, verstehe ich auch warum die wir abziehen – arroganz, egoismus, kaltherzigkeit…vielen Dank – sie haben mir wieder gezeigt wie sehr wir doch auf unserem hohen Ross sitzen.

      Pille

      • Paul on 27/06/2011 at 23:21

        und wie lange sollen denn westliche Truppen dort bleiben? Bleiben bedeutet doch nur den Bürgerkrieg und den offenen Kampf um die Macht nur weiter hinaus zu verschieben. Solange der Westen dort bleibt, verändert sich nichts, weil nichts entschieden wird. Beide Seiten liegen in einer Wartestellung, in einem Patt.
        Die Russen haben 1986 begriffen, dass die Sache nicht zu gewinnen ist und heute sind die Taliban auch nicht zu besiegen, wenn Pakistan als Rückzugsraum dient, wie ehedem den Mujaheddin.

        Stellt sich jemand überhaupt mal die Frage ob die Amis diesen Krieg überhaupt gewinnen wollen, oder ob diese Situation schön lange vor sich hin kochen soll, damit man „ewig“ vor Ort bleiben kann? Die Rückzugspläne sind vielleicht nur Lippenbekenntnisse. Jedenfalls hat der Westen dort wichtige wirtschaftliche Interessen.

        Wenn man die Taliban wirklich besiegen will, muss man auch Pakistan besetzen und die Rückzugsgebiete aufrollen. Das kostet aber viel Geld und viel Menschenleben. Das wollen die Politiker natürlich nicht bezahlen und hoffen lieber auf tröpfelnde Opfernachrichten alle 2 Wochen.

  6. Klaus on 25/06/2011 at 11:25

    @Pille

    Soldatenfamilien haben sich wohl mehr und intensiver mit Afghanistan beschäftigen und auseinandersetzen müssen, als wohl jeder andere in Deutschland und mehr als jeder x-beliebige Politiker.
    Ja, der Westen hat Verantwortung übernommen vor 10 Jahren, aber scheinbar nicht gewusst, auf was er sich da einlässt. 10 Jahre ist man halbherzig vorgegangen, vor allem deutschen Soldaten hat man untersagt, zu kämpfen, um mal einen Schritt voran zu kommen. Nein, sie durften „nur Schulen bauen und Brunnen bohren“ und zusehen, wie der „Nagel zum eigenen Sarg“ vor ihren eigenen Augen am Straßenrand vergraben wird.
    10 Jahre haben weder Afghanistans Regierung – wenn man so etwas überhaupt so nennen darf – und auch die Leute selbst, die Chance ergriffen, das Ruder herumzureißen und die Gunst der Stunde zu nutzen.
    Wir Soldatenfamilien kennen die Berichte, nicht nur des eigenen Soldaten, die von dem einen Schritt vor und drei zurück erzählen, von den Realitäten, die
    kein Fernsehsender und keine Zeitung berichtet.
    Warum „sitzt man auf einem hohen Ross“, wenn man als Bundesbürger und auch Betroffener genau das fordert, was andere Nationen auch tun (wollen) – Abziehen bzw. ein Ende des Krieges!
    Ich war stets gegen einen Alleingang Deutschlands – so lange die USA und die Bündnispartner ihren Anteil dort geleistet haben, muss(te) es auch Deutschland tun – keine Frage! Aber jetzt haben sich die Bedingungen geändert und wenn vor allem diejenigen gehen, die diesen Krieg begonnen haben, dann haben wir auch zu gehen.
    Und das wird für uns leider nicht der letzte Krieg gewesen sein.

    „Arroganz, Egoismus, Kaltherzigkeit“ – dies in die Richtung von Soldatenfamilien zu „schießen“ zeigt, dass Sie sich wenig mit den Realitäten auseinandergesetzt haben. Wir haben – ebenso wie die Soldatinnen und Soldaten – mehr gegeben, als jeder andere Bürger und Politiker Deutschlands: Das Wichtigste, dass wir haben – unsere Kinder und Partner! Und mit ihren körperlichen und seelischen Verwundungen oder gar deren VErlust müssen wir leben – niemand sonst!

