In der UN für Afghanistan: „Eine Rede bitte!“

27/03/2013
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Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, wie die Sachen in New York nun so laufen, haben sich Ruven und Jennifer dazu entschieden, uns einen Einblick in ihr Logbuch zu gewähren. Nach dem ersten Eintrag folgt jetzt der Ablauf eines Hauptverhandlungstages. Auch wenn NMUN eine Simulation ist, bekommen sie einen praktischen Einblick in die Mechanismen diplomatischer Arbeit.

 25.03.13, 9:30Uhr:
Eine Rede bitte!

Nach ausgiebigem „Netzwerken“ bis in die späten (frühen) Stunden an den Hotelbars geht es für die afghanische Delegation nahtlos weiter: unsere erste Rede steht an. Zuvor hatte die französische Delegation im bilateralen Gespräch nicht nur die afghanische, sondern die Regierungen aller sogenannten Entwicklungsländer als Korrupt bezeichnet. Das Thema war für uns klar! Der Versuch, bei der Verteilung von Geldern die Ebene der nationalen Regierungen zu überspringen, ist für uns nicht akzeptabel. Als gewählte Repräsentanten der Afghanen ist es nicht nur eine Frage der Souveränität, auch praktisch gedacht verfügen die nationalen Regierungen über eine größere Expertise über Struktur und Kultur des jeweiligen Landes. Der Ansatz einer „Bottom-to-Top“- Entwicklungsstrategie ist für uns fraglich. Was bedeutet „Bottom-to-Top“, wenn der „entwickelte“ Teil der Welt den „unentwickelten“ Staaten diktiert, wie sie ihre Probleme anzugehen haben.

Die Rede war sehr erfolgreich, kurz danach haben mehrere Länder den Kontakt gesucht, mit denen wir bis dahin nicht viel zu tun gehabt haben.

 25.03.13, 11:00Uhr:
Wie bringen wir Afghanistans Standpunkt unter?

Die UNCTAD verfasst einen Report mit Empfehlungen für die beschlussfassende Generalversammlung. Wir haben uns dafür entschieden für das Thema Nahrungssicherheit den Fokus auf den Punkt Transport und Infrastruktur zu legen. Für Afghanistan als Land ohne direkten Zugang zum Seeweg ist eine bindende Regelung für die Nutzung der Häfen z.B. in Pakistan auf regionaler Ebene wichtig! In der Gruppe der „Stans“ (Afghanistan, Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan) haben wir uns dafür stark gemacht und uns um Mehrheiten bemüht.

 25.03.13, 19:00Uhr:

Nachdem wir unsere Punkte formuliert haben, vergleichen wir unsere Ergebnisse mit denen anderer Gruppen. Die Gruppe der afrikanischen Staaten bietet sich als Partner an, da es viel Überschneidungsfläche zwischen unseren Arbeitsgruppen gibt. Wir entscheiden uns dafür, unsere Ergebnisse zu einem Dokument zu vereinen um unsere Chancen auf die erforderliche 2/3-Mehrheit zu verbessern. Der Einigungsprozess erweist sich als schwierig! Ghana und Turkmenistan übernehmen eine Art federführende Rolle. Das ist  nicht unbedingt durch ihr diplomatisches Gewicht, sondern eher durch individuelle Verhandlungsstärke zu erklären. Auch in der professionellen Diplomatie spielen persönliche Beziehungen eine große Rolle!

Soweit bis dato. Wir sitzen heute noch weitere drei Stunden in der Konferenz, bis um 22:30Uhr der Feierabend eingeläutet wird. Wir schieben uns auf der Rednerliste stetig nach vorne und versuchen weitere Akzente zu setzen. Es macht unglaublichen Spaß mit Menschen aus aller Herren Länder zusammen zu sitzen. Die Konferenz ist die eine Sache. Persönliche Begegnungen sind unserer Meinung nach der größte Mehrwert.

Wir werden noch einmal zum Ende der Konferenz von uns hören lassen um euch die Ergebnisse zu präsentieren. Bis dahin senden wir die besten Grüße aus New York in die Welt!

PS: Der Westen hat die Uhr und die Afghanen die Zeit.

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