Bonn: Tag zwei der Zukunft Afghanistans…

14/10/2012
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Aktualisiert 16.48 Uhr – (Videos) Es ist irgendwie schon ein komisches Gefühl: da sitzt man zwischen knapp 150 afghanistaninteressierten Zuhören, Experten, Politikern, vielleicht künftigen Präsidenten, Friedensstiftern und ist gespannt auf die neue Zukunft Afghanistans…und doch hört man „nur“ Bekanntes, wenig Neues: der Westen ist Schuld, das Militär, der Iran, Pakistan…“Wissen Sie, unsere Probleme sind vielfältig und liegen nicht immer in unserer Hand“, so der Tenor vieler. Meine Frage, wie man das ewige Gefecht mit der afghanischen Vergangenheit aus den Köpfen der Menschen am Hindukusch bekommt, damit die Gedanken Platz haben für eine andere Zukunft, die konnte mir niemand beantworten. Ich bin jetzt wieder auf dem Kongress, die Workshops laufen gerade, habe diverse Verabredungen heute hier. Ich werden den Thread hier im Laufe des Tages fortführen….wir lesen uns 😉

Jetzt habe ich eben einen ganz anderen Ansatz zur Hilfe in Afghanistan erzählt bekommen. Ich musste erst drüber schmunzeln, aber irgendwie hat diese „psychologische“ Idee etwas. Sie stammt von einem jungen afghanischen Kongressteilnehmer von heute hier in Bonn: „Im Grunde genommen“, sagt er, „ist das Problem ein psychologisches, das jeder für sich selber lösen kann: Afghanen sollten mehr Sport, treiben, abends weniger essen und tagsüber mehr lesen, erst dann ist der Kopf frei für Neues.“ Ich finde, diese Idee hat etwas…sie ist sogar völlig unpolitisch…so kann jeder etwas für sich und seine Heimat tun 😉 Bis auf die Tatsache, dass immer noch nicht alle Menschn in Afghanistan ihren Hunger stillen können und viele Menschen kein Geld verdienen oder gar eine Schulbildung haben!!!!!

Eben konnte ich Karim Popal interviewen, bekannt als Opferanwalt der Hinterbliebenen nach dem Tanklasterbombardement von Kundus. Er ist u.a. hier auch als Moderator der Podiumsdiskussionen eingesetzt:

Über die Rolle der Taliban wurde viel in Bonn gesprochen…erstaunlich auch, dass Unterstützer von Hekmatyar und den Kommunisten friedlich miteinander debattieren konnten im Landesmuseum. Bemerkenswert auch, dass die Veranstalter es immer wieder verstanden haben, mit Feingefühl die knappen Redezeiten bei Podiumsdiskussionen im Griff zu halten. Manchmal wurde es in der Debatte heftig, aber: jeder bekam die gleiche Redezeit, keiner eine Minute länger als der andere. Immer wieder, wenn der Moderator auf dieses demokratische Prinzip hinwies, gab es tosenden Applaus, quer durch die Parteienvertreter und Ethnien 🙂 Zur Rolle der Taliban traf ich auf den Doktoranten Omar Sahrai, vom Institut für Afghanistan Studien e.V. Er schreibt nämlich gerade eine Doktorarbeit über die Taliban und brachte uns ein wenig Licht ins Dunkle dieser sogenannten Taliban. Omar jan wird uns demnächst dazu einen informativen Post schreiben. Dafür vorab schon mal vielen Dank.

Zum Abschluß des Bonner Friedenskongresses nun noch ein Interview mit Dr. Bashardost und die Sicht seiner Dinge über die Rolle der Medien in Afghanistan. Solange selbige immer wieder Kriegsverbrecher interviewen und zeigen, gehen die Gedanken der grausamen Geschichte AFGs nicht aus den Köpfen der Menschen und die Gedanken seien unfrei für Neues.

Und jetzt mache ich erst mal ein wenig Pause. Dutzender interessanter Gespräche die letzten drei Tage in Bochum und Bonn, viele neue Kontakte und Anregungen. Videoblogging und Live Stream eine völlig neue Erfahrung. Was es sonst noch alles gibt und gab, lesen Sie dann hier ab nächster Woche, ich lege jetzt erst mal die Beine hoch. Vielen Dank an alle, die die letzten Tage mitgelesen haben, die Klickzahlen gehen stetig weiter nach nach oben…

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2 Responses to Bonn: Tag zwei der Zukunft Afghanistans…

  1. Hamed N. on 14/10/2012 at 21:03

    Lieber Boris,

    herzlichen Dank für all deine Mühen, Berichte und Interviews. Ich habe einen guten Eindruck vom Geschehen vor Ort. Ich hoffe auch, dass die Bemühungen der Organisatoren einen kleinen Schritt in die richtige Richtung bewirkt haben.

    Weißt du, ob die Ergebnisse des Friedens-Kongresses zusammen gefasst veröffentlicht werden, bzw. gab es sowas wie ein Schlußkommuniqué?

    Beste Grüße aus dem Norden
    Hamed N.

    • Boris Barschow on 14/10/2012 at 21:09

      Die haben ein Abschlusspapier formuliert, das auf http://www.afghanistanprotest.de veröffentlicht werden soll, habe es aber noch nicht gefunden. Im übrigen hat Bashardost das Podium verlassen, weil er das Schreiben nicht kannte und dachte, es wäre im Namen aller Teilnehmer. Dies wurde von den Organisatoren verneint, daraufhin verließ er trotzdem das Podium.



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