    Wenn Politik in 10 Jahren nicht mehr leisten konnte, als das, was bisher herausgekommen ist, dann wird sie es auch nicht in den nächsten 10 Jahren tun. Hat die Aufstockung von 30 0000 US-Soldaten etwas Wesentliches gebracht?
    Nein. Und ich finde es „verantwortungsvoll“ nicht einfach weiter so zu machen und sich selbst und vor allem die Menschen in Afghanistan zu belügen, sondern auch einzugestehen, dass man mit seinem Latein am Ende ist. Ich habe die Hoffnung und das Vertrauen in die Afghanen, dass sie jetzt endlich begreifen, dass es eigentlich schon „fünf nach 12“ ist und sie die erforderliche Eigeninitiative ergreifen und dann gilt es, diese auch zu unterstützen und zu fördern. Dafür benötigt man aber wohl weniger Militär, denn andere Hilfe.

    Überall auf der Welt gibt es leider Menschen, denen es nicht so gut geht, wie uns, wir haben einfach Glück gehabt, dass wir auf diesem Fleck der Erde geboren sind, das gilt es, sich jeden Tag vors Auge zu führen. Aber wir können nicht die gesamte Welt retten – so wie nicht jeder Arzt jedes Menschenleben retten kann, das macht einen traurig und wütend und hilflos, aber das ist leider das Leben. Und es wird nicht nur Tsunamis, Atomunfälle, Erdbeben etc. geben, nein, leider wird es auch immer wieder Menschen geben, die Macht und Geld erzwingen wollen und denen ein Menschenleben nichs wert ist – das reicht weit in die Geschichte der Menschheit zurück und leider wird sie auch weit in die Zukunft hineinreichen. Wer anderes glaubt, ist ein Phantast. Und die meisten dieser „Phantasten“ – das ist meine Erfahrung im fortgeschrittenen Alter – kommen nicht einmal in der eigenen Familie zurecht, und auch nicht mit dem Nachbarn, „Parteifreund“ oder Kollegen. Das wäre ein guter „Truppenübungsplatz“ für Einige, vielleicht ist dann Deutschland und die Welt eines Tages zu retten.

  7. Helga D. on 25/06/2011 at 12:18

    Wir können machen, was wir wollen – von irgendeiner Seite kriegen wir immer eins auf die Mütze: Erst beschimpft und greift man uns an, weil unsere Kinder in einen Krieg gehen. Setzen wir uns dafür ein, dass sie dort wieder herauskommen, dann kommt´s von der anderen Seite.

    Solange Afghanistan nicht seine Männer zwangsrekrutiert, um für ein bessere Zukunft zu kämpfen – nicht für das Land, sondern für jeden einzelnen – und zusieht, wie die jungen Leute entweder türmen, auch die intellektuellen Köpfe lieber in den Westen abwandern oder sich gar auf die Seite derjenigenschlagen, die an Menschenrechten kein Interesse haben – ja, solange frage ich: Warum sollen wir das weiter tun? Wir haben es versucht, man hat die Hand, nicht einmal den kleinen Finger angenommen – also haben die Afghanen das „Recht“, ihre Zukunft so zu gestalten, wie es eben scheinbar der größte Teil der Gesellschaft, die Taliban, eben will.

    Und bevor junge afghanische Männer ihren Frauen und Schwestern die Nasen abschneiden, sie mit Säure übergießen, wie Tiere gefangen halten und auch steinigen, ihnen gar Bildung oder schlichtweg ein menschenwürdiges Leben aberkennen – sollten sie ihre „Energie“ in ihrem Krieg ausleben, in einem Krieg für eine bessere Zukunft des Landes und ihrer Menschen!“Freedom is not for free!“

