Kahled und der Ramadan in Kabul…

25/07/2012
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Neuer Post von Kahled aus Kabul: Seit letztem Freitag ist Ramadan. Interessante Blickwinkel eines Reisenden, der während dieser Zeit nicht fasten muss, aber auf der Suche nach einem täglichen Mittagessen ist, in einem muslimischen Land, wo derzeit die Straßen fast leergefegt sind – eben, weil die Menschen fasten.

Allgemeine Regeln und Erläuterungen 

Das Fasten (saum, siyam / ‏صيام , صوم ‎ / ṣaum, ṣiyām) im Fastenmonat Ramadan / ‏رمضان ‎ / Ramaḍān ist eine der im Koran verankerten religiösen Pflichten der Muslime. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Saum“ leitet sich aus dem Verb s-w-m in der Bedeutung von „stillstehen“, „ruhen“ und in übertragenem Sinne „sich enthalten“, „fasten“ ab. In den in Mekka entstandenen Koranversen kommt der Begriff nur einmal vor; hier wird Maria durch die Offenbarung befohlen, wie folgt zu sprechen:

„Und iß und trink und sei frohen Mutes (w. kühlen Auges)! Und wenn du (irgend)einen von den Menschen siehst, dann sag: Ich habe dem Barmherzigen ein Fasten gelobt. Darum werde ich heute mit keinem menschlichen Wesen sprechen.“

– Sure 19, Vers 26: Übersetzung: Rudi Paret

Entsprechend wird der Begriff saum (Fasten) von den Koranexegeten an dieser Stelle mit „Schweigen“ (samt) verbunden – als Zeichen der Enthaltsamkeit, die im islamischen Fasten in allen Bereichen des täglichen Lebens charakteristisch ist.

 

Afghanistan während des wichtigsten islamischen Monats Ramadan
von Kahled Massud Waziri

Es ist einerseits ein besonderes Gefühl,andererseits aber auch nicht ganz einfach während des wichtigsten islamischen Monats Ramadan in Afghanistan zu sein. Die Menschen wirken sehr in sich gekehrt und ruhig.Gerade im normalerweise hektischen Großstadtleben Kabuls merkt man sehr deutlich den Unterschied zu der Zeit vor Ramadan. Die Straßen beispielsweise wirken an manchen Tagen wie leer gefegt.

Es ist zudem sehr schwierig für mich etwas in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken.Dem Koran zufolge gilt für mich als Reisenden zwar,dass ich fasten kann,aber nicht dazu verpflichtet bin.Fakt ist aber,dass man mir nicht ansieht,dass ich aus Deutschland komme und mich auf Reisen befinde.Es ist dementsprechend recht kompliziert in der Öffentlichkeit Hunger oder Durst zu stillen.

Dennoch habe ich allergrößten Respekt vor der Disziplin und dem Durchhaltevermögen der fastenden Menschen hier.In dieser unglaublichen Hitze und Trockenheit Kabuls dem Hunger- und Durstgefühl nicht nachzugeben erfordert schon einer besonderen mentalen und physischen Stärke.

Ich komme mir mit meinen Wehwechen geradezu lächerlich vor. Denn obwohl ich nicht faste,finde ich es nicht gerade einfach mich in der hiesigen Hitze zu bewegen. Die Einheimischen nehmen all das mit einer Selbstverständlichkeit hin,dass man wirklich nur staunen.

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