Kommen wir an der SolidaritĂ€t nicht mehr vorbei…?

12/04/2010
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Von Lastenteilung und Materialdebatten…

Achtung: nun kommt ein langer Riemen!! Liegt mir schon seit Tagen auf der Zunge und muss nun endlich mal raus. WĂŒnsche gutes Durchhaltevermögen und eine sachliche und erhellende Diskussion.

Ist Kundus nicht nur der Mirkokosmos dessen, was in Kandahar oder andernorts in Afghanistan passiert?  Oder kann man diese Hotspots nicht miteinander vergleichen? Die Medien und wir leisten uns eine Materialdebatte um Panzerhaubitzen und Leoparden, weil sich die Sicherheitslage in Kundus verschlechtert hat (ohne  dass wir vielleicht die GesamtzusammenhĂ€nge  dafĂŒr kennen und deshalb nur erahnen können). Diskutieren wir aus der zu deutschen Perspektive? Immerhin sind 42 Nationen in Afghanistan, die fĂŒr ISAF azusammenarbeiten. In diesem Post will ich einfach mal laut nachdenken und möchte diese Gedanken zur Debatte stellen. Laut denken soll einfach nur heissen: das bisher diskutierte und in den Medien gelesene zu ordnen, zu analysieren und in einem anderen Blickwinkel erscheinen zu lassen. Zuvor noch ein paar zusammengefasste Punkte, damit  der Kontext dieser Gedanken der Gemengelage Afghanistan  sich auch dem Nicht-MilitĂ€r und dem nicht so sicherheitspolitisch Informierten erschließt:

Grundlegendes (vorweg) zusammengefasst

1. Gesamtsituation: Dass es in der Provinz Kundus ĂŒber kurz oder lang zu Übergriffen kommen wĂŒrde, wissen wir schon seit Jahren.  Dies  sei Teil einer Taliban-Strategie, die  seit Herbst 2008 sogar in den Medien diskutiert wurde. Das örtliche PRT (Provincial Reconstruction Team) wurde frĂŒher immer gerne als Bad Kundus bezeichnet – als den gemĂŒtlichen Hort uniformierter Brunnenbauer und Wiederaufbauhelfern…als die deutsche ISAF-Welt medial noch in Ordnung war. Gleiches gilt immer noch fĂŒr das PRT Feyzabad, das allerings im worst case Fall wegen mangelnder LuftransportkapazitĂ€ten schwer evakuierbar sein soll – zumal die ansĂ€ssigen Warlords Uniformierte bisher noch dulden. Die Insurgent-TĂ€tigkeiten um beide PRTs herum sind stabil.  Die Landwege nach Nord-Waziristan/Pakistan, wo die eigentlichen paschtunischen Stammesgebiete liegen, sind von ISAF kaum beherrschbar. Das Regional Command North (RC North) in MeS (Mazar-e Sharif/Grab des Edlen) liegt in der bisher ruhigsten Provinz Afghanistans: in  Balkh. Der Provinzgouverneur Ustad Mohammad Atta Noor gilt als schlitzohriger Stratege und er ist ein nicht zu unterschĂ€tzender Globalplayer im Norden Afghanistans (sogar mit Ambitionen, irgendwann die PrĂ€sidentschaft in Kabul ĂŒbernehmen zu wollen). Er versteht sein Spiel zwischen Zuckerbrot und Peitsche, um seine eigenen Machtinteressen geschickt unter den verschiedenen ISAF-Nationen auszuspielen.

2. Neue Strategie: Nach der Londoner Afghanistan-Konferenz bereitet sich die NATO und die ISAF Nationen auf ein neues Afghanistan-Konzept vor. Die Amerikaner wollen sogar ab Sommer 2011 mit einem spĂŒrbaren Truppenabbau beginnen und wollen die ersten Verantwortungsbereiche wieder in afghanische HĂ€nde ĂŒbergeben. Auf dem Weg dahin soll das Partnering-Konzept greifen: mehr PrĂ€senz in der FlĂ€che zeigen und gemeinsam mit afghanischen Truppen den Gegner bekĂ€mpfen (Taliban?, Al Kaida?, Drogenbarone?, Kriminelle? oder welche Insurgents auch immer…) ISAF Kommandeur McChrystal hat betont, dass es anfangs zu  höheren Verlusten kommen werde , aber langfristig sei dieses Konzept die Basis fĂŒr ein neues afghanisches Sicherheitsfundament. Hearts and Minds sollen nach wie vor in der afghanischen Bevölkerung erobert, das Vertrauen der afghanischen Gesellschaft zurĂŒckerobert werden. Das RC North wird zu einem 2-Sterne HQ (Headquarter) umstrukturiert und wird kĂŒnftig von einem Generalmajor gefĂŒhrt. GeschĂ€tzte 5000 bis 6000 amerikanische Soldaten sind bereits nach den neuen Obama-Offensive im RC North stationiert und bringen schweres Material mit.

3. Deutsche Lage:  Seit dem Tankalster-Bombardement vom 4. september 2009 bei Kundus steht der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr in einem bisher noch nie dagewesenen Fokus der medialen Öffentlichkeit. Ein Untersuchungsausschuss soll die UmstĂ€nde dieses Vorfalles klĂ€ren und mutiert zu einer parteipolitischen Schlammschlacht. Zuvor waren ein Verteidigungsminister, ein Generalinspekteur und ein StaatssekretĂ€r zurĂŒckgetreten. Die AnschlĂ€ge gegen deutsche Soldaten nehmen zu. Die Taliban rĂŒsten auf und verpflichten tschetschenische Söldner, die hohe AbschussprĂ€mien kassieren und die sich vor dem Gefecht mit Adrenalin vollpumpen. Deutsche Soldaten liefern sich letzten Sommer die ersten mehrtĂ€gigen Gefechte mit den Taliban, da war das GuttenbergÂŽsche K-Wort noch nicht geboren – viele hatten es aber schon in ihren Köpfen.

4. NATO Lage:  42 ISAF Nationen engagieren sich in Afghanistan. Deutschland ist nach den USA und Großbritannien die drittgrĂ¶ĂŸte truppenstellende Nation und stellt die FĂŒhrung des Veranwortungsberiches RC North. Insgesamzt gibt es vier (bzw. fĂŒnf) RCs: den Norden (Deutschland),  den SĂŒden (Canada),  den Westen (Italien), den Osten (USA) und das RC Capital Kabul (Frankreich). Das ISAF Headquarter (HQ) Kabul ist die Schaltzentrale des gesamten Einsatzes der ISAF Truppen in Afghanistan und koordiniert in Absprache mit den RCs das Vorgehen und die Strategie in der FlĂ€che, wobei aber jedes PRT je nach Lage am Ort selber entscheiden kann. Dazu kommen andere PRTs in den einzelnen RCs, die unter der FĂŒhrung anderer Nationen stehen. Die Leadnation im HQ Kabul ist seit 2007 Amerika unter der FĂŒhrung vom COM ISAF:  z.Zt. General McChrystal. Über dem COM ISAF steht das JFC (Joint Force Command) Brunssum, Vier-Sterne General Egon Ramms (deutsch). DarĂŒber  der Supreme Allied Commander Europe (NATO SHAPE) in Mrons,  US-Admiral James Stavridis. In dieser Struktur wird versucht – zusammen mit allen 42 Nationen – die Sicherheit und StabilitĂ€t Afghanistans wieder aufzubauen. Wobei zu bemerken ist, dass viele dieser Nationen verschiedene nationale Einsatzregeln (Caveats bzw. ROEs – Rules of Engagements) haben. Deutschland hat seine ROEs erst im letzten Sommer der neuen Lage in im RC North angepasst. Laut Taschenkarte darf ein Soldat auch auf einen Angreifer schießen, wenn er seine Stellung wechselt (bzw. sich wegbewegt, das durfte man vorher nicht). Insofern hat sich die Rechtssicherheit fĂŒr einen deutschen Soldaten im Einsatz ein wenig verbessert.

5. Deutsche Medien Lage: Die mediale Wahrnehmung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr ist seit des Tanklaster-Bombardements von Kundus eindeutig grösser geworden. Nicht zuletzt durch die Ereignisse des Karfreitages, bei denen Soldat 37, 38 und 39 gefallen sind, scheint der „Break-even-Point“ eine langsam ansteigenden Wahrnehmungswelle erreicht zu sein. Doch wie an der Börse, kann eine solche Kurve auch wieder fallen. Wenn man sich durch den BlĂ€tterwald und den Fernsehdschungel schlĂ€gt, gibt es viele gute GrĂŒnde, unsere Soldaten aus Afghanistan abzuziehen: es fallen StaatsbĂŒrger in Uniform, die zu schlecht ausgerĂŒstet und ausgebildet seien, die noch nicht einmal wĂŒssten, warum sie eigentlich in Afghanistan seien und die sich nicht in einem Wiederaufbaueinsatz sĂ€hen, sondern in einem Krieg. Die Lage ist nicht mehr ruhig und stabil. Die Argumente eines „FĂŒr & Wider“ des deutschen Engagements am Hindukusch konterkarieren sich: angeblich sind ĂŒber 70 Prozent der deutschen Bevölkerung gegen den Afghanistan-Einsatz, andererseits geben nach der jĂŒngsten sozialwissenschaftlichen Studie der Bundeswehr 47 Prozent der Befragten an, noch nie etwas ĂŒber den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gehört oder gelesen zu haben. Irgendetwas kann in dieser Gleichung nicht stimmen. Vergleicht man nun die Anschlagzahlen auf die Bundeswehr im RC North mit den der anderen Regional Commands, kann man behaupten, dass der Norden als so sicher gilt, dass man ihn schon fast an die afghanische Regierung „zurĂŒckĂŒbertragen“ könnte. StĂŒrzt sich nun die geballte Kraft deutscher Medien auf die verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig geringe Anzahl der AnschlĂ€ge auf die Bundeswehr, wird ein Bild vermittelt, dass so einfach nicht stimmt: Kriegsszenarien und Apokalypse. Kein Wunder, wenn in der Heimat dann eine Ausstiegsdebatte gefĂŒhrt wird. Es gibt so viele Erfolge, die bereits in Afghanistan erreicht worden sind, ĂŒber die aber niemand berichten möchte. Und schließlich sind wir in diesem Land auch dazu angetreten, den Menschen, den Afghanen, zu helfen. Mitnichten haben wir unsere Ziele bisher erreicht, die wir uns in Afghanistan gesetzt hatten – das ist noch ein weiter Weg. Doch die Erfolge, die wir bereits hatten, werden nicht in die Waag-Schale der Medien gelegt, um ein authentisches Bild dieses Landes und des Einsatzes zu zeichnen. Die Ring-Road ist fertig – klar: immer noch umgekĂ€mpft, weil auch der Gegner sie benutzt und strategisch stören will. Ein Staudammprojekt im Westen des Landes wird mehr Strom bringen. Es grĂŒnden sich seit langem erste afghanische Unternehmen, die ArbeitsplĂ€tze schaffen und damit Familien ernĂ€hren, die nicht mehr als Taliban-WochenendkĂ€mpfer tĂ€tig werden mĂŒssen. Die Informationsstruktur des Landes verbessert sich immer schneller. Diverse Internetunternehmen ermöglichen einem Großteil der Bevölkerung eine freien Zugang zu Informationsquellen, immer mehr Kinder können die Schule besuchen, lernen lesen und schreiben. Gerade dort liegt die Zukunft des Landes. Es ist (auch) ein Krieg um Bildung in Afghanistan.

