Kenne den Feind – Das Taliban-Projekt der Global Post

27/09/2010
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Der Blog-Praktikant meldet sich zurück. Nachdem ich für kurze Zeit persönlich verhindert war, möchte ich der Afghanistan-Blog-Gemeinde ein Internet-Projekt über die  Taliban vorstellen.

Die Online-Zeitung Global-Post hat vor kurzem eine interessante Themenseite über den Afghanistan-Krieg ins Leben gerufen. Eine interaktive Oberfläche bietet dem Besucher einen schnellen Einstieg in die Geschichte des Landes und seiner Bewohner. Der Schwerpunkt liegt, obwohl weitaus mehr geboten wird, auf einer Darstellung der Taliban. „Kenne dich und kenne deinen Feind“ riet schon der chinesische Militärstratege Sun Tzu etwa 500 Jahre v. Chr. und verwies damit auf das genaue Studium des Gegners.

Die Macher der Global Post haben dazu eine Fülle von Informationen zusammengetragen. Eine Vielzahl von Videos und Texten, von Alexanders Feldzug um 300 v. Chr. bis zu den militärischen Operationen der heutigen Zeit, aber auch vieles über die Kultur und Sitten des Landes finden sich in der Sammlung.

Die interaktive Infografik der Global Post

Die Aufmachung der Seite ist selbsterklärend. Bewegt man den Mauszeiger über die Oberfläche und streift ein Video, startet dieses. Darunter folgen Texte und eine Zeitleiste, in der man einen Einblick in die spannende Geschichte des Landes nehmen kann.

Ihren Antrieb für das Projekt sehen die Journalisten der Global Post in den ernüchternden Ergebnissen der bisherigen Bemühungen, dem Krieg in Afghanistan Herr zu werden.

Life, death and the Taliban seeks to enhance America’s understanding of Taliban history in Afghanistan and Pakistan. At this crucial time in the U.S.-led war against the Taliban, Charlie Sennott recaps the group’s rise to power and looks at current political and counterinsurgency efforts in Afghanistan. Photographer Seamus Murphy, who has long chronicled the shifts of power in Afghanistan, accompanied Sennott to Kabul for this report. (Quelle: Global Post)

„Das Verständnis für die Geschichte der Taliban erweitern„, eine gute Idee, da auch heute noch oftmals zu einseitig auf die Widerstandsbewegung in Afghanistan geschaut wird. Ich, Jahrgang 1983, habe meine ersten Kenntnisse über Afghanistan aus „Rambo III“ entnommen, etliche Kommentare auf den Portalen der großen Zeitungen und Magazine beweisen, dass viele andere ihr Wissen nicht darüber hinaus erweitert haben. Da werden die Taliban und die Mujahedin über einen Kamm geschert, das Engagement der CIA während der Besatzung durch die Rote Armee wird gnadenlos überbewertet und die Vielschichtigkeit der afghanischen Bevölkerung, wie auch des Widerstandes, wird stark vereinfacht.

Die Sonderseite der Global Post bietet genügend Material um die Sicht auf die Männer, die gemeinhin als Taliban bezeichnet werden, zu schärfen. Gerade diese Kenntnisse helfen sicherlich auch den Soldaten unter den Lesern ein Stück weiter. Oder, um Sun-Tzus Hinweis noch einmal aufzugreifen: „Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.“ – Die Kunst des Krieges.

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One Response to Kenne den Feind – Das Taliban-Projekt der Global Post

  1. Boris Barschow on 27/09/2010 at 21:35

    Nachtrag:

    Ranghohe Taliban suchen nach Angaben des ISAF-Oberbefehlshabers David Petraeus die Versöhnung mit der afghanischen Regierung. Petraeus sagte am Montag vor Journalisten in Bagram, die Taliban hätten Kontakt mit den höchsten Regierungsebenen aufgenommen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai will mit den Aufständischen sprechen, wenn sie der Gewalt abschwören, ihre Kontakte zu terroristischen Organisationen abbrechen und sich der Verfassung unterwerfen.
    „Präsident Karsais Bedigungen sind klar, sie sind bekannt und sicherlich unterstützen wir das, so wie wir es im Irak getan haben, so wie Großbritannien es in Nordirland getan hat“, sagte Petraeus. „Auf diese Art beendet man Aufstände.“ Präsidentensprecher Wahid Omar sagte, Karsai wolle möglicherweise noch in dieser Woche die Mitglieder seines Hohen Rates für den Frieden bekannt geben. Erst danach wolle er sich um formale Gespräche bemühen. Eine offizielle Kontaktaufnahme durch die Taliban liege in Kabul nicht vor.



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