„Afghanistan: Eine schizophrene Athmosphäre…“

20/03/2013
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Jennifer Stötzel hat sie wieder gemeldet und schickt uns aus den USA einen sehr lesenwerten Artikel über die Sichtweise der Lage Afghanistans eines amerikanischen ThinkTanks. Dass eben jene Lage sehr unübersichtlich ist, aber die Ecken und Kanten dieser Probleme werden in den gängigen Massenmedien selten auf den Punkt gebracht. Deshalb DANKE Jennifer. Weiter so. Wir sind auf Deine weiteren berichte gespannt.

Von Jennifer Stötzel

„The problem is, there are too many cooks in the kitchen“, sagte Stephen Biddle vom ThinkTank “Council on Foreign Relations” über die Situtation der Gesprächsfindung zwischen den westlichen Staaten, Afghanistan und den Taliban. Wir haben Biddle in Washington besucht und er hat uns viel Wissenswertes über die Arbeit in Afghanistan erzählt. Einen Tag zuvor war er selbst noch vor Ort und konnte somit viele „frische“ Eindrücke vermitteln.

Stephen Biddle stellte uns ausführlich seine Sicht dar, wo die Probleme liegen, konstruktive Gespräche zwischen den Partien zu etablieren. Vor allem sei problematisch, dass jede Nation, sei es die USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder auch Afghanistan, Anspruch erhebe, die Gespräche voranzubringen. Jedoch würden alle Länder für sich arbeiten und sich nicht miteinander über ihre Fortschritte austauschen.

Stephen Biddle vom ThinkTank “Council on Foreign Relations”

Für Biddle sei außerdem die Stabilisierung der Region um Afghanistan mittlerweile viel wichtiger, als der Kampf gegen den Terror. Es sei heute nicht mehr nur aus Afghanistan möglich, von Terroristen angegriffen zu werden. Genauso wahrscheinlich seien Anschläge, die etwa aus dem Jemen oder Mali organisiert seien. Deshalb rücke für ihn die Stabilisierung der Region in den Vordergrund, vor allem in Bezug auf Pakistan.

Neben seinen allgemeineren Ausführungen zum Afghanistan-Konflikt berichtete uns Biddle auch von seinen neueren Erlebnissen vor Ort. Es gäbe, das sei ihm aufgefallen, eine „schizophrene“ Atmosphäre in Afghanistan. Studierte Afghanen, mit denen er sich bei Dinner-Partys oder sonstigen Veranstaltungen getroffen habe, würden ihm im gleichen Satz erklären, dass die USA zu viel in das Land investiert hat, um es jetzt verlassen zu können. Aber ebenso würden sie sagen, dass sie Angst hätten, dass die internationale Gemeinschaft sie allein lassen könnte. Es gäbe somit eine sehr ambivalente Stimmung im Land, wie sich die ausländischen Truppen verhalten sollten.

Zu den Taliban allgemein sagte er – wobei er darauf hinwies, dass es nicht DIE Taliban gebe, sondern verschiedene Gruppierungen, die sich auch untereinander nicht unbedingt grün seien – dass sie in Afghanistan definitiv keine Mehrheit hätten. Die Afghanen würden sie nicht unterstützen, insgesamt würden die Taliban bei den anstehenden Wahlen, wenn überhaupt, lediglich 15 Prozent erreichen. Biddle ist gespannt, wie die Wahlen 2014 ausgehen werden und er hofft, dass nicht Hamid Karzais jüngerer Bruder an die Macht kommt. Er wäre die schlimmste Option, obwohl er weniger schlechte Beziehungen zu den Vereinten Nationen pflegt, wie Hamid Karzai. Dieser hegt großes Misstrauen gegen die Weltgemeinschaft und wenn ein neuer Präsident gewählt wird, hofft Biddle, dass sich dieses Verhältnis wieder verbessert. Denn für Stephen Biddle ist eine Mediator-Lösung der einzige Weg, Gespräche zwischen allen Parteien, sowohl westlichen Alliierten, Afghanistan und den Taliban, zu entwickeln. Im Moment sieht er jedoch noch keine Möglichkeit beziehungsweise keinen möglichen Partner, der diese Mediator-Funktion übernehmen könnte. Es seien eben zu viele Köche in der Küche, die die Suppe versalzen würden. Es gäbe im Moment immer eine Nation, die gegen einen möglichen Mediator ein Gegenargument vorbrächte. Wenn jedoch ein neuer Präsident an der Macht ist, der sich mit den Vereinten Nationen besser versteht, als Karzai momentan, wären die UN ein möglicher Partner, der die Verhandlungen begleiten könnten.

Weitere Infos zum Council on Foreign Relations unter http://www.cfr.org/

Jennifer Stötzel**

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