Afghanische Kriegsverbrecher in Berlin?

13/01/2012
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(Aktualisiert 7: 38) Seit vergabgenem Montag waren die drei Kriegsverbrecher in Berlin. Auf Initiative von vier amerikanischen Kongressabgeordneten – einer Demokratin und den Republikanern Dana Rohrabacher, Loretta Sanchez  und Steve King. Angelich handelte es sich dabei um ein „Privattreffen“ , das ausloten  (sollte) wollte, welche neuen Machtstrukturen sich in AFG bilden lassen könnten, damit das Land nicht wieder im Terror der Taliban versinke.  Dostum, Massoud und Mohaqiq hatten bereits am 22.12.11 in Afghanistan die „Nationale Allianz“ gegründet, einer Kraft/Macht, die sich gegen die Taliban stellen will, wenn die internationalen Truppen das Land verlassen und ein neuer Bürgerkrieg ansteht. Gut informierte Beobachter dieses Berliner Treffens vermuten, dass bei den Republikanern in Amerika derzeit eine neue Strategie gesucht würde…nämlich eine, ohne den amtierenden Präsidenten Karsai (den Amerika ja selbst aufgebaut und nach Afghanistan gebracht hat). Dieses Treffen soll im Berliner Luxushotel Adlon stattgefunden haben,  berichten die einen Insider, andere wollen das  aber nicht kommentieren oder bestätigen. Herauszufinden war, dass nur eine handvoll Hauptstadtjournalisten über dieses Treffen informiert waren, aber nur wenige bis keine hätten einer Pressekonferenz beigewohnten, die offenbar ohne deutsche Medien stattgefunden haben muss.  Lediglich zwei Welt-Kollegen haben die drei Kriegsverbrecher interviewt und zwar am 11. Januar 2012 gegen 18 Uhr (den Artikel können Sie weiter unten lesen).

Blog augengeradeaus.de hat  eine Pressemitteiling des Auswärtigen Amtes zum Thema ausgebuddelt:

„Dem AA ist bekannt, dass auf Einladung des Aspen Instituts in Berlin gestern und heute Gespräche zwischen Abgeordneten des US-Kongresses und Vertretern der afghanischen Nord-Allianz stattgefunden haben. Die Veranstaltung wurde in eigener Verantwortung durch das Aspen-Institut Berlin vorbereitet und durchgeführt. Vertreter der Bundesregierung haben an diesem Meinungsaustausch nicht teilgenommen. Die internationale Gemeinschaft hat sich auf der Bonner Afghanistan-Konferenz am 05. Dezember 2011 im Konsens zur Notwendigkeit einer politischen Lösung für Afghanistan bekannt, wobei der Friedens- und Versöhnungsprozess und sein Ergebnis auf den in Paragraph 18 der Konferenzschlussfolgerungen genannten Prinzipien beruhen müssen. Auf der Grundlage dieses internationalen Konsenses teilt die Bundesregierung die hiervon abweichenden Forderungen der Konferenzteilnehmer nicht.

Weitere Informanten berichten darüber, dass vom 9. bis 11. Januar 2012 das aspeninstitute.org und eine deutsche politische Stiftung  im Adlon Hotel eine sicherheitspolitsche Veranstaltung durchgeführt haben sollen, zu der auch angeblich einige deutsche Journalisten eingeladen waren. Widerum – und das auch nur im Konjunktiv – soll parallel zu dieser Veranstaltung – offenbar in einem Nebenzimmer – das Gespräch zwischen den Amerikanern und Afghanen stattgefunden haben. Ob die Journalisten davon wußten, war nicht herauszubekommen. Lediglich zwei Nachrichtenagenturen aus Amerika sollen über dieses Treffen informiert gewesen sein. Das spricht dann auch dafür, warum in deutschen Medien darüber so wenig bis  gar nichts zu entdecken war.

