Interview: Hintergründe zum Shorish-Friedensplan

17/10/2012
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Die folgende Geschichte soll Ihnen zeigen wie hinter den Kulissen einer Militärmission um Friedenslösungen gerungen wird und mögliche Lösungsansätze offenbar ignoriert werden. Mussten Bundeswehrsoldaten nach dem 1. Oktober 2009 unnötig sterben bzw. fallen, weil die ISAF in Kundus einen vom Talibankommandeur Mullah Qari Bashir angebotenen Waffenstillstand ablehnte? Zu diesem Fazit kommt Otmar Steinbicker vom  Aachener Friedensmagazin, der damals schon zusammen mit Naqibullah Shorish die ersten Ideen zum sogenannten Shorish-Friedensplan an die NATO und an das Auswärtige Amt kommunizierte. Diese Geschichte klingt fast unglaublich, ist aber wahr, wie mir über gut informierte Quellen belegen können. Ein Jahr später, 2010, traf sich die NATO mit hohen Talibanvertretern in Kabul, um die Inhalte einer möglichen gemeinsamen Friedenslösung zu sondieren (aus denen dann im Mai 2011 der Shorish-Plan entstand).

Mullah Qari Bashir

Offenbar machte Mullah Bashirs mit seinem Waffenstillstandsangebot einen ersten Schritt auf die NATO zu. Er sprach im Mai 2009 einen deutschen Journalisten an und bat ihn, einen Kontakt zum PRT Kommandeur Oberst Klein herzustellen.Von dort gab es jedoch keine Antwort. Sechs Monate später wurde Mullah Bashir von US-Einheiten liquidiert. Otmar Steinbicker schrieb damals dazu auf seiner Internetseite:

31-07-2010 – Die Bundeswehr hat den Taliban-Kommandeur Qari Bashir 2009 mit dem Vermerk „zur Ergreifung“ auf eine Jagdliste der Nato setzen lassen. Dieser hatte den Vorschlag der deutschen „Kooperation für den Frieden“ und der Nationalen Friedens-Jirga Afghanistans für einen regionalen Waffenstillstand für die Region Kunduz unterstützt. Nach dem Tanklaster-Bombardement vom 04.09.2009 verzichtete Qari Bashir auf Racheaktionen und setzte stattdessen über mehrere Wochen einen einseitigen Waffenstillstand inkraft.

„Die Bundeswehr hatte den Taliban-Kommandeur Qari Bashir, der im Raum Kunduz rund 50 Kämpfer unter seinem Befehl hatte, im Jahr 2009 mit dem Vermerk auf eine Jagdliste der Nato setzen lassen, er solle festgesetzt werden. Im November 2009 wurde er bei einer mehrtägigen Operation nordwestlich von Kunduz von US-Spezialeinheiten getötet.“ Das berichtet Spiegel-online am Sonntag mit Verweis auf die Wikileaks-Enthüllungen.

!n der Woche vom 2. bis 8. November 2009 hatten US-Elitetruppen zusammen mit afghanischen Soldaten in der unter deutschem Kommando stehenden Zone Afghanistans eine Großoffensive gegen Taliban geführt und 133 Aufständische, darunter den Taliban-Führer Mullah Qari Bashir, getötet.

Mit Qari Bashir starb der Kommandant, der über Monate für die von der Kooperation für den Frieden und der Nationalen Friedensjirga Afghanistans vorgeschlagene Waffenstillstandslösung für die Region Kundus eintrat und dieses auch gegenüber deutschen Journalisten bestätigt hatte. Die Annahme dieses Waffenstillstands durch die ISAF hätte mindestens sieben deutschen Soldaten das Leben gerettet.“

Die Geschichte über den sogenannten Shorish-Friedensplan für Afghanistan, der im Mai 2011 offiziell veröffentlicht wurde, geht auf erste Ideen aus dem Jahre 2008 zurück. Damals trafen Naqibullah Shorish und Otmar Schreiner auf einer Aachener Friedenskonferenz aufeinander und brachten erste Ideen für eine Friedenslösung auf den Weg. Über die Hintergründe dazu sprach ich heute in einer ersten Blog-Skype-Konferenz mit Otmar Steinbicker:

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2 Responses to Interview: Hintergründe zum Shorish-Friedensplan

  1. Hamed N. on 17/10/2012 at 23:42

    also, friedenswillige Taliban werden gezielt ermordet…!?

  2. Dr. Wadan on 19/10/2012 at 19:40

    Ich sehe in dem Shorish-Plan eine echte Chance, mit den Taliban ins Gespräch zu kommen. Schade, dass auch diese Gelegenheit durch unnötige und dem Friedensprozess schädliche Diskussionen torpediert wird.



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