Diplomatin für AFG: „Verzweifelt und anstrengend…“

29/03/2013
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(Videos) Jennifer Stötzel hat sich heute wieder aus New York gemeldet und schickt uns folgenden spannenden Bericht – sogar zwei Videointerviews mit Studentenkollegen, die über ihre Rolle auf dieser UN Simulation berichten. Herzlichen Dank dafür 🙂

Von Jennifer Stötzel

Alle meine Kommilitonen sitzen in unterschiedlichen Komitees der Vereinten Nationen. Ruven und Florian sitzen ja, wie ihr schon erfahren habt, in der UNCTAD (http://www.afghanistan-blog.de/new-york-diplomat-fur-afghanistan-in-der-un/).

Ich vertrete Afghanistan mit Josephine Götze im dritten Komitee der Generalversammlung und habe nun drei Tage lang über Drogenhandel und dessen Folgen sowie die Möglichkeiten über verschärfte Regelungen diskutiert. Nun haben wir rund zehn Resolutionen erarbeitet im Komitee, über die wir nun abstimmen werden.

Wir als Afghanen vertreten dabei den Standpunkt, dass entwickelte Länder, vor allem westliche, mehr finanzielle Hilfen stellen, um die Probleme zu behandeln. Des Weiteren haben wir in eine Resolution die Idee eingebracht, regionale Institutionen zu stärken, damit beispielsweise Bauern eine Alternative geboten wird, um nicht mehr vom Drogenanbau abhängig zu sein und sie von der Institution finanzielle Unterstützung erhalten, um alternative Landwirtschaft zu betreiben. Bei allem  dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass Afghanistan mehr Souveränitätsrechte über seine eigenen Entscheidungsfelder haben möchte. Deshalb ist es uns es sehr wichtig, dass in den Resolutionen herausgearbeitet wird, dass die Mitgliedsländer der UN souverän und eigenständig über die Implementierung von neuen Institutionen oder Regeln entscheiden können.

In den Verhandlungen haben wir vor allem mit einigen Nachbarländern zusammen gearbeitet, aber auch mit Kasachstan, Saudi-Arabien, Azerbaijan, afrikanischen Ländern, die sich den gleichen Problemen gegenüber sehen wie die Zentralasiatischen Staaten und natürlich auch mit China und Iran.

Leider ist die NMUN-Simulation nicht immer realitätstreu. Deswegen arbeiten auch manchmal Länder zusammen, die sonst in Wirklichkeit nicht direkt die besten diplomatischen Beziehungen pflegen, weil es bei NMUN auch viel auf Sympathie zwischen den einzelnen Studenten ankommt – was aber vermutlich auch in der realen Diplomatie wichtig ist.

Für mich persönlich waren die drei Tage in vielerlei Hinsicht lehrreich. Ich habe mit vielen Studenten aus aller Welt zu tun gehabt, mit ihnen diskutiert, zwischendurch bin ich auch verzweifelt, weil es unglaublich anstrengend ist, zwei Stunden lang an einem Halbsatz einer Resolution zu feilen.

Gleichzeitig war es eine persönliche Herausforderung, zu versuchen, motiviert zu bleiben – und dass bei, meist amerikanischen, Studenten, die unglaublich motiviert sind, viele Resolutionen zu verabschieden. Deshalb blieb an einigen Punkten auch manchmal der Inhalt auf der Strecke.
Zudem kam hinzu, dass es manchmal auch schwierig war „in character“ zu bleiben. Wenn es um Drogenhandel und -produktion geht, hat man ja doch oft eine „europäische Sicht“ auf die Dinge. Dennoch wurden wir sehr gut auf unsere Aufgaben vorbereitet und konnten viele Erfahrungen schon vor der Konferenz sammeln, weshalb es meistens leicht viel, ausschließlich die afghanische Ansicht der Themen zu behandeln. Nichtsdestotrotz sitze ich jetzt hier in New York, die Abstimmung der Resolutionen knapp vor mir und blicke auf drei Tage Verhandlungen zurück.

Morgen geht es noch für einen Tag in das „richtige“ UN-Gebäude in New York. Das wird ein Spaß und wahrscheinlich umwerfend werden. Dann werde ich noch einmal berichten!

Benjamin Preisler, der die Delegation von Azerbaijan vertritt, hat mir ein kurzes Interview gegeben zu seinen Eindrücken von der Konferenz, genauso wie Maja Marcus, die ebenfalls aus der Bonner Delegation zu Afghanistan stammt, allerdings in einem anderen Komitee sitzt. Viel Spaß dabei!

Jennifer Stötzel**

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