Kriegsverbrecher treffen sich in der Bundeshauptstadt? Afghanisches Oppositionellen Treffen in Berlin. Nationale Allianz für Afghanistan? Tödliche Gefahr für Karsai? Hammergeschichte über die ich gerade stolpere. Die Szenerie ist wahrhaft ungewöhnlich: In einem Berliner Hotel der Luxusklasse muss man einen schmalen, eichengetäfelten Gang entlanggehen, bis man nach etlichen Metern und zwei Ecken in einen eleganten Vorraum gelangt, schreibt die Welt.  Und dort sitzen die drei wichtigsten nichtpaschtunischen oppositionellen Afghanen vom Hindukusch: Ahmad Zia Massud (Bruder von Ahmad Shah Massoud) und Schwiegersohn von Rabbani (Ex-Präsident AFG ), Raschid Dostum (Nordallianz) und Mohammed Mohaqiq (Wahdat Partei). Drei wahrlich nicht unumstrittene Persönlichkeiten. Sie sind zu einem Treffen gekommen. Ich bin erstaunt, dass in deutschen Medien über dieses Treffen nicht viel zu lesen ist. Angeblich beschäftigen sich afghanische Medien seit gestern mit kaum etwas anderem. Offenbar sollte auch der Ex-Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah und Mohammad Atta Noor , Privinzgouverneur von Balkh, dabei gewesen sein, berichten mir bislang vereinzelte afghanische Quellen (unbestätigt!!!), andere Quellen behaupten jedoch, sie hätten das Treffen abgesagt. Dostum und Atta sind Todfeinde…insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass die an einem Tisch gesessen haben sollen. Ich habe mal geschaut, was ich an Informationen zusammentragen konnte. Die Ausbeute ist allerdings spärlich. Weitere englischsprachige Artikel finden Sie hier und hier. Die afghanische Community in Deutschlang zeigt sich nach einigen Telefonrecherchen empört über ein solches Treffe auf deutschem Boden, hat sich die Bundesrepublik bisher für eine solide Zukunft Afghanistans eingesetzt, trifft sie sich nun mit Männern, die in der Vergangenheit in Blut gebadet haben.

Foto: Reuters -Drei gegen Karsai: Ahmad Zia Massud, Raschid Dostum und Mohammed Mohaqiq in Berlin

Deutschland verstärkt seine Vermittlungsbemühungen im Afghanistan-Konflikt. Beteiligt sind daran alle Seiten, die USA ebenso wie die Taliban und deren Widersacher von der sogenannten Nordallianz. Auch bei der geplanten Eröffnung eines Taliban-Verbindungsbüros in Katar ist offenbar hinter den Kulissen Deutschland beteiligt. In Berlin finden derzeit vermehrt Sondierungsgespräche statt, so soll sich auch der berüchtigte Warlord Rashid Dostum in der Hauptstadt aufhalten. Offiziell heißt es von deutscher Seite dazu lediglich, man unterstütze den Prozess der inneren Aussöhnung in Afghanistan. DW-WORLD.DE hat darüber mit dem Afghanistan-Experten Jochen Hippler gesprochen.

Die Welt berichtet:

Sie bringen für Präsident Karsai eine tödliche Gefahr: Drei der einflussreichsten Afghanen haben schon einmal die Taliban besiegt und sind bereit, wieder zu kämpfen. Die Szenerie ist wahrhaft ungewöhnlich: In einem Berliner Hotel der Luxusklasse muss man einen schmalen, eichengetäfelten Gang entlanggehen, bis man nach etlichen Metern und zwei Ecken in einen eleganten Vorraum gelangt.

Auf einem Marmortisch liegen ein paar geleerte Pizzakartons. Die Bewacher mit den auffallend breiten Schultern wollen wissen, was man hier sucht. Wenn man antwortet, man möchte „zu den Herren aus Afghanistan“, dann tun die Sicherheitsleute, als wüssten sie von nichts. Doch dann geht die Tür auf, und in dem engen, nach außen abgedunkelten Raum dahinter sitzen drei Männer, die für Afghanistans Präsident Hamid Karsai tödliche Gefahr bringen.

Da ist zunächst einmal Ahmed Zia Massud, der Bruder des bekanntesten afghanischen Nationalhelden unserer Zeit: Ahmed Schah Massud befehligte die sogenannte Nordallianz, die den Taliban bis 2001 die Stirn bot und ihr Regime nach dem 11. September mit amerikanischer Hilfe stürzte.

Mord mit einer getarnten Fernsehkamera

Doch da war ihr Anführer schon tot – ermordet mit einem als Fernsehkamera getarnten Raketenwerfer, zwei Tage bevor die Türme fielen. Doch hier in Berlin sitzt auch der wichtigste Kampfgefährte des Ermordeten: General Raschid Dostum, der einst aufseiten der Sowjets gegen die Mudschahedin kämpfte, als Anführer der usbekischstämmigen Afghanen gilt und als Urheber zahlreicher Kriegsverbrechen.

Während er und Massud im Nadelstreifen gekommen sind, trägt der Dritte im Bund traditionelles Gewand: Mohammed Mohakik, Anführer der schiitischen Volksgruppe der Hasara, die ebenfalls zur Nordallianz gehörten und denen seit jeher die besondere Sorge ihrer Glaubensbrüder im Iran gilt und ein ganz spezieller Hass der sunnitischen Taliban.

Diese drei sind gekommen, um von einem neuen Bündnis zu berichten, das dem von einst stark ähnelt. Auf den ersten Blick geht es dabei um wichtige, aber gewaltlose Ziele: „Wir wollen alle Gruppen in Afghanistan zusammenführen und ein neues nationales Projekt beginnen“, sagt Massud zu Beginn.

Darum habe man gemeinsam die Nationale Allianz gegründet. „In unserem Land herrschen Unsicherheit, Korruption und Chaos“, so fährt Massud fort, eloquent und konzentriert. „Eine der Hauptursachen dafür ist Überzentralisierung, die Konzentration der Macht auf den Präsidenten in Kabul und der dem gegenüber zu geringe Einfluss der politischen Parteien und der Provinzen.“ (weiter auf Welt.de)


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14 Responses to Afghanische Kriegsverbrecher in Berlin?

  1. Boris Barschow on 13/01/2012 at 00:54

    Sorry, dass ich einige Verlinkungen nicht setzen konnte, meine Software spinnt gerade. Ich bitte das zu entschuldigen! Wenn ich die entsprechenden Links setze, die im Post fett markiert sind, wird der Post nicht mehr angezeigt. Sämtliche fehlenden Namen können sie bei wikipedia (leider nur) selbst nachschlagen….:-(

    • Nangialay Jan on 28/01/2012 at 14:08

      Guten Herr Barschow, ich bin heute das erste mal auf Ihre Seite gewesen und möchte Ihnen für diesen Blog danken. Ich habe bisher nur auf afghanischen und englischen Internetseiten von diesen Gehschehnissen Informationen sammeln. Ich hoffe Ihr Blog bleibt uns lange erhalten.

  2. Jürgen Mark on 13/01/2012 at 01:07

    2014 ist nicht mehr so lange hin oder wie muss ich dass verstehen ?????

  3. Haroon on 13/01/2012 at 01:37

    Langsam verliert in meinen Augen die DE Medien an Ihre Glaubwürdigkeit und somit den besseren Ruf in der Berichtserstattung. Mit staunen stelle ich immer wieder fest, dass die Medien angeblich immer noch verstanden haben, dass eine Partei Namens „Nordallianz“ in Afghanistan nie gegeben hat! Korrekt heißt es „Nationale Islamische Vereinigte Front zur Rettung Afghanistans“! Die Bezeichnung Nordallianz ist eine Erfindung despakistanischen Geheimdienstes ISI, um den Wiederstand dahingehend zu diskreditieren, dass dort nur Kämpfer aus dem Norden beteiligt sind. Dies sollte in der Welt den Eindruck erwecken, dass dieser Wiederstand nicht repräsentative für ganz Afghanistan steht. Fakt ist, dass damals der Wiederstand nicht nur aus Tajiken/Hazaras und Usbeken bestand, sondern selbst die Paschtunen waren zahlreich dort vertreten.
    BORIS BARSHOW „Die afghanische Community in Deutschlang zeigt sich nach einigen Telefonrecherchen empört über ein solches Treffe auf deutschem Boden[…]“
    Also ich weiß nicht mit wem Sie und ob Sie überhaupt telefoniert haben, jedoch ich kann Ihnen versichern, dass die Mehrheit der Afghanistan nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und in Afghanistan stehen solche Treffen sehr Positive gegenüber. Denn nachdem die westliche Mächte und die amerikanische GIS 2014 abgezogen sind, ist Bevölkerung auf sich alleine gestellt und muss zusehen eine Verteidigung gegen die Taliban/Pakistan und anderen Söldnern aufzubauen. Solche Treffen soll nun ermöglichen, dass dieses Problematik intensive besprochen wird, bevor es zu spät wird.

  4. Boris Barschow on 13/01/2012 at 01:44

    Das Treffen fand wohl vor vier Tagen statt. Habe via Facebook noch einen Link erhalten:

    Today, Rep. Louie Gohmert (TX-01) along with Reps. Dana Rohrabacher (CA-46), Loretta Sanchez (CA-47) and Steve King (IA-05) held a press conference in Berlin, Germany, on their private meeting with Northern Alliance Leaders on Afghan Strategy. These leaders who fought with embedded Special Forces to initially defeat the Taliban represent over 60-percent of the Afghan people, yet are being entirely disregarded by the Obama and Karzai Administrations in negotiations. Instead, the Obama regime is choosing to now make concessions to the group that helped train for the 9-11 attacks and whose leader proclaimed on Afghan TV recently that the U.S. has been defeated and is now begging them for negotiations…

    http://gohmert.house.gov/News/DocumentSingle.aspx?DocumentID=274224

  5. Thomas Wiegold on 13/01/2012 at 12:05

    Na ja, es gab vor allem deswegen fast nur englischsprachige Berichterstattung, weil die Veranstalter sehr selektiv eingeladen hatten…

    Mehr dazu, vor allem die Stellungnahme des AA, bei Augen geradeaus!
    http://augengeradeaus.net/2012/01/u-s-congressmen-meet-afghan-northern-alliance-reps-in-berlin/

  6. Zaleh on 13/01/2012 at 15:59

    Haroon jan, zu Ihre erste Anmerkung möchte ich nur folgendes hinzufügen: wenn Sie so gut informiert sind, dann wissen Sie ja, dass im Norden Afghanistans auch viele Paschtun Leben!
    Zu ihre 2. Anmerkung: wenn Sie nicht genau wissen bzw. etwas nicht überprüfen können, dann bitte nicht solche Bemerkungen „Also ich weiß nicht mit wem Sie und ob Sie überhaupt telefoniert haben, jedoch ich kann Ihnen versichern, dass die Mehrheit der AfghanistanAlso ich weiß nicht mit wem Sie und ob Sie überhaupt telefoniert haben, jedoch ich kann Ihnen versichern, dass die Mehrheit der Afghanistan…“
    Ich gehöre auch zu afghanische Community hier in Deutschland und begrüße nicht solch ein Treffen, wo Verbrecher eingeladen werden, um über die Zukunft Afghanistans zu diskutieren – sich für einen weiteren Bürgerkrieg stärken! Oder die Zerlegung des Landes zu planen unter der Name wir wollen ein feudalistisches System…
    Wenn man tatsächlich Afghanistan helfen möchte, dann nicht mit Verbrecher und Mörder als Staatsmänner!!!

  7. Boris Barschow on 13/01/2012 at 20:21

    http://augengeradeaus.net/2012/01/treffen-mit-afghanistans-nord-allianz-in-berlin-erklarung-vom-aspen-institut/#more-6393

    Mittlerweile hat sich das das Aspen Institut Deutschland bei Blog augengeradeaus gemeldet und hat dort folgende Stellungnahme veröffentlicht…

    vom Politikwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Krause vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Kiel, Mitglied des Vorstands Aspen Institute Deutschland:

    „Es gab tatsächlich zwei völlig unterschiedliche Ereignisse, die vom Aspen Institute Deutschland im Zusammenhang mit Afghanistan kurz hintereinander in Berlin durchgeführt wurden:
    1. Am 9. Januar 2012 gab es in Berlin ein Treffen zwischen Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses unter Leitung des Abgeordneten Dana Rohrabacher mit Vertretern der Nordallianz, deren Ergebnis in einer Erklärung festgehalten ist, welche sich auf der Webseite von Rohrabacher findet. Dieses Treffen reflektierte die zunehmende Verunsicherung in Afghanistan wie im Kongress, dass sich die Obama Administration mit den Taliban bilateral auf die wesentlichen Parameter des Abzugs der USA einigen könnte, ohne die anderen Partner dabei angemessen mit einzubeziehen. Sowohl die Nordallianz, wie im übrigen auch die Karzai Regierung, sehen sich in Gefahr, dass sie von den Verhandlungen ausgeschlossen bleiben und dass man über ihren Kopf hinweg Entscheidungen trifft. Ob diese Furcht begründet ist, ist eine andere Frage. Die Karzai Regierung versucht dieser Gefahr im Kontakt mit der US-Administration entgegenzuwirken, die Nordalllianz-Führer versuchen das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus dafür zu gewinnen. Das Aspen-Institute hat auf Bitten der Kongressabgeordneten die organisatorische Vorbereitung des Treffens ermöglicht. Das Aspen Institute Deutschland hat eine lange Tradition der Ermöglichung von “unmöglichen Treffen”. Das war wichtig in der Zeit des Kalten Krieges, aber auch heute wird das gemacht. Dabei hat das Aspen Institut die Rolle eines facilitators übernommen, ohne dass es sich mit den Themen inhaltlich auseinandergesetzt oder Stellung genommen hat (verantwortlich war der Direktor des Aspen Institute Deutschlands, Charles King Mallory, IV). Das Treffen war ursprünglich für November 2011 angesetzt, wurde auf Bitten der Bundesregierung verschoben (wegen der Bonn Konferenz) und konnte angesichts der terminlichen Präferenzen der Teilnehmer dann nur am 9.1. stattfinden.
    2. Am 10. und 11. Januar 2012 fand ebenfalls in Berlin eine langfristig terminierte internationale Expertenkonferenz in Berlin statt, welche sich mit der Frage befasste, wie angesichts des für Ende 2014 festgesetzten Datums für den Abzug der ISAF-Truppen in Afghanistan und Pakistan erfolgreiche Übergangsstrategien umgesetzt werden können und welche Probleme dabei auftauchen. Diese Konferenz wurde vom Aspen Institute Deutschland in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert und von der Robert Bosch Stiftung unterstützt. Die Hauptverantwortung für die Planung und Vorbereitung lag bei mir. An der Konferenz nahmen wissenschaftliche Experten sowie Regierungsexperten und Vertreter von NGOs aus Europa, den USA, Pakistan, Afghanistan, Indien und China teil. Es wurden langfristig vorbereitete Papiere vorgestellt, die von der Webseite des Aspen Institute Deutschland herunter geladen werden können. Die Ergebnisse werden in einem angesehenen internationalen Verlag publiziert. An dieser Konferenz nahmen die Vertreter der Nordallianz zu keinem Zeitpunkt teil, einige der amerikanischen Kongressabgeordneten waren als Beobachter zugelassen und haben diese Möglichkeit zeitweise genutzt. Der Abgeordnete Rohrabacher hielt am 10. Januar aus Anlass des Abendessens eine after-dinner-speech, in der er die Teilnehmer der Konferenz über seine Einschätzung der Lage in Afghanistan und über die Ergebnisse des Treffens mit den Vertretern der Nordallianz informierte. Ursprünglich war für diese Rede der amerikanische Botschafter in Pakistan, Munter, vorgesehen. Dieser sah sich aber erheblichen Drucks von Seiten der Karzai-Regierung ausgesetzt, (die nicht zwischen beiden Treffen zu unterscheiden wusste, obwohl sie informiert worden war) und sagte seine Teilnahme daher kurzfristig ab. Von daher hatten wir Rohrabacher gebeten, diese Rolle zu übernehmen, was er auch gerne getan hat. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Botschafter Steiner, sagte seine Teilnahme ab, um die Beziehungen zur Karzai-Administration nicht unnötig zu belasten, was wir verstehen konnten. Das Auswärtige Amt hat sich dennoch ebenso wie das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit an der Konferenz beteiligt. Ebenso nahm der Sonderbeauftrage der britischen Regierung für Afghanistan und Pakistan, Botschafter Mark Sedwill, an der Konferenz teil. Es gelang im letzten Augenblick auch noch, den Cousin des afghanischen Präsidenten (der ein sozialwissenschaftliches Institut in Kabul leitet) zur Teilnahme an der Konferenz zu gewinnen.“

  8. mschiede on 13/01/2012 at 21:19

    Was mich befremdet ist die deutsche Außenpolitik die von Herrn Westerwelle da betrieben, um es einmal sehr milde auszudrücken. Erst wird unter seiner Federführung eine große AfG-Konferenz mit Karzai, in welchem dieser als Zukunftsträger von AfG hofiert wird, in Bonn abgehalten und dann lässt man ein solches Treffen in Deutschland zu – man kann mir nicht erzählen, dass das AA davon nichts gewusst hat – auf dem mehr oder weniger beschlossen wird Karzai, im wahrsten Sinne des Wortes, „abzuschießen“.

  9. Haroon on 13/01/2012 at 22:38

    Zahel jan, Ich hab nicht behauptet, dass im Norden keine Paschtunen leben! Ich hab sogar diese indirekt hervorgehoben damit, dass während des Wiederstands auch unsere Paschtunische Minderheiten im Norden beteiligt waren.
    Wie kommen Sie eigentlich zu der Behauptung, dass die Herrschaften in Berlin eine Teilung des Landes herbeiführen wollen? Diese Behauptung kam in erster Linie aus Kabul, indem das Treffen scharf kritisiert wurde und sollte angeblich gegen die Nationale Integrität des Landes gerichtet sein. Was allerdinge völliger QUATSCH ist!! Solche diffamierende Äußerungen seitens der Regierung sind nur als parteipolitische Taktik anzusehen. Die Regierung ist bekannt für sein demagogisches Verhalten.
    In dem Treffen ging’s mehr darum, zu diskutieren, was passiert, wenn die „Alliierten“ im Jahr 2014 das Land verlassen? Kritisch wurde die zentrale Machtkonzentration in Regierungspalast unter der Lupe genommen.
    Um noch mal die Inhalte des Treffens aufzugreifen, ich persönlich bevorzuge, entweder eine dezentrale Förderales System oder akzeptiere schmerzhaft eine Teilung des Landes. Zumindest sollte im Norden ein Referendum dies bezüglich durchgeführt werden, damit die Menschen selbst über ihren Schicksal entscheiden können. (Bspw. Sudan, Ost Timor). Es gibt unzählige Gründe die für eine dezentrale Regierung sprechen!
    Es kann doch nicht mehr angehen, dass die zentrale Regierung die Taliban allmählich an die Regierung bringt, während dessen die andere Bevölkerungsgruppen aus der Regierung entfernt werden.
    Des Weiteren gibt’s immense Defizite in der Verteilung der Hilfsgelder im Land, während der instabilen Regionen massive Geld gepumpt wird leben Menschen in Bamyan immer noch in Berghöhlen und bekommen nichts von dem Wiederaufbau mit. Trauriger Weise werden gerade in Helmand/Qahndar/Negarhar, wo Schulen und Berücken aufgebaut werden, werden diese am nächsten Tag wieder Zerstört. Solche Desinvestitionen ist leider Alltag in Afghanistan, daher brauchen wir eine andere Form der Regierung im Land.

    • Nangialay Jan on 28/01/2012 at 14:46

      Haroon Jan,

      ich nehme an, Sie haben die Jahre 1992-1994 in Afghanistan nicht verbracht, sonst würden Sie diese sogenannten Representanten der afghanischen Bevölkerung nicht so verteidigen. Diese sogenannte Vereinigung der Retter Afghanistans, oder was auch immer, hat in den o.g. Jahren Verbrechen an der afghanischen Bevölkerung begangen, die seines Gleiches suchen. Diese Verbrecher haben die Bevölkerung so massakriert, dass sich die Menschen auf die Taliban anfangs gefreut haben. Dass die Taliban auch nicht besser sind, brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir Afghanen sind leider in einer verdammt schlechten Lage, weil wir keine Alternativen haben, sowohl die Kombination NATO/Nordallianz(oder wie Sie diese bezeichnen „Retter Afghanistans“) als auch die NATO/Taliban sind keine optimale Lösung. Aber offensichtlich will die USA nach einem erfolglosen Jahrzenht NATO/Nordallianz jetzt die Kombination NATO/TALIBAN/Nordallianz versuchen.

      Bitte lassen Sie mich noch eine Anmerkung machen: Unterstüzung innerhalb der Bevölkerung für Taliban und für diese „Retter Afghanistans“ gibt es nicht, wieso auch, die Bevölerung leidet immernoch. Es gibt nur 2 Arten von Unterstützern; finanziell Motivierte und ethnisch Motivierte. Das letztere ist das was von Außenmächten gefördert wird (wie damals die Durrand Line) und wir Afghanen machen da auch voll mit.

  10. Norman on 27/01/2012 at 19:42

    Kam gerade via Facebook.
    Jetzt müssen sie die Ohren anlegen….

  11. Norman on 27/01/2012 at 20:00

    „Schriftliche Frage an die Bundesregierung, gerade eingereicht, z.K.:

    1. Wie begründet die Bundesregierung die Tatsache, dass Medienberichten zufolge der afghanische Politiker und Milizenführer Abdul Rashid Dostum unlängst an Geheimgesprächen in Berlin teilgenommen hat und ihm dafür ganz offensichtlich ein Visum erteilt wurde, während Dostum unter anderem durch Human Rights Watch für zahlreiche schwere Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht wird und eine Visumserteilung u.a. aus diesem Grunde in der Vergangenheit regelmäßig abgelehnt wurde?“

    Kam via Facebook aus Berlin.
    Mal sehn was sie antworten….



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