Achtung: jetzt geht es eigentlich erst los 😉

6. Laute Gedanken: Nach den VorfĂ€llen am Karfreitag eskaliert die öffentliche Diskussion – zumindest unter den Interessierten – um den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Schnell bringen die Medien die mangelnde  Materialausstattung und Ausbildung der Bundeswehr auf den Tisch. Panzerhaubizen, Leopard 2 Panzer und viele andere  schwergewichtige Dinge werden von den einen gefordert, weil wir jetzt in einem kriegsĂ€hnlichen Zustand operieren – auch gerade hier im Blog – und von den anderen abgelehnt. Ob und was wirklich gebraucht wird, vermag ich nicht zu beurteilen, weil ich kein gewachsener MilitĂ€rstratege, sondern „nur“ Journalist, der aber dreimal als Reservist im Einsatz war und die Gemengelage am Ort kennt. Folgende GedankengĂ€nge also:

a) Ja, die Sicherheitslage in Kundus hat sich verschlechtert. Angeblich kann das PRT sich nur in einem kleinen Radius aus dem Feldlager heraus frei bewegen. Die FlĂ€che dahinter ist von den Taliban und Terroristen „besetzt“. Wie kann man diesen Raum nun eigentlich „zurĂŒckgewinnen“? In Fernsehen bestaunen wir ĂŒberrascht die „Afghanistan LĂŒge“ und den Kampf um die Höhe 431. Doch was bringt dieser Kampf uns eigentlich? Ist dieser Posten strategisch wichtig, dass wir ihn halten mĂŒssen? Wenn ja, wie können wir ihn halten? Welche Vorteile ergeben sich daraus? Nur einige hundert Meter Luftlinie befindet sich das nĂ€chste Taliban-Dorf, SpĂ€her erkunden jede Nacht die Lage. WĂŒrden Kampfpanzer als Show of Force die Taliban tatsĂ€chlich einschĂŒchtern? Kritiker meinen, dass ein Panzer technisch nicht fĂŒr einen solchen Einsatz geeignet sei (fehlende Klimaanlage, viel zu schwer fĂŒr BrĂŒcken, die Soldaten wĂŒrden dort nicht mehr aus ihm heraus kommen, man will sich ja eigentlich in der Bevölkerung zeigen! etc.pp) Warum können aber die HollĂ€nder den Leo 2 einsetzen und welche Vorteile haben sie dadurch erzielen können? Was können wir daraus lernen? Oder ist unsere politische FĂŒhrung immer ncoh unwillens, sich einer „neuen“ sicherheitspolitischen Lage anzupassen? Oder können wir uns die Materialdebatte sparen, weil ja jetzt die Amerikaner im Norden sind und entsprechendes Material mitbringen? Schließlich ist es ja kein rein deutscher Einsatz in Afghanistan, sondern der von 42 Nationen?! MĂŒssten wir nicht den Raum, den wir gewinnen, halten und prĂ€sent in der FlĂ€che bleiben? Haben wir dafĂŒr genug Soldaten, Material und Geld?

b) In der ganzen Materialdebatte diskutiert jeder aus seinem Blickwinkel. Ich gestehe ein, dass die BedĂŒrfnisse eines QRF-Kommandeurs ganz andere sind als beispielsweise die eines landeskundlichen Beraters. Brauchen wir nicht ein (neues) Gesamtkonzept, das sich sowohl mit den Heart & Minds als auch mit der neuen Sicherheitslage beschĂ€ftigt? MĂŒssen wir nicht kĂ€mpfen UND reden? Wenn die neue Afghanistan-Strategie Partenering heisst, dann ist das eine irrefĂŒhrende Begrifflichkeit. Partnering = mit afghanischen Soldaten in die FlĂ€che gehen und kĂ€mpfen = mehr zu erwartene Gefallener (nicht nur deutscher, sondern auch der anderen 41 ISAF Nationen). Ich glaube, das ist in der Öffentlichkeit noch nicht konsequent  kommuniziert worden (vielleicht haben es aber viele Berichterstatter noch nicht verstanden).

c) Unsere Bundeskanzlerin musste sich angeblich ĂŒberreden lassen, auf der Trauerfeier am letzten Freitag zu erscheinen, berichteten einige Medien. Ob das wirklich so war, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. NatĂŒrlich hat sie damit einige (hoffentlich) Signale gesendet. Sie hat sich geĂ€ußert, bekannt und will sich nun persönlich fĂŒr eine ÜberprĂŒfung der richtigen AusrĂŒstung der Soldaten einsetzen, aber eine öffentliche Dabatte darĂŒber möchte sie nicht fĂŒhren. Hat sie sich jetzt nicht in eine politische ZwickmĂŒhle gebracht? Warum erschien sie ausgerechnet jetzt auf dieser Trauerfeier? Warum war sie nicht auf den vergangenen, fragen sich bestimmt die Anghörigen anderer Gefallener. War ihr Besuch am Wochenende im EinsatzfĂŒhrungskommando  ein Routinebesuch (der letzte war 2006) oder war es nur eine strategische Maßnahme, um der öffentlichen Materialdebatte entgegenzuwirken? Oder ist das sicherheitsrelevante Fass Kundus kurz vor dem ĂŒberlaufen, dass politische KollateralschĂ€den verhindert werden mĂŒssen? Fragen ĂŒber Fragen…

d) Ist die deutsche Debatte nicht die falsche Debatte? Klar, fĂŒr die deutsche Bundeswehrgeschichte ist dieser Einsatz ein historischer Einsatz seit Beendigung des 2. Weltkrieges. Aber mĂŒssen wir uns nicht zum internationalen Einsatz und dessen Zusammenspiel fĂŒgen? Hat die deutsche Politik parteiĂŒbergreifend jahrelang falsch kommuniziert? Ja, wir fordern eine öffentliche Debatte, aber wohin soll sie fĂŒhren? Vergessen wir nicht den internationalen Blickwinkel? Der Verlust deutscher Soldaten ist tragisch genug, richtig, aber mĂŒssen wir damit nicht leben? Können Kampfpanzer, Kampfhubschrauber und Haubitzen eine Kehrtwendung bringen? Und wenn wir Raum „gewinnen“ mĂŒssen, dann mĂŒssen wir ihn auch halten und verteidigen. Bloß wie und womit? Wobei sich hier an dieser Stelle im Post die Katze wieder in den eigenen Schwanz beisst.

e) Unterm Strich brĂ€uchte Deutschland mehr Soldaten, um den Raum zu halten und verteidigen zu können, um in der FlĂ€che prĂ€sent zu bleiben, um mit der Bevölkerung zu kommunizieren und Vertrauen aufzubauen. Doch dieser Gedanke wird politisch kaum durchsetzbar sein. Unterm Strich fordern ja auch viele afghanische Keyleader ein kosequenteres Auftreten der Deutschen. Anyway…Debatten um Materialaustattung hin oder her. Die Frage lautet doch (?): Können wir mit Panzern und Haubitzen weiter eine Friedensmission unterstĂŒtzen oder hat sich die Gesamtlage (offenbar) dermaßen verĂ€ndert, dass (auch wir deutschen) weiteres Handwerkzeug benötigen, um im Geasamtkonzert gemĂ€ĂŸ einer neuen sicherheitsrelevanten Sinfonie auf „Augenhöhe“ mit den HollĂ€ndern, Briten und Amerikaner mithalten und uns behaupten können?

…diese Gedanken haben mich die Tage beschĂ€ftigt und mich nun zu diesem getippten geistigen Lusttropfen verleitet. Wie denken Sie darĂŒber? Feuer frei…

Es ist ebenso wichtig die UnterstĂŒtzung der Öffentlichkeit zu mobilisieren, wie die StreitkrĂ€fte fĂŒr den Krieg zu rĂŒsten. Die Moral steht im Zentrum des Krieges und nicht die physische StĂ€rke. Sieg wird nicht durch Vernichtung erreicht, sondern durch das Zerbrechen der gegnerischen Moral. Ziel des Krieges ist die Moral des Feindes.“
(Carl von Clausewitz).

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35 Responses to Kommen wir an der SolidaritĂ€t nicht mehr vorbei…?

  1. neglectable on 13/04/2010 at 00:35

    Vielen Dank fĂŒr diese Darstellung einer schwer an KomplexitĂ€t leidenden Thematik. Sehr gelungen. Ich habe mir erlaubt, in meinem frĂŒheren (recht polemischen) Beitrag etwas Werbung zu dafĂŒr zu machen. Übrigens, wurden Generalinspekteur und StaatssekretĂ€r nicht in Rente geschickt?

  2. PhoenixTwoSix on 13/04/2010 at 00:37

    Sehr geehrter Herr Barschow,

    da haben sie aber ein ordentliches BĂŒndel zusammengeschnĂŒrt. So ein bischen Sein oder Nicht sein.

    Dazu meine global Perspektive. Wir, als Bundesrepublik Deutschland, haben und hatten keine Strategie nach außen. Die Strategie wĂŒrde den ĂŒbergeordneten Weg und Rahmen fĂŒr die weiteren Handlungen beschreiben um vorher gesetzte Ziel zu erreichen. Diese Ziele wurden nicht formuliert, geschweige den in erreichbare Zwischenziel umgesetzt. Dies gilt in meiner Bewertung fĂŒr die gesamte Außen-, Verteidigungs- und Entwicklungspolitik. Eine Darstellung und Zusammenfassung unserer Absichten außerhalb der Einigung Europas und der Deutschen Einheit ist mir nicht bekannt. Allgemeine Platzhalter alla „Demokratie weltweit“, „Klimaschutz“ und „“Frauenrechte“ sind PlatitĂŒden ohne konkrete Maßgaben und BegrĂŒndungen.

    In der Dokumentation „The war tapes“ stellt einer der Irak Krieg RĂŒckkehrer fest, dass die Diskussion, ob es in diesem Krieg um Öl ging oder nicht wahnwitzig ist. Wenn es nicht um das Lebensblut der Nation ginge, was wĂ€re denn dann den Tod sovieler Soldaten und Zivilisten wert?

    Ist uns die Kohesion der westlichen MĂ€chte und die Stabilisierung Zentralasiens genug wert um dafĂŒr Blut zu opfern! Ich sage ja, weil wir nur so langfristig in einem starken BĂŒndniss sind und uns so zukĂŒnftige Partner und MĂ€rkte offen halten. Dabei geht es allerdings nie um Demokratie und Menschenrechte. Sollten nĂ€mlich die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechte außreichen um den Einsatz von Leben zu rechtfertigen mĂŒssten wir uns sofort weltweit engagieren.

    In alter Manier der Friedensdividende und der kontinentalen PrÀgung unserer Gesellschaft reichte es uns bisher in Afghanistan zu sein, um nicht nicht dabei zu sein und vor allem im Hinblick auf die anderen Krisen der Welt sagen zu können, hey wir machen doch auch was!

    Aktuell stricken wir am „gracefull exit“. Die Kernfrage lautet hier: Wie komme ich aus Afghanistan raus ohne wie totale Versager auszusehen. Dies kann nicht ausreichen um uns Soldaten ins Gefecht zu schicken.

    Ich bin ĂŒberzeugt, dass sich Afghanistan stabilisieren lĂ€ĂŸt und ggf. auch zu neuer BlĂŒte kommt. Als islamischer Staat mit islamischem Recht. Das grĂ¶ĂŸte Problem dĂŒrfte dabei fĂŒr die Afghanen sein, sich als Staat zu begreifen. Demokratie, Frauenrechte und unabhĂ€ngige Gerichtsbarkeit wird es in ganz Afghanistan wahrscheinlich nie geben und schon gar nicht in nĂ€chster Zeit. Der Westen kann dies erreichen in dem er an einem Strang zieht und kohĂ€rent auftritt. Dies wird nur erreichbar sein indem viele zurĂŒckstecken und die wenigen unterstĂŒtzt werden, welche die PlĂ€ne schmieden.

    Hilfreich wĂ€re es dann, auf eine AFG Konferenz zu fahren ohne deutschen Plan und deutsche Kopfzahlen, sondern mit dem Willen es hinzukriegen. Anschließend wĂŒrde man zurĂŒckkehren und verkĂŒnden, was der gemeinsame Plan ist und nicht das Festhalten an der eigenen Kurzsichtigkeit als Erfolg verbuchen. Was dies kostet, wieviel Soldaten, Gendamerie, Polizei und zivile Helfer dies erfordert zeigt sich in der Feinplanung ĂŒber alle Ebenen. Erst wenn alle Einzelverantwortlichen ihren Beitrag zur Auftragsauswertung gegeben haben zeigt sich der Aufwand.

    Auftrag des Parlamentes ist es, aus meiner bescheidenen WĂ€hlersicht, festzulegen wo und fĂŒr was sich DEU engagieren sollte. Die Exekutive wird dann ermitteln wieviele Köpfe, wieviel Geld und wieviel Zeit dies erfordern wird. Ich halte es fĂŒr wirklich irrsinnig im Parlament ĂŒber Kopfzahlen und Waffensysteme zu debatieren. Der Vorstand von VW wird ja wohl auch nicht auf der ersten Sitzung die Anzahl der Fertigungsroboter und Arbeitsmethoden fĂŒr ein neues Modell festlegen. Zudem dĂŒrfte ja, verglichen mit ISAF, unser fiktiver Vorstand nur ĂŒber die linke Seite des Modells Aussagen treffen, da ja die Gesamtverantwortung bei einen anderen Gremium liegt.

    Abschließend also:

    Ja, wir fĂŒhren eine zu deutsche Diskussion.

    Nein, wir haben keine neue Strategie, unsere Partner mit dem Willen, den Menschen und dem Material haben den. Wir haben ja noch nicht mal die Forderungen unserer MilitĂ€rs fĂŒr den alten Plan erfĂŒllt.

    Ja, wir brÀuchten mehr und anderes Material aber umgekehrt spielen wir in AFG spÀtens ab Mitte des Jahres gar keine Rolle mehr. Hierzu sollte man dann wirklich einfach Köpfe (KÀmpfer, Polizeiausbilder) und Material zÀhlen, um festzustellen, dass der Norden ein weiteres amerikanische Regional Command geworden ist.

  3. Stefan on 13/04/2010 at 00:46

    zu a) die NiederlÀnder setzen keine Panzer ein

    Und natĂŒrlich sind schwere Waffen nicht die Lösung aller Problem. Höchstens ein kleiner Teil. NatĂŒrlich ist eine Gesamtstrategie nötig, die in Deutschland nicht existiert.

    NatĂŒrlich muss die PrĂ€senz in der FlĂ€che ausgebaut werden. Auch mit permanentem Posten, die auch durch ANA und ANP besetzt werden können. Aber gerade dazu sind mehr FeuerunterstĂŒtzung und mehr Lufttransport zur Versorgung nötig.

    Ein weiterer Gedanke der mir mit Artillerie gekommen ist: Wenn man sich die anderen LĂ€ndern dort anschaut, sieht man dass deren Einsatz unabdingbar ist. Aber wenn dieser eine Artikel wirklich stimmt und der Einsatz von Mörsern wirklich durch RCN HQ freigegeben werden mĂŒsste, ist dann fĂŒr jeden Feuerbefehl einer Artillerieeinheit die Zustimmung des Verteidungsministers oder des Parlaments nötig?

    Insgesamt denke ich nicht, dass man auf Teufel komm raus Kampfpanzer einsetzen muss. Wir versteifen uns da in der Tat etwas. Eine generell schwerere Bewaffnung ist aber nötig. Das fĂ€ngt schon bei kleinen Dingen wie Mörsern an, die bei der BW auch eine zu geringe Bedeutung haben. Es geht ĂŒber moderne, schwere Maschinengewehre, wo sich erst jetzt mit dem MG4 ein wenig tut. Und es hört bei IFVs auf. Wie von anderen schon angesprochen ist der Dingo nie so als Truppentransporter gedacht gewesen. Jedenfalls sollte er nicht das Hauptfahrzeug in dieser Rolle sein. DafĂŒr sind Fuchs und Marder wesentlich besser geeignet (wenn man beim letzteren mal von der fehlende Klimaanlage absieht welche ihn stark einschrĂ€nken). Verbesserungen in diesem Bereich lassen sich sowohl politisch als auch finanziell einfacher durchsetzen.

  4. Sascha Stoltenow on 13/04/2010 at 01:15

    Meine Prognose: Die nĂ€chste rhetorische Figur, die aufgebaut werden wird, ist die einer „Afghanischen Lösung“, bei der im Kern die Afghanen und die NachbarlĂ€nder in Verantwortung genommen werden sollen, ggf. gepaart mit einer Friedenstruppe aus islamisch geprĂ€gten LĂ€ndern (TĂŒrkei).

    Bevor es soweit ist, werden die USA da noch mal ordentlich durchkÀmmen (jetzt ist schon von zwei Brigade Combat Teams im RC North die Rede). Deutsche Soldaten sollten nur aufpassen, dass sie da nicht im Weg rumstehen.

    Sobald die US-Truppen durch sind und US Aid beginnt, Projekte mit viel Geld zu fördern, erklĂ€rt Obama, dass ein wichtiges Zwischenziel erreicht wurde und beginnt rechtzeitig zu den kommenden Wahlen mit dem Abzug (Declare victory and pull out). ZurĂŒck bleiben, wie im Indianerland oder im Irak, einige Forts, aus denen Spezialeinheiten hin und wieder zu Raids aufbrechen, um den wirklich bösen eins auf die MĂŒtze zu geben.

    In diesem Szenario werden die deutschen Truppen zur Stadtpolizei von Kunduz und bilden auch verstĂ€rkt aus. NatĂŒrlich hĂ€tte die Bundeswehr bereits im Vorfeld gezielter gegen die einsickernden WiderstandskĂ€mpfer vorgehen können, aber das war und ist politisch nicht gewollt.

    Nur um MissverstĂ€ndnisse zu vermeiden: militĂ€risch sind deutsche Soldaten fĂ€hig und in der Lage, auf Augenhöhe mit den anderen Juniorpartnern zu agieren. Es ist aber in der Heimat nicht zu vermitteln. Das mag das ein oder andere KĂ€mpferherz in Wallung bringen – verstĂ€ndlich – aber die eher defensive Guideline der Regierung ist im Zweifelsfall die bestmögliche Force Protection.

  5. StFwdR on 13/04/2010 at 08:02

    Tja was soll man dazu sagen ?

    Eine gelungene Zusammenfassung des deutschen Dilemma`s 😉

    Oder anders gesagt, uns holen die Fehler der Vergangenheit ein.

    Besoffen vor GlĂŒck durch die Wiedervereinigung hat dieses Land, aus vermeintlicher politischer Korrektheit, vermieden die Stufen des Erwachsen werdens einer Nation zu durchlaufen.

    Dazu gehört natĂŒrlich auch die aussen- und sicherheitspolitischen Ziele zu definieren und zu benennen.
    Wenn der BĂŒrger erkennt was, warum zu tun ist, kann er auch VerstĂ€ndnis fĂŒr Maßnahmen entwickeln, wenn nicht, dann schießen die Spekulationen ins Kraut und die öffentliche Diskussion ist unkalkulierbar.

    Nach dem kalten Krieg, dem Zusammenbruch des WP und dem Fall der Mauer wurde festgestellt, das wir doch unmittelbar von Freunden umzingelt sind und die daraus entstandene „Friedensdividende“ gnadenlos verfrĂŒhstĂŒckt.

    Konsequenterweise wurde reduziert was ging, ohne RĂŒcksicht auf bestimmte KernfĂ€higkeiten, die eine Armee erhalten muß. Andererseits wurde aus industriepolitischen GrĂŒnden an RĂŒstungsprojekten festgehalten, die sich ĂŒberlebt haben.

    Und heute ?

    Da stehen wir vor den TrĂŒmmern einer Armee im Einsatz.
    Die x-te „Selbstfindingsgruppe Bundeswehr“ soll nun den Stein der Weisen finden um die Ausgaben fĂŒr bewafffnete StreitkrĂ€fte wenigstens einigermaßen vor der Bevölkerung zu verantworten. Die Frage warum und wofĂŒr wir diese ĂŒberhaupt haben ist es doch die zunĂ€chst einmal zu klĂ€ren ist!

    Bei all den Diskussionen um Waffensysteme die zum Einsatz kommen könnten, wird zunĂ€chst einmal ĂŒbersehen, das diese nur dann ihren Nutzen entfalten, wenn diese Optionen welche dadurch entstehen auch konsequent genutzt werden können und durch die Soldaten vor Ort nach deren militĂ€rischer, strategischer und taktischer Planung auch eingesetzt werden dĂŒrfen.

    Ebenso wie im „Nationbuilding“ von Afghanistan konsequenterweise dieses im Vordergrund stehen mĂŒĂŸte.
    Wenn dann festgestellt wird, das sich durch Korruption und Vetternwirtschaft diese Aufgabe nur schwerlich umsetzen lĂ€ĂŸt, warum wird dann nicht gegengesteuert? Was hindert ISAF daran Ă€hnlich den Allierten nach dem WWII MilitĂ€rgouverneure mit entsprechenden Befugnissen einzusetzen, die den zivilen Verwaltungsapparat kontrollieren und fĂŒr die finanzielle Ausstattung verantwortlich sind?
    Was hindert daran die ANSF selbst zu alimentieren als diese durch „nationale“ Geldversiegungsquellen schlecht und unregelmĂ€ĂŸig zu bezahlen? Das PRT-Konzept geht in diese Richtung, warum nicht konsequent?

    Was hindert die ISAF daran gegen die Drogenbarone vorzugehen? Den Bauern vor Ort andere Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen und so deren LebensqualitÀt zu halten oder besser zu steigern?

    Ich bin eigentlich davon ĂŒberzeugt, das Otto-Normalafghane nach einer derartig langen Zeit des Krieges eigentlich die Schnauze voll hat und sich wĂŒnscht in Frieden seinen Dingen nachgehen zu können und fĂŒr seine Familie zu sorgen. Darum geht es, die Afghanen haben es verdient das wir ihnen dabei helfen !

    Statt einen Konflikt zwischen Christentum und Islam herbeizureden sollten wir lieber zeigen, das wir zur Hilfe zur Selbsthilfe bereit sind und helfen wollen.
    Dies bedingt Kontakt zur Bevölkerung und PrÀsenz vort Ort, entweder durch loyale ANSF oder durch ISAF. Mit sporadischen Besuchen ist das nicht getan.

    Absprachen mit den „Locals“ mĂŒssen nicht nur getroffen sondern auch realisiert werden. So wird sozaler Friede geschaffen, der Grundlage fĂŒr den Prozess ist, die Afghanen mĂŒssen sehen das es vorwĂ€rts geht.

    Das muss zusammenlaufen mit einem Gerechtigkeit verbreitenden Justitzsystem das die Rechte der BĂŒrger beinhaltet. Recht und Gesetz sind der Kitt der jede Nation zusammenhĂ€lt. Dies muß nicht nach unseren westlichen Wertevorstellungen sondern nach den allgemein gĂŒltigen Menschenrechten als Basis funktionieren. Die lokalen ĂŒber Jahrhunderte gewachsenen Strukturen können nicht ĂŒber Nacht geĂ€ndert werden, hier ist schrittweises Vorgehen notwendig.

    Neben diesen „zivilen“ Aufgaben hat ISAF den Auftrag Sicherheit in Afghanistan sicherzustellen und die „Feinde des Wiederaufbau`s“ daran zu hindern diesen zu stören oder gar zu bekĂ€mpfen.

    Der deutsche Ansatz Soldaten als „THW in Flecktarn“ zum Aufbau und Polizei zur Ausbildung und Schutz zu senden ist nun grĂŒndlich in die Hose gegangen.

    UrsĂ€chlich sehe ich hier zunĂ€chst einmal die grundpazifierte Grundhaltung, Manifestiert im „freundlichen Desinteresse“ der deutschen Bevölkerung zu „ihrer“ Bundeswehr und deren Aufgaben.
    Daraus resultiert in der Politik ein „Beißreflex“ wenn es um Fragen von Einsatz und Aufgaben der bewaffneten KrĂ€fte geht.

    Aus diesen GrĂŒnden wurde der breiten Bevölkerung jahrelang der Einsatz als „Friedensmission“ untergeschoben, der die Soldaten als Aufbauhelfer in „Kurbad Kunduz“ zeigte, die sich mit Ihrem Einsatz einen Kleinwagen verdienen konnten.

    Nach nunmehr jahrelangen Einsatz und 39 Toten, darunter 20 „Gefallenen“ setzt sich die bittere Erkenntniss durch, das die RealitĂ€t wohl eine andere ist und die politische Schlammschlacht um die Verantwortung dafĂŒr bestimmt die Diskussion in Deutschland.

    Hiebei tritt zutage das sich die Fehler der Vergangenheit gravierend auswirken. Die „Bundeswehr“ erweist sich als zahnloser Tiger der weder vernĂŒnftige Gefechtsfahrzeuge fĂŒr seine Soldaten stellen kann noch in der Lage ist seine Verwundeten Soldaten selbst aus einer Gefechtszone zu retten.

    Wenn man die Diskussion ĂŒber die Waffensysteme verfolgt, dann stellt man schnell fest, das hier immer noch der kalte Krieg die Grundlage des Denkens ist. Die jeweiligen Waffensysteme verden verknĂŒpft mit den damaligen Vorstellungen des „Gefechts“. Panzer sind fĂŒr die norddeutsche Tiefebene oder den Kursker Bogen Basta! Flexible GefechtsfĂŒhrung scheint ein Fremdwort zu sein. Gefecht der verbundenen Waffen ist wohl ebenfalls ein Relikt des kalten Krieges 🙁

    Komischerweise wird der dicke Hammer in Form der PzH2000 prĂ€feriert, wenn die dann ein bisschen streut, what shalls? SpĂ€testens wenn artilleristischer Kollateralschaden entstanden ist rosten sich die Rohre einen Wolf 😉 Analog zum CAS, wer setzt die dann noch ein / fordert an?
    Mal abgesehen davon das dann ein Zweisterner die Feuerfreigabe geben muß 🙂

    Hier zeigt sich das Dilemma, da die Politik nicht bereit ist ihre getroffene Entscheidung auch Konsequent umzusetzen, trifft sie keine oder nur halbherzige Entscheidungen wie der erteilte Auftrag an die StreitkrĂ€fte umgesetzt werden sollen, sind ja bald wieder Wahlen. Statt die Diskussion mit der Bevölkerung zu suchen wird verschwurbelt (Partnering) der Einsatz weiterhin schöngeredet und bei Trauerfeiern betroffenheit gezeigt und von „feigen hinterhĂ€ltigen AnschlĂ€gen“ gesprochen.

    Himmel nochmal, was ist so schwer daran die Interressen der Bundesrepuplik zu formulieren und dafĂŒr zu werben das die Bevölkerung dieses UnterstĂŒtzt? M.E. ist der „deutsche Michel“ (alternativ „Lieschen MĂŒller“ etc. 😉 ) bereit die Wahrheit zu vertragen, von Schwurbelei hat er die Schnauze voll.

    Dann und nur dann macht die Diskussion ĂŒber den Einsatz ĂŒberhaupt Sinn,
    dann kann die Bundeswehr vernĂŒnftig „bewaffnet“ werden um den Einsatz erfolgreich fĂŒhren zu können,
    dann macht eine „Selbstfindungsgruppe BW“ Sinn und kann zielgerichtet VorschlĂ€ge unterbreiten.

  6. StFwdR on 13/04/2010 at 08:47

    Und wie gerufen, meldet sich der „Harzer Roller“, der ĂŒber die Funktion als „Poppbeauftragter“ zum Parteichef aufgestiegener
    Provinzpolitiker aus Niedersachen zu Wort :

    Gabriel will neues Afghanistan-Manda

    SPD-Chef Sigmar Gabriel hat das Verhalten der Bundesregierung in der Debatte ĂŒber den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan scharf kritisiert. „Ich kann nur davor warnen, aus Feigheit vor der öffentlichen Debatte die Begriffe zu verwischen“, sagte Gabriel der „Frankfurter Rundschau“. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Einsatz fĂŒr einen „Krieg“ halte, mĂŒsse sie ein neues Bundestagsmandat beantragen: „Dann wĂŒrde mit Sicherheit die Abstimmung anders verlaufen.“

    Quelle : http://www.n-tv.de/politik/Gabriel-will-neues-Afghanistan-Mandat-article820824.html

    Da ist er wieder der „Beißreflex“ der Politik und die politische Schlammschlacht auf dem RĂŒcken der Soldaten.

    Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen das unser Bundeskanzlerin nunmehr erkennt, das eine breite politische Mehrheit zwar anzustreben ist, aber die Notwendigkeiten es auch erforderlich machen fĂŒr seine Überzeugung einzustehen.
    Die Helmut`s haben es vorgemacht 😉

  7. Klaus on 13/04/2010 at 09:09

    Von den angepriesenen US-Soldaten als Helfer und UnterstĂŒtzer ist im Raum Kunduz bislang nichts zu sehen und zu hören, wann und ob sie eintreffen, ist unbekannt.

    Warum benötigen wir mehr deutsche bzw. internationale Soldaten? Wenn die, die vor Ort sind, auch kĂ€mpfen dĂŒrften, d. h. die Region sĂ€ubern könnten, dann könnte das funktionieren, was die Afghanen selber wollen!
    Sie wollen das Heft selbst in die Hand nehmen, bereits bestehenden Milizen-Gruppen vertraut die Bevölkerung wesentlich mehr, als jedem auslĂ€ndischen Soldaten! Äußerst erfolgreich sorgen auch an anderen Stellen diese Milizen fĂŒr Ruhe und Ordnung in ihren Bereichen – sicher, auf ihre Weise, aber da aus der Bevölkerung kommend, auch von dieser akzeptiert. Ihnen vertraut man mehr, als ANP und ANA – diese gelten als korrupte Verbrecher.

    Die „Tanklaster-AffĂ€re“ wird von den Afghanen selbst im Raum Kunduz als eine „hervorragende Tat der Deutschen“ angesehen und man hatte gehofft, dass jetzt endlich eine Kehrtwende eintreten wĂŒrde. Die Milizen standen und stehen Gewehr bei Fuß, ihnen fehlen jedoch schwere Waffen, um die AufstĂ€ndischen massiv zurĂŒckzudrĂ€ngen bzw. besser zu eliminieren. Dann jedoch, so zeigt es sich auch andernorts, können sie ihre Dörfer und Gebiete halten!

    Milizen? Aber bitte nein, da hat der deutsche Hinz und Kunz natĂŒrlich seine Probleme mit! Das hat die deutsche Politik und auch die Medien ihm nicht nach Hause in Wohnzimmer gebracht. Und so denkt man weiter „westlich, sauber, rein“ und rĂŒmpft verĂ€chtlich das NĂ€schen wie beim Auslandsurlaub „in Deutschland ist das aber alles besser“.

    Man hat immer noch nicht gelernt, auch nur ansatzweise durch „afghanische Augen“ zu sehen.
    „Hearts and minds“ gewinnen – die Afghanen sind bereit, man muss sie nur unterstĂŒtzen und machen lassen. Das grobe Handwerk sollten die internationalen KrĂ€fte, hier in diesem Falle die Deutschen, endlich leisten “ dĂŒrfen“, das „Sauberhalten“ sollte man den Afghanen ĂŒberlassen und auch zutrauen.
    Wo ĂŒber Korruption und Wahlbetrug hinweg gesehen wird bzw. werden muss, sollte auch hier endlich anders sehen!

  8. Anna Nym on 13/04/2010 at 09:27

    Bevor ich mich ans genaue Lesen mache, kurzer Hinweis zu „Diskutieren wir aus der zu deutschen Perspektive? “

    Das TIME Magazine (Euro-Ausgabe) hat diese Woche den Titel „Why British elections should be about her. Politicians are letting their soldiers down“
    http://www.time.com/time/covers/europe/0,16641,20100419,00.html
    Der Artikel ist „Defence of the Realm: Britain’s Armed Forces crisis“
    http://www.time.com/time/world/article/0,8599,1978680,00.html
    Zum Teil ĂŒber den Irak-Feldzug, aber mit einigen interessanten Einblicken (fĂŒr den Laien) hinter die Kulissen.

  9. Holger S on 13/04/2010 at 09:35

    Woher bekommen die bösen Buben eigentlich ihren Nachschub an Munition und Waffen? Und ĂŒber welchen Weg? Über das pakistanische Grenzgebiet? In wie weit gibt es da Erfolge der Amerikaner, weiß man da was darĂŒber?

  10. Belzer on 13/04/2010 at 11:37

    Ein sehr ausfĂŒhrlicher und sehr guter Artikel. Jedoch fĂŒr Diskussionen zu ausfĂŒhrlich, da zuviele Probleme auf einmal angesprochen werden.

    Das Grundproblem des Bundeswehreinsatzes ist die jahrelange falsche Deklarartion dieses Mandats als friedenserhaltende und nicht friedenserzwingende Mission, was sicher auch der Deutschen Geschichte geschuldet ist. Bekanntlich hat Deutschland 2 Weltkriege ausgelöst.

    Das Grundproblem der Bundeswehr in Afghanistan ist auch weniger ein qualitatives, als ein quantitatives. AufstandsbekĂ€mpfung (Counterinsurgency) erfordert eher eine polizeiliche, als eine militĂ€rische Herangehensweise. Daher sind Kampfpanzer und Panzerhaubitzen fĂŒr die AufstandsbekĂ€mpfung weitgehend ungeeignet. Das Hauptaugenmerk liegt im Aushorchen der Dorfbevölkerung auf mögliche aufstĂ€ndische AktivitĂ€ten und dem Verhören verdĂ€chtiger Personen. Erst wenn man weiß, mit wem man es zu tuen hat, kann man ihn auch gezielt bekĂ€mpfen. Dabei sind Verluste unter der Zivilbevölkerung weitgehendst zu vermeiden, auch wenn diese zum GrĂ¶ĂŸtenteil aus Sympathisanten besteht. Solche Verhör- und Durchsuchungstaktiken sind nur personalintensiv. GrundsĂ€tzlich hat die Bundeswehr in Nordafghanistan in erster Linie ein Personalproblem. FĂŒr eine erfolgreiche AufstandsbekĂ€mpfung hat sie zuwenig Mann/Frau vor Ort. Deswegen kommen ja auch 5000 US-Soldaten dorthin. Erst dann dĂŒrfte eine effektive AufstandsbekĂ€mpfung möglich sein.

    Dass die Bundeswehr zuwenig Personal vor Ort hat, hĂ€ngt wiederum mit der Nicht-zum-Krieg-ErklĂ€rung des Einsatzes zusammen. Solange man nicht bereit ist diesen Einsatz zum Kriegseinsatz zu erklĂ€ren, ist man auch nicht bereit die friedenerzwingende Mission unter allen UmstĂ€nden durchzufĂŒhren. Dies setzt allerdings auch eine entsprechende AufklĂ€rung der Öffentlichkeit voraus. Dies ist meines Erachtens auch eine Aufgabe der FĂŒhrungsspitze der Bundeswehr, die in dieser Hinsicht vollstĂ€ndig versagt hat.

    Qualitativ fehlen der Bundeswehr hauptsĂ€chlich Hubschrauber zum schnellen Ortswechsel. Und zwar Kampf-, Transport- und SanitĂ€ts-Hubschrauber. Dies setzt jedoch ebenfalls eine Erhöhung der MannschaftsstĂ€rke voraus. Warum man sich nicht von den Franzosen 5 – 10 Eurocopter Tiger HAP Kampfhubschrauber mit 30mm GIAT-BordgeschĂŒtz am drehbaren Kinnturm ausgeliehen/geleast hat, ist mir schleierhaft. Das entsprechende deutsche BordgeschĂŒtz RMK 30 ist bislang nicht einsatzbereit.

    • afghanistanblog on 13/04/2010 at 16:08

      Das ist das Grundproblem: AFG ist zu komplex, man kann nicht ein Problem nach dem anderen lösen – hat man vielleicht das eine bewĂ€ltigt, tun sich drei neue auf. Ist es die Gesamtkoordination, die fehlt? Im Übrigen braucht man die Gesamtproblematik als Diskussionsgrundlage, sonst dreht man sich in der Debatte nur im Kreis….

  11. Frederik on 13/04/2010 at 12:17

    Ich wuerde gerne hinzufuegen, dass eine strategische Bedeutung des RC North auch die Versorgungswege von und nach Tajikistan sind. Da der Weg nach Pakistan immer gefaehrlicher fuer die Versorgungskonvois wird, bekommt die Route nach Norden groessere strategische Bedeutung. Das mag auch ein Grund fuer die Entsendung von mehr US Soldaten ins RC North sein.

    Zum Thema der schweren Waffen waere es vielleicht hilfreich, sich die Lehren aus anderen counter-insurgency (COIN) Operationen anzusehen. Da kann man lesen, dass Waffengewalt so gut es geht vermieden werden soll. Daher scheint der Wunsch nach mehr Feuerkraft aus soldatischer Sicht verstaendlich, im Sinne des Erfolges der Gesamtoperation jedoch kontraproduktiv. Wie effektiv Kampfpanzer in einer COIN sind, kann man uebrigens gut auf youtube studieren.

    Die Erfahrungen der Combined Action Platoons in Vietnam, der Massnahmen der Briten in Malaya, aber auch z.B. der Franzosen in 2001/2002 in AFG koennten auch auf die Notwendigkeit hinweisen, kleine Trupps von Soldaten in den Doerfern einzuquartieren.

    Grundsaetzlich kann man feststellen, dass die richtigen COIN-Massnahmen relativ unbestritten sind, sich allerdings aufgrund der politischen Massgaben und der Struktur und Philosophie westlicher Armeen nur schwer durchfuehren lassen.

    Als Beispiel sei hier die Entwicklung noerdlich von Baghdad angefuehrt, wo die Marines 2004 ihren Bereich erfolgreich befriedet haben. Als sie aber von der 4. Infanterie Division unter Gen. Odierno abgeloest wurde, wurde damit auch Strategie geaendert, mit dem Erfolg, dass sich die Sicherheitslage rapide verschlechterte. Odierno vertrat im Gegensatz zu den Marines die Ansicht, dass nicht die Einbettung der eigenen Truppen in die lokale Bevoelkerung, sondern die Eleminierung des Gegners zielfuehrend sei.

    Zuletzt noch eine Frage: woher haben Sie die Informationen, dass tadjikische Soeldner im Norden kaempfen, die „sich vor dem Kampf mit Adrenalin vollpumpen“? Falls Sie damit internationale Djihadis meinen, finde ich den Ausdruck Soeldner unzutreffend. Die PBS doku „Behind Taliban Lines“ ist in diesem Zusammenhang sehr aufschlussreich.

  12. Politikverdruss on 13/04/2010 at 13:02

    Die SchwÀchen der deutschen Sicherheitspolitik sehe ich auf folgenden Feldern:

    Die deutsche Sicherheitspolitik schwankt auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung zwischen parteipolitischer Machtorientierung, ZurĂŒckhaltung und Opportunismus. Der von mir sonst nicht so geschĂ€tzte Historiker K.Naumann spricht von einer Sicherheitspolitik, die“ an die Stelle einer strategischen Logik der Zwecke eine taktische Politik der Vorbehalte“ setzt. Was nĂŒtzt es, wenn vom Krieg geredet wird, aber der Mut fehlt, danach zu entscheiden und zu handeln.

    Deutschland hat keine nationale Sicherheitsstrategie. Das aus 2006 stammende Weißbuch enthĂ€lt mal gerade auf einer Seite Werte, Interessen und Ziele deutscher Sicherheitspolitik. Aber es entstammt dem Verteidigungsministerium und nicht dem Bundeskanzleramt. Eine nationale Sicherheitsstrategie ist Sache der politischen FĂŒhrung eines Landes. Dazu fehlte es dieser bis heute der Mut, klare sicherheitspolitische Positionen zu beziehen. So behalf man sich weiter mit einer „Verteidigung am Hindukusch“ und schwankt derzeit zwischen BĂŒndnissolidaritĂ€t und dem „Volkswillen“, die deutschen ISAF-KrĂ€fte möglichst schnell abzuziehen.

    Damit sind wir bei unseren politischen Eliten. Sie erwecken auch weiterhin nicht den Eindruck, als könnten sie den parteipolitischen Versuchungen des unbedingten Macherhalts widerstehen. Die Forderung des Parteivorsitzenden der SPD nach neuer Mandatsabstimmung ist so ein abstoßendes Beispiel, das fĂŒr alle Parteien gilt und so sehr Ursache einer grĂ¶ĂŸer werdenden Politikverdrossenheit ist. Wie soll in einem derart schwankenden politischem Umfeld eine nationale Sicherheitsstrategie entstehen? Und da man keine Strategie hat, ist man auch nicht in der Lage, strategische Interessen fĂŒr den nationalen Afghanistaneinsatz zu formulieren.

    Das Instrument nationaler Sicherheitspolitik, die Bundeswehr, ist in ihren Strukturen, Mitteln und EinsatzgrundsĂ€tzen Spiegelbild all dieser SchwĂ€chen deutscher Politik. Eine Organisationsstruktur, die, kaum eingenommen, schon wieder hinfĂ€llig ist. Eine GeneralitĂ€t, die den Frieden immer noch als Ernstfall betrachtet und mit dem Ernstfall Afghanistan nicht zurechtkommt. Und eine Armee, die ĂŒberwiegend nur ĂŒber nicht einsatzbereite, veraltete oder untaugliche Waffensysteme verfĂŒgt.

    Und schließlich die Soldaten im Afghanistankrieg. Sie mĂŒssen all dies tragen. Den menschenverachtenden Fanatismus ihrer Gegner, die Ignoranz ihrer politischen und militĂ€rischen FĂŒhrung und das „freundliche Desinteresse ihrer MitbĂŒrger.“ Hut ab!

  13. StFwdR on 13/04/2010 at 13:22

    @Belzer

    „Das Grundproblem des Bundeswehreinsatzes ist die jahrelange falsche Deklarartion dieses Mandats als friedenserhaltende und nicht friedenserzwingende Mission, was sicher auch der Deutschen Geschichte geschuldet ist. Bekanntlich hat Deutschland 2 Weltkriege ausgelöst.

    Das Grundproblem der Bundeswehr in Afghanistan ist auch weniger ein qualitatives, als ein quantitatives. AufstandsbekÀmpfung (Counterinsurgency) erfordert eher eine polizeiliche, als eine militÀrische Herangehensweise.

    Das erklĂ€ren Sie mal den Polizisten die jetzt verstĂ€rkt nach Afghanistan in den Einsatz sollen 🙂

  14. Peter on 13/04/2010 at 14:24

    Lieber Boris,

    da haben Sie sich aber ausgetobt.

    Fangen wir mal mit der Feindlage an. PrimĂ€rer Feind fĂŒr uns sind die Taliban. Warlords, DrogenhĂ€ndler und sonstige organisierte Kriminelle lassen wir mal außen vor. Unseren Feind zu verorten ist relativ simpel, da er sich schwerpunktmĂ€ĂŸig im Umfeld der Paschtunen bewegt. VerstĂ€rkt und unterstĂŒtzt noch durch auslĂ€ndische Terroristen. Deutlich gezeigt hat sich diese Abgrenzung bei den Reaktionen der Bevölkerung nach dem Bombardement der Tanker in Kunduz. Dennoch dĂŒrfte es „die Strategie“, die fĂŒr alles und jeden Fall der SchlĂŒssel zum Erfolg ist, nicht geben. Selbst unter den Paschtunen dĂŒrfte die Interessenlage von SĂŒd nach Nord ziemlich differieren. Der Kommandeur vor Ort brĂ€uchte also eine wesentlich grĂ¶ĂŸere Entscheidungsfreiheit bezĂŒglich seines Vorgehens. Schon seit Jahrtausenden ist das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche erfolgreich. Der örtliche FĂŒhrer muss also erkunden womit er die Bevölkerung fĂŒr sich gewinnen kann, aber auch unerbittlich zurĂŒckschlagen, wenn seine Truppe bedroht wird. Pauschal wird da gar nichts gehen. Leider hat sich ein Trend weg von der Auftragstaktik und hin zur FĂŒhrung von oben gebildet mit dem Zweck keine Verantwortung ĂŒbernehmen zu mĂŒssen oder auch andersherum von der FĂŒhrung her, die vollstĂ€ndige Kontrolle auszuĂŒben. Hier ist eine RĂŒckkehr erforderlich, was aber auch bedeutet, dass man Kommandeuren wie Oberst Klein den RĂŒcken frei halten muss.

    Eines der wesentlichen Probleme beim Einsatz schwerer Waffen dĂŒrfte die Mandatsobergrenze sein. Ein Panzerkompanie bzw. eine Batterie PzH 2000 zieht einen ziemlichen Rattenschwanz an Instandsetzung und Versorgung nach sich. Wer kann dafĂŒr abgezogen werden? Entweder Ă€ndert man dann die Personalgrenze oder verzichtet auf die BĂŒrokratie. Beides stelle ich mir ziemlich schwierig vor. Hinzu kommen natĂŒrlich die Kosten, die ausgerechnet dann anfallen, wenn allgemeines Sparen angesagt ist. Die Bundeswehr ist schließlich nicht Griechenland. 

    Nachvollziehbar ist, dass der Leo II fĂŒr den Einsatz in Kunduz und Feyzabad gelĂ€ndebedingt nicht geeignet ist. In Mazar-e-Sharif sehe ich das anders. Der Einsatz der PhZ 2000 ist in Kunduz lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig. Die Zwischenlösung mit Mörsern ist unbefriedigend. Die PrĂ€zision einer geĂŒbten Besatzung ist auch ausreichend um KollateralschĂ€den zu vermeiden. Bei der Bewertung der Wirkung auf die Bevölkerung werden interessanter Weise wieder einmal deutsche MaßstĂ€be angelegt. Außerdem dĂŒrfte diese unterschiedlich sein. In paschtunischen Gebieten könnten gepanzerte KrĂ€fte als Besatzer betrachtet werden und in Gegenden mit anderen Ethnien als ernsthafter Schutz. Auch in solchen Fragen sollte die Entscheidung dem zustĂ€ndigen Kommandeur vorbehalten sein.

    Es gibt auch die Argumentation, dass Kampfpanzer als Hochwertziele Angriffe auf sich ziehen wĂŒrden. Es muss aber kein Nachteil sein, wenn man weiß, wo sich der Feind einfinden wird. Die zur BekĂ€mpfung von KPz erforderlichen grĂ¶ĂŸeren Sprengfallen haben fĂŒr den Angreifer auch Nachteile. Sein Aufwand wird grĂ¶ĂŸer und damit auffĂ€lliger. Durch Kampfhubschrauber und Predator wurden schon öfter Trupps der Taliban vernichtet, die zu lange fĂŒr ihre Falle gebraucht haben. Die entscheidende Frage ist also, ob ich in der Lage bin das GelĂ€nde entsprechend lĂŒckenlos zu ĂŒberwachen, wo meine KPz operieren sollen. 60 Tonnen Stahl sind auch ein Argument, dem die Taliban nicht viel entgegen zu setzen haben. Das damit verbundene GefĂŒhl der Hilflosigkeit wird auch eine nachhaltige Wirkung auf die Moral besonders der Gelegenheitstaliban haben.

    Außerdem wĂŒrde der Einsatz von KPz eine mĂ€ĂŸigende Wirkung auf Leute wie Dostum haben. Dessen Selbstbewusstsein basiert auch darauf, dass er eben viele Panzer und Artillerie hat. Zwar nur veraltete Modelle russischer Bauart aber immer noch besser als ohne alles wie unsere Truppen. Ein paar Leo II wĂŒrden diese Panzertruppe mit T54 sofort zum Schrotthaufen degradieren.

    Ein wirklicher Mangel, dem nicht adhoc abgeholfen werden kann ist die fehlende HubschrauberkapazitĂ€t. Der NH 90 ist genauso wie der Tiger noch nicht ausgereift. Beide Modelle wĂ€ren im Einsatz also mit unwĂ€gbaren Risiken verbunden. Weitere CH 53 mĂŒssten erst nachgerĂŒstet werden, was im Haushaltsplan meines Wissens nach nicht berĂŒcksichtigt ist und auch so wahrscheinlich ein Jahr in Anspruch nehmen wĂŒrde. Dazu fehlen natĂŒrlich auch noch ausgebildete Besatzungen. Aber wir wollen ja auch noch etwas am Hindukusch bleiben.

  15. Gruendlich on 13/04/2010 at 14:32

    Wo die Pfade zwischen den erfahrenen VerbĂŒndeten und den unerfahrenen (also uns) divergieren ist in meinen Augen die operative Umsetzung dieser neuen Strategie. Was heißt „PrĂ€senz in der FlĂ€che“ und „Partnering“ denn konkret? Wir benötigen meines Erachtens eine Reihe von operativen GrundsĂ€tzen die JEDER Soldat befolgen muss, etwas im Sinne von: http://usacac.army.mil/cac2/COIN/repository/28_Articles_of_COIN-Kilcullen%28Mar06%29.pdf

    Wie Herr Barschow bereits richtig gesagt hat: es ist unklar ob die Operationen in Chahar Darreh, etwa die Höhe 431, Ausdruck einer konkreten, durchdachten Umsetzung einer neuen Strategie sind oder ob man einfach irgendetwas macht, um nicht tatenlos rumzusitzen.

    Damit zusammen hĂ€ngt m.E. auch die verfehlte öffentliche Debatte: wenn niemand, kein Politiker, kein Journalist weiß, wie die deutschen Soldaten operativ handeln SOLLTEN, drehen sich die Debatten auch nur um Haubitzen, Hubschrauber und Dingos. Zwar sind das alles nĂŒtzliche Dinge, aber keinesfalls essentielle Dinge. Man muss bedenken, dass der Taliban nur mit Kalaschnikow und RPG bewaffnet ist. Oder nochmal mit Kilcullen gesgat: „Fight the enemy’s strategy, not his forces.“

  16. StFwdR on 13/04/2010 at 16:18

    @Peter

    Personalobergrenze ??

    Eine Panzerkompanie hat ~ 55 Soldaten ein Bataillon ~ 500 Soldaten incl. Logistikkomponente 😉

    Zumindest fĂŒr die Region Kunduz sehe ich die Möglichkeiten fĂŒr Leoparden durchaus gegeben, wobei ich mich ausdrĂŒcklich nur auf Karten und Google Earth beziehen kann, vielleicht wĂŒrde mich der „Blick ins GelĂ€nde“ zu einer andern Erkenntniss gelangen lassen. Deshalb hier schon mal meine Frage an die Kenner der Geographie.
    TragfĂ€higkeit von BrĂŒcken und Strassennetz sind fĂŒr mich kein stichhaltiges Argument und der Einwand dem Bauern die Ernte zu zerstören ist auch Blödsinn.

    Das es kein optimales GelĂ€nde fĂŒr die Operationen mit stark gepanzerten KrĂ€ften ist sollte einen Einsatz nicht ausschließen.

    Die Beschreibung der psychologischen und der militÀrischen Wirkung ist zutreffend, die Wirkung auf die Kampfmoral der einegen und ANSF-KrÀfte ist realitÀtsnah im QRF3-Bericht nachzulesen.

    In der Tat ist es in die Hand des Kommandeurs vor Ort zu legen welche Waffensysteme er anfordert, aber so lange die Strategen in Berlin von vornherein alles abbĂŒgeln wird ein lokaler Kommandeur kaum eine derartige Forderung stellen 😉

  17. Thelamon on 13/04/2010 at 16:41

    Zur Entwicklung im RC North und zur Sinnhaftigkeit der Materialdebatte:

    A. Um der Frage gerecht zu werden, ob die Debatte um die Ausstattung der Bundeswehr in Afghanistan mit schweren Waffen in die politische/öffentliche Diskussion gehört und ob sich all jene Politiker der „Inkompetenz“ verdĂ€chtig machen, die sich hierzu Ă€ußern, muss man den Soll- und den Ist-Zustand eines Bundeswehreinsatzes vergleichen.

    I. Idealfall:

    1. Die Politik legt den Auftrag in Form des Bundestagsmandates fest (Entwurf Antragstext).

    2. Die militĂ€rische FĂŒhrung erarbeitet anhand dieser Vorgabe die zur Umsetzung des Auftrages erforderliche Strategie, ermittelt den zur Umsetzung der Strategie erforderlichen Truppenumfang und die nötige AusrĂŒstung und optimiert die taktischen Verfahren in Bezug auf die einsatzspezifischen Notwendigkeiten. Die militĂ€rische FĂŒhrung informiert die Politik auch ĂŒber FĂ€higkeitslĂŒcken in der AusrĂŒstung und erarbeitet ein Konzept zur kurzfristigen Schließung der dringendsten LĂŒcken (z.B. durch Ausleihen oder Leasing von Waffensystemen von VerbĂŒnden oder durch kurzfristige Beschaffung von marktverfĂŒgbaren (COTS) Systemen. (Musterbeispiele: Kanada – kurzfristige Ausleihe von deutschen Panzern fĂŒr den Einsatz, oder die Niederlande mit geleasten Apache Kampfhubschraubern in Afghanistan.)

    3. Die Politik entscheidet daraufhin darĂŒber, ob die Forderung der militĂ€rischen FĂŒhrung vollumfĂ€nglich umgesetzt werden kann (Finanzierbarkeit, politische Durchsetzbarkeit, etc.), oder ob Abstriche gemacht werden mĂŒssen. Insbesondere sorgt die Politik dafĂŒr, dass klare und weitreichende rechtlichen Grundlagen und Einsatzregeln den Soldaten ein wirksames Handeln ermöglichen. Rechtliche Unklarheiten werden durch die Politik im Vorfeld des Einsatzes durch eindeutige gesetzliche Regelungen beseitigt. (EndgĂŒltiger Mandatstext inkl. TruppenstĂ€rke etc.)

    Die Politik muss ggf. auch verantworten, dass ihr ursprĂŒnglicher Auftrag nicht vollumfĂ€nglich erfĂŒllt werden kann.
    (Der Begriff „Politik“ wurde hier im Sinne von Bundesregierung und Parlamentsmehrheit verwendet.)

    II. RealitÀt:

    1. Deutsche Regierungen schließen sich – so auch bei ISAF – regelmĂ€ĂŸig aufgrund außen-/ bĂŒndnispolitischer ZwĂ€nge internationalen MilitĂ€raktionen an, ohne ĂŒber klar definierte nationale Interessen zu entscheiden oder selber einen realistischen Auftrag zu formulieren. Dabei steht stets die Abneigung gegenĂŒber jeglichem Einsatz militĂ€rischer Mittel im Vordergrund – das gibt ja schließlich schlechte Umfragewerte.

    Wenn dann der Druck der VerbĂŒndeten, die UnterstĂŒtzung von Deutschland einfordern, zu groß wird, wird stets nach möglichst unverfĂ€nglichen BeitrĂ€gen zur Beruhigung der VerbĂŒndeten gesucht, die beim BĂŒrger vermeintlich leicht zu verkaufen sind.

    So wird dann jeweils ein schwammiges Mandat gestrickt, das von Anfang an gar nicht als klarer Auftrag fĂŒr die Bundeswehr gedacht ist.

    2. Viel schlimmer noch: Die eigentlich von der militĂ€rischen FĂŒhrung zu ermittelnde TruppenstĂ€rke und Bewaffnung wird auch gleich nach politischen Kriterien mitentschieden. Regel: Immer eine griffige runde Zahl an Soldaten (aber bitte nicht zu hoch!) und bitte keine Waffensysteme, die irgendwie nach Krieg aussehen. Auch die Einsatzregeln werden erst einmal so eingeschrĂ€nkt, dass „kein Blut an deutschen HĂ€nden kleben wird“.
    Die ErfĂŒllung eines Auftrages ist ĂŒberhaupt nicht das Ziel – dabei sein ist alles.

    a) Als Beispiel fĂŒr diese Schieflage können die ersten Jahre der deutschen ISAF-Mission herangezogen werden: Die deutschen Kontingente verfĂŒgte außer den Schutzkompanien (zur Sicherung des Umfeldes der Feldlager) praktisch ĂŒber keine Kampftruppen zur DurchfĂŒhrung des eigentlichen militĂ€rischen Kernauftrages

    (Bundestags Drucksache 17/654):
    „4. Auftrag
    GemĂ€ĂŸ Sicherheitsratsresolution 1890 (2009) vom 8. Oktober 2009 hat der ISAF Einsatz unverĂ€ndert zum Ziel, Afghanistan bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit so zu unterstĂŒtzen, dass sowohl die afghanischen Staatsorgane als auch das Personal der Vereinten Nationen und anderes internationales Zivilpersonal, insbesondere solches, das dem Wiederaufbau und humanitĂ€ren Aufgaben nachgeht, in einem sicheren Umfeld arbeiten können.
    Im Rahmen des ISAF-Einsatzes ergeben sich daraus fĂŒr die Bundeswehr insbesondere folgenden Aufgaben:
    – UnterstĂŒtzung der Regierung von Afghanistan bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit, auch und besonders zum Schutz der Bevölkerung.“

    Der Wiederaufbau ist nicht Aufgabe der Bundeswehr – sie soll ihn militĂ€risch sichern! Dazu gehört zunĂ€chst die Schaffung eines sicheren Umfeldes durch Vertreibung gegnerischer KrĂ€fte und danach der Erhalt der Sicherheit durch PrĂ€senz in der FlĂ€che (clear – hold – build).

    Die vorhandenen deutschen KrÀfte der ersten Jahre hÀtten hierzu allerdings gar keine Möglichkeit gehabt.
    Das einzige durchsetzungsfĂ€hige Manöverelement im gesamten RC North stellten die Norweger mit ihrem QRF Bataillon, das praktisch die Drecksarbeit fĂŒr die Deutschen machen musste.

    Überdies waren die deutschen Soldaten durch unsinnig beschrĂ€nkte Einsatzregeln (RoE) und nationale „caveats“ („Ausnahmen/Ausreden“) bei ISAF faktisch an der DurchfĂŒhrung des militĂ€rischen Kernauftrages (s.o.) gehindert.

    b.) Ein plastisches Beispiel fĂŒr die Verlogenheit deutscher Politik bei der Bestimmung der Waffensysteme ist der Einsatz der Deutschen AufklĂ€rungsflugzeuge vom Typ Tornado.

    Als die Forderung der VerbĂŒndeten nach mehr UnterstĂŒtzung durch Deutschland nicht mehr ignoriert werden konnte, kam man auf ein weiteres „weiches“ Waffensystem, dass dem deutschen WĂ€hler gut zu verkaufen war: der Recce-Tornado.
    Diese Flugzeuge wurden/ werden quasi als doppeltes
    Placebo verwendet:

    (1) FĂŒr den WĂ€hler „die schießen ja nur Photos“ und

    (2) fĂŒr die VerbĂŒndeten, denn als „Theatre-Asset“ kommen die Recce-Tornados in ganz Afghanistan zum Einsatz („Wer sagt eigentlich, dass wir nicht im SĂŒden und Osten helfen
“).
    Ob die VerbĂŒndeten davon viel halten, ist egal, Hauptsache die deutsche Politik hat eine unverfĂ€ngliche UnterstĂŒtzungsleistung geliefert.

    Richtig unschön wird die Sache allerdings, wenn man sich hierbei mit den Deutschen Ausreden und Leistungsverweigerungen beschÀftigt:

    WĂ€hrend bedrĂ€ngte deutsche Truppen in den letzten Jahren immer hĂ€ufiger zum Schutz ihres Lebens LuftunterstĂŒtzung von alliierten Jagdbombern anfordern mussten (gestellt von den USA, England, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Belgien etc.), schrieben unsere Abgeordneten eine weitere Ausrede ins Bundestagsmandat:

    „Die AufklĂ€rungsflugzeuge werden aufgrund ihres Auftrages und ihrer Ausstattung fĂŒr AufklĂ€rungszwecke eingesetzt. Sie werden nicht zur LuftnahunterstĂŒtzung CAS („Close Air Support“) herangezogen.“

    Vor dem Hintergrund das die „Recce-Tornados“ schwere Jagdbomber sind, die allein durch das AnhĂ€ngen eines KamerabehĂ€lters (Recce-Pod) zum AufklĂ€rungsflugzeug werden, erscheint diese EinschrĂ€nkung geradezu grotesk. Einige SPD-Abgeordnete hatten sogar gefordert, dass die Tornados in Afghanistan ohne Munition fĂŒr ihre Bordkanonen zum Einsatz kommen.

    UnabhĂ€ngig von der technischen Frage, ob die deutschen Tornados „perfekt“ fĂŒr CAS geeignet sind (die meisten F-16, Mirage oder die britischen Tornados GR4 in Afghanistan sind auch nicht die „perfekten“ Erdkampfflugzeuge) sie sind aber dennoch rund um die Uhr fĂŒr ihre VerbĂŒndeten zum CAS im Einsatz.

    3. Die unglĂŒckliche und möglicherweise unmoralische Rolle der höheren militĂ€rischen FĂŒhrung:

    Die verantwortlichen GenerĂ€le, allen voran der ehemalige Generalinspekteur Schneiderhahn haben sich in den letzten Jahren in einem Umfang zum bloßen Handlanger der Politik machen lassen, der mit dem Primat der Politik nichts mehr zu tun hat.

    Die militĂ€rische FĂŒhrung hat das Fehlen eines klaren und erfĂŒllbaren Auftrages sowie die teilweise seit acht Jahren bestehenden gravierenden FĂ€higkeitslĂŒcken und AusrĂŒstungsmĂ€ngel bei der Afghanistan-Mission viel zu klaglos hingenommen, und sich – viel schlimmer noch – gegenĂŒber der militĂ€risch weitestgehend unkundigen Öffentlichkeit als Kronzeuge einer verfehlten RĂŒstungs- und Verteidigungspolitik in Anspruch nehmen lassen.
    Die MĂ€ngellisten der Kontingentberichte sind lang und gravierend. Zahlreiche kritische MĂ€ngel bestehen seit Jahren fort.

    Auch auf die verschlechterte Sicherheitslage im deutschen Verantwortungsbereich (RC North) wurde viel zu spÀt und mit viel zu geringem KrÀfteansatz reagiert.

    Wenn z.B. heute fĂŒr die deutschen Soldaten in Kundus bereits wenige Kilometer vom Feldlager entfernt die Kampfzone beginnt, dann liegt das auch daran, dass die rechtzeitig von den Kommandeuren angeforderte VerstĂ€rkung um Jahre zu spĂ€t kam. Und daran, dass die Soldaten aufgrund von RegelbeschrĂ€nkungen nicht aktiv tĂ€tig werden durften, als es noch leichter möglich war.

    GenerÀle, die sich angesichts dieser Schwierigkeiten und angesichts der veröffentlichten Berichte ihrer Kommandeure vor Ort vor die Presse stellen und nach Vorgabe der Politik aufsagen:

    „Unsere Soldaten sind optimal ausgebildet.“

    „Unsere Soldaten sind optimal ausgerĂŒstet.“

    „Unsere Kommandeure vor Ort erhalten die Waffensysteme und KrĂ€fte, die sie anfordern.“

    werden ihrer FĂŒrsorgepflicht gegenĂŒber ihren Soldaten nicht gerecht!

    Es gehört zu den Pflichten der militĂ€rischen FĂŒhrung, ihre Soldaten vor den BlĂŒten politischer RealitĂ€tsverweigerung zu bewahren!

    Mit dem Wechsel im BMVg und einem neuen GI hatte ich kurz Hoffnung auf Besserung. In der letzten Woche zeigten aber der neue GI und General Glatz, dass es auf Wunsch der Kanzlerin weitergeht wie gehabt: „Es wurde dazu in letzter Zeit viel Inkompetentes gesagt.“ (zum Wunsch nach schweren Waffen fĂŒr Afghanistan) und selbstverstĂ€ndlich sind die Soldaten optimal ausgerĂŒstet und ausgebildet und die Kommandeure erhalten, was sie anfordern, etc. 


    General Wieker hĂ€tte hier die Chance zu mehr Klarheit und Wahrheit gehabt. Ganz im Sinne des Credos seines Chefs. Jeder hĂ€tte ihm dann beim Abstellen der MĂ€ngel gutes Gelingen gewĂŒnscht.

    Und ehrlich gesagt: Ich habe zum Thema Kampfpanzer bisher nur inkompetente und haarstrĂ€ubende GrĂŒnde fĂŒr die Ablehnung des Einsatzes gehört. Herr Nachtwei hat sich zu diesem Thema auch nicht gerade fachmĂ€nnisch geĂ€ußert (was fĂŒr ihn eigentlich untypisch ist). Eventuell gibt es wirklich zwingende GrĂŒnde gegen den Einsatz von Kampfpanzern – sie wurden bisher aber nicht öffentlich dargelegt.

    III. Fazit:

    Solange unsere militĂ€rische FĂŒhrung ohne RĂŒckgrat aufsagt, was die Politik hören möchte, ist eine öffentliche und politische Diskussion um AusrĂŒstungsmĂ€ngel, erforderliche Waffensysteme und verbesserte Einsatzregeln dringend erforderlich.

    Es dĂŒrfte auch kein Zufall sein, dass in letzter Zeit vermehrt Kontingentberichte und andere MĂ€ngellisten an die Öffentlichkeit gelangen und Kommandeure vor Ort eindeutige Stellungnahmen gegenĂŒber der Presse abgeben. Die FĂŒhrer aus der Truppe haben offenbar gelernt, dass diese Berichte auf dem Dienstweg bestenfalls in einer Schublade der karrierestrebenden (Polit-)GeneralitĂ€t landen.

    Wenn sich nun gegenwĂ€rtige und kĂŒnftige Wehrbeauftragte zum Thema Ă€ußern, geschieht dies auch sicher nicht als Stammtischstratege, sondern weil diese die Erkenntnisse und Forderungen aus der Truppe weitergeben.

    PS
    Teil B (Materialdebatte folgt ggf. spĂ€ter 😉

  18. Hans-Heinrich Dieter on 13/04/2010 at 17:03

    Die Geschichte unseres Afghanistan-Engagements ist anschaulich beschrieben, die derzeitige Lage im Raum Kunduz, bzw. RC North ist verstĂ€ndlich dargestellt, die Probleme sind plausibel analysiert und es werden durchaus die richtigen Fragen gestellt. MitgefĂŒhl, Interesse und Engagement fĂŒr unsere Soldaten werden erfreulich deutlich. Danke dafĂŒr!
    Es wird aber auch eine SchwĂ€che der Diskussion – auch in diesem Blog – sehr offensichtlich, nĂ€mlich das engagierte Verlieren in kleinteilige taktische Fragestellungen, die ohne detaillierte Kenntnis der militĂ€rischen Rahmenbedingungen der AuftragserfĂŒllung vom heimischen Computer nicht seriös und zufriedenstellend beantwortet werden können. Nach meiner Überzeugung sollte man sich auf die Diskussion sicherheitspolitischer Fragen beschrĂ€nken, und da bleibt fĂŒr engagierte StaatsbĂŒrger genug Raum.
    Ich habe das auf meiner Website zu den aktuellen Lageentwicklungen getan. Bei Interesse können Sie ja mal reinschauen:
    http://www.md-office-compact.de/GefechteinAfghanistan.htm und
    http://www.md-office-compact.de/Krieg-oderNicht-Krieg.htm

    • PhoenixTwoSix on 13/04/2010 at 20:56

      Sehr geehrter Herr Dieter,

      gerne können Sie sich auf die sicherheitspolitische Diskussion beschrĂ€nken. Die aktuelle Generation an GenerĂ€len und Obersten tut dies auch. Jede Diskussion innerhalb der Bundeswehr auf einer handwerklich relevanten Ebene wird als „kleinteilig“, „zu taktisch“, „nicht ebenengerecht“ oder meist einfach nur als zu detailiert abgewĂŒrgt. Anschließend werden einseitige Vorlagen ohne Inhalt hin und her geschoben und im kleinen Kreis einsame Entscheidungen getroffen. Neuerungen halten von oben her Einzug und wen stört es den da schon wenn die Kompanien zu kurz kommen. Jede Stelle im BMVg oder den höhernen Kommandobehörden ist doch offenkundig wichtiger als der Feldwebel oder die Mannschafter in der Kompanie.

      Gerade in KDZ holt uns aber alle die RealitĂ€t ein, dort sind die kleinen Dinge die einzig relevanten. Dort ist es vollkommen unwichtig wieso wir dort sind. Dort geht es darum einen Auftrag zu erfĂŒllen und möglichst viele wieder heil nach Hause zu bringen. Auch wenn die Sachkenntniss in DEU zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€ĂŸt, so verbietet dies doch nicht die Diskussion. Die WissenslĂŒcken der anderen lassen sich dorch durch Augenzeugen wie u.a. den Gastgeber dieses Webblogs aber auch von vielen anderen mehr ausgleichen. Am Ende haben wir alle mehr als wir vorher hatten.

      Bitte Hr. Dieter gönnen sie uns und sich die Diskussion auf kleintilig, taktischem Niveau. Dort passieren die wichtigen Dinge, nicