Erster Artillerie-Einsatz der Bundeswehr…?

11/07/2010
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Die Bundeswehr hat in Afghanistan erstmals ihre neuen Panzerhaubitzen in einem Gefecht mit Aufständischen eingesetzt. Das Geschütz feuerte nach Bundeswehrangaben am Samstag fünf Schuss ab, um die Bergung eines durch einen Sprengstoffanschlag beschädigten Fahrzeugs zu ermöglichen. Dabei sei scharfe Munition zum Einsatz gekommen, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Es war nach Einschätzung von Experten der erste Einsatz von schwerer Artillerie in der Geschichte der Bundeswehr überhaupt.

Die PzH 2000 ist das Standardgeschütz der Artillerietruppe, ein 155mm-Artillerie-Rohrwaffensystem auf einem gepanzerten Kettenfahrzeug zur indirekten Feuerunterstützung. Die PzH 2000 verschießt Munitionen mit automatisch tempierbaren Zündern. In Verbindung mit einem neuartigen, modularen Treibladungssystem, der hohen Feuergeschwindigkeit sowie mit der technischen Integration in ein Führungs- Waffen- Einsatzsystem erfolgt die Feuerunterstützung reaktionsschnell, präzise und lageangepasst. Die PzH 2000 erreicht mit den eingeführten Munitionen Schussentfernungen von bis zu 30 km, mit reichweitengesteigerter Munition sind bis zu 40 km möglich. Mit den kurzen Reaktionszeiten, der bordeigenen, hybriden Navigationsanlage und dem Ballistikrechner ist das Geschütz autonom und verfügt über einer hohe taktische Mobilität. Die Besatzung besteht aus 5 Soldaten. Der automatische Munitionsfluss ermöglicht eine Mindestbedienstärke von 3 Mann. Die Besatzung ist gegen Handwaffenbeschuss bis zu einem Kaliber von 14,5 mm, gegen Splitterwirkung von 152 mm-Artilleriegeschossen und durch einen adaptiven Dachschutz gegen Bombletmunition geschützt. Zusätzlich verfügt das Geschütz über eine ABC-Schutzbelüftungsanlage. Darüber hinaus ist die Besatzung in der Lage, sich im direkten Richten mit der Hauptwaffe bei Tag und Nacht zu verteidigen. Dies wird durch entsprechende Optiken gewährleistet. Weiterhin ist ein laffettiertes MG zur Bekämpfung von Boden- u. Luftzielen nutzbar. Weitere Nutzerstaaten sind derzeit Niederlande, Italien und Griechenland.

Im Unruhedistrikt Char Darah bei Kundus waren bei der Detonation von zwei Sprengfallen am Samstag zwei Bundeswehrsoldaten leicht verletzt und Bundeswehrfahrzeuge beschädigt worden. Das Artilleriegeschütz vom Typ Panzerhaubitze 2000 war Ende Mai nach Afghanistan verlegt worden. Über die näheren Umstände des Beschusses gab es zunächst keine Angaben. (mehr auf de.news.yahoo.com)

Die Panzerhaubitze 2000 nach Schussabgabe bei einer Übung (Quelle: Redaktion Heer)

Am 14. April dieses Jahres hatte Verteidigungsminister zu Guttenberg die Entsendung zweier PHZ 2000 nach Afghanistan beschlossen. Die Haubitze soll den Soldaten in den immer häufigeren Gefechten mit den radikalislamischen Taliban Rückendeckung geben. Mit der 155- Millimeter-Kanone können vom Feldlager aus Ziele in einem Umkreis von 40 Kilometern auf 20 bis 30 Meter genau getroffen werden. Im Süden Afghanistans wird die Haubitze seit 2006 von den Niederländern genutzt. (mehr auf welt.de)

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10 Responses to Erster Artillerie-Einsatz der Bundeswehr…?

  1. politisch inkorrekt on 11/07/2010 at 13:47

    „Es war nach Einschätzung von Experten der erste Einsatz von schwerer Artillerie in der Geschichte der Bundeswehr überhaupt.“

    Super Experten. Prezise gesagt… das erste Mal mit scharfer Munition. Im Kosovo wurde mit der M 109 auch Beleuchtung geschossen.

    pi

  2. Daniel Lücking on 11/07/2010 at 14:53

    Peter Lausmann liefert einen guten Hintergrundartikel zur Panzerhaubitze: http://blog.rhein-zeitung.de/?p=9825

    @pi
    Kann mich noch an den leuchtenden Nachthimmel über den Bergen hinter Tetovo erinnern. Beleuchtungs-Schießen mit der M109 hat – in meinen Augen – jedoch einen deutlich anderen Wert.

    • Boris Barschow on 11/07/2010 at 16:03

      Exzellent! Danke für den Link.

  3. Politikverdruss on 11/07/2010 at 14:55

    Und die Wirkung im Ziel?

    • Boris Barschow on 11/07/2010 at 16:02

      Wer weitere Informationen entdeckt, bitte hier gleich posten…Danke.

  4. Robert on 11/07/2010 at 17:15

    Der Spiegel schreibt: Die Soldaten feuerten nach Bundeswehrangaben am Samstag fünf Schuss ab, um die Bergung eines bei einem Anschlag beschädigten Fahrzeugs zu ermöglichen.

    • Someone on 11/07/2010 at 17:41

      SPON hat bei bundeswehr.de abgeschrieben. 😉

  5. Someone on 11/07/2010 at 17:45

    Folgender Link aus den Kommentaren von Dirks Blog geklaut… :pfeif:
    http://blog.rhein-zeitung.de/?p=9825
    Für eine deutsche Zeitung erstaunlich gut geschrieben!

  6. Klaus on 13/07/2010 at 09:04

    O-Ton aus dem Einsatzgebiet:

    Die afgh. Bevölkerung im Raum und deren „Politiker“ sind „begeistert“ – „endlich tun die Deutschen etwas“, „endlich setzt ihr denen etwas gegenüber“.

  7. Soldat in zivil on 20/07/2010 at 22:52

    „Dabei sei scharfe Munition zum Einsatz gekommen, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.“

    Ja Herrschaftszeiten, was denn sonst im Krieg?

    Ich kann mir vorstellen, dass der Sprecher zuvor schon mal in ein Mikrofon von friedliebenden und ungedienten Stern-TV-Reportern (o.ä.) auf die Frage antworten musste, ob ihm klar sei, dass man „mit Waffen auch Menschen töten“ könne…



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