    Und wer über Deutschlands Gesellschaft und deren „Arroganz“ bzw. Unwillen/Unverständnis zu weiteren Kriegen schimpft, sollte sich erst einmal mit unserer Geschichte eingehend befassen. Bücher wie „Kriegskinder, die vergessene Generation“ oder „Heimat aus dem Koffer“ von Hilke Lorenz und sogar die nachfolgende Generation „der in den 50er und 60er Jahre geborenen Kriegsenkel“, zu der ich mich zählen darf, gewährt Einblick in traumatisierte Seelen der „Erben der vergessenen Generation.“ Wer weiß denn, außer den Betroffenen, was Krieg aus Menschen macht bzw. wie sie fühlen, die z. B. wie ich „zwischen zwei Kriegen“ stehen – das Kriegstrauma meiner Großeltern, meiner Eltern mit Flucht, Vertreibung und Tod und die Angst um meinen Soldaten, der wiederum in einem Krieg ist? Wer weiß denn heute noch, außer den Älteren unter uns, wie sich „Todesangst“ – ob die eigene oder die des wichtigsten Menschen auf der Welt – anfühlt? Von all den „Besserwissern“ lass ich mir nichts sagen, da habe ich nur eine Antwort: „Auf in den Kampf und rette die Welt – wenn Du es überlebst, dann schau mal wieviel Dank Dir sicher ist zwischen Alpen und Hindukusch!“
    Und hiermit meine ich nicht die vielen, vielen SoldatInnen, die ihren Beruf, der eher eine „Berufung“ ist, ernst nehmen und sich bewusst dafür entschieden haben – deren Respekt und Dank sei ihnen gewiss. Ich meine die, die vom berühmten Plüschsofa aus alles besser wissen…

  8. Helga D. on 25/06/2011 at 12:55

    Und um hier nicht missverstanden zu werden:

    Ich sehe Deutschland mitten in Europa und der Welt und an der Seite seiner Bündnispartner – mit Pflichten, aber auch Rechten – im Einsatz und auch beim Abzug. Und machmal hat ein Partner die bessere Sicht – so zeigt es die Geschichte: Das „Nein“ zum Irak-Krieg!

  9. Klaus on 25/06/2011 at 17:06

    Veheerendes Attentat auf ein Krankenhaus, in dem überwiegend Frauen und Kinder behandelt werden in Ostafghanistan im Distrikt Asra in der Provinz Logar: Die Zahl der Toten schwankt zwischen 25 – 60, weit über 100 Verletzte. Die Taliban weisen jegliche Schuld von sich: „so etwas würden wir nie machen“ – nein, haben sie doch erst im Mai auf ein Militärkrankenhaus ein Attentat verübt und sich dazu bekannt, u. a. verloren einige Medizinstudenten ihr Leben. Endlich mal Journalisten, die die Taliban der „glatten Lüge“ bezichtigt haben.

    http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan2410.html

    Und was werden die Männer in Afghanistan jetzt tun – Blutrache? Sich zusammentun und gegen diese Brut kämpfen? Schon immer in der Geschichte haben dies Männer getan – erst Recht für ihre Frauen und Kinder. Selbst im hintersten Urwalddorf wird man sich dagegen auflehnen – nicht so in Afghanistan. Man kann nur in Horden mit geballten Fäusten über die Straßen ziehen, wenn Isaf-Soldaten angeblich „unschuldige“ Zivilisten getötet haben. Aber wird man jetzt auch nur einen einzigen Demonstranten sehen können?

    In der Region Kunduz ebenfalls ein Attentat auf dem Marktplatz mit vielen Verletzten.

    Ein gefallener NATO-Soldat in Ostafghanistan.

    Afghanische Männer steht endlich auf und kämpft, macht diesem Terror ein Ende, lasst nicht zu, dass man eure Frauen und Kinder opfert. Afghanistan wird niemals eine Chance haben, wenn ihr nicht selbst eure Ehre und euer Leben dafür einsetzt, wo ist euer viel gerühmte Stolz???
    Mit Lyrik und Balladen kann man jedenfalls nicht überleben!!!
    In Wut und Trauer für alle getöteten und verletzten Menschen in Afghanistan, vor allem die Frauen und Kinder – sie wurden von ihrem eigenen Volk im Stich gelassen.

  10. Gisela L. on 26/06/2011 at 15:18

    @ Pille

    Jeder hat seine eigene Meinung, und das ist auch gut so. Nur, die Ihre kann ich SO nicht stehen lassen, und auch nicht nachvollziehen.

    Mein Satz, den Sie aufgegriffen haben:
    “ Mir jedenfalls liegen unsere Soldaten und deren Familien mehr am Herzen, als Afghanistan. “
    Ja , das ist wirkliche eine tolle Einstellung meinerseits. Und für diese Meinung bekommt man sofort eine verpaßt.
    Das hat mit “ typischer Arroganz “ , Egoismus und Kaltherzigkeit, gar nichts zu tun. Ich bin weder , daß „Eine“ noch das „Andere“.
    Wenn sie keinen Angehörigen aus Ihrer Familie, oder aus Ihrem Freundeskreis,
    jemals in dieses Land haben schicken müßen, – (ich habe immer mitgezittert, kommt der Junge,(aus meinem Bekanntenkreis) heil an Leib und Seele wieder nach Hause, – können Sie sich , mit Verlaub, aber überhaupt kein Urteil darüber erlauben, was diese Menschen aushalten müssen, bzw. ausgehalten haben.
    Zitat:
    …. klar ist es mistig, daß deutsche Staatsbürger da unter fallen……
    Zitat Ende.
    Dieser ,- Ihr Satz,- spricht Bände.

    “ MISTIG „?
    Ich finde gefallene Soldaten/Innen etwas so füchterliches, daß ich es nicht beschreiben kann, – und dann auch noch für was ? – hier dürfen Sie Ihre „Kaltherzigkeit“ gerne behalten.

    Ansonsten kann ich mich nur 1000% an Frau Helga D. und Herrn Klaus anschließen. Denn da ist wirklich ALLES auf den Punkt gebracht.

  11. Paul on 27/06/2011 at 22:55

    Es wird endlich mal Zeit, dass die Soldaten anfangen zu denken und den Kriegsdienst verweigern und desertieren. Immerhin, so heißt es, würden viele Soldaten keine Perspektiven in diesem Militäreinsatz mehr sehen. Ich glaube, dann würde sich so manches in der Welt auch ändern.

    Ich finde es so lächerlich, wie sich eine Regierung Bush hinstellt als die Verteidiger der Menschenrechte und des Abendlandes, bestimmte Organisationen zum Todfeind erklärt, die sie kurze Zeit vorher selber aufgebaut hat und immer noch indirekt unterhält. Die USA halten sich die Pakistaner als Marionettenregime und die wiederum unterstützen durch den ISI die Taliban und auf der anderen Seite der Berge in Afghanistan behaupten die USA die Taliban zu bekämpfen. Das ist doch grotesk.

    Aber die Menschen in Deutschland verstehen es einfach nicht. Sie sind zu doof. Dann steht in der Bild, das Deutschland am Hindukusch verteidigt wird und man fragt naiv, warum die Afghanen einen nicht leiden können, nachdem man ihre Verwandten und Freunde hin und wieder „versehentlich“ in die Luft sprengt.
    Und die Soldaten sterben doch nicht für Menschenrechte, oder die Demokratie oder bla bla. Die sind für knallharte wirtschaftliche Interessen des Westens da unten. Gas und ölreiche Länder befinden sich im Umkreis und der Westen will sich einen Zugang sichern und mitmischen, gegen die Kontrahenten China, Indien und Russland.
    Aber der Deutsche, er versteht das alles nicht.

    Der Bundesverteidigungsminister hält markige Reden über Standhaftigkeit und Bündnistreue, Treue für ein durch und durch korruptes und verbrecherisches Marionettenregime in Kabul…“das sind also Demokratie und Menschenrechte“, denkt sich der Afghane von der Straße…“na wenn das heißt, dass eine korrupte Mafia das Land beherrscht, dann will ich das lieber nicht…sollen die Mullahs herrschen, die haben zumindest Koran und Sharia.“

    Den Herrschenden im Westen interessieren doch keine gefallenen Soldaten, höchstens taugen sie ihm zur Verherrlichung des Militarismus und der Heroisierung eines Besatzungsregimes. Die kehren sich einen feuchten Kehricht um das Schicksal der Soldaten.

    Aber hier nochmal mein Unverständnis. Warum gehen die deutschen Soldaten da überhaupt hin. Haben sie noch nicht begriffen, dass sie nur Kanonenfutter sind? Ich kann ihnen nur rufen „haut ab und rettet eure Haut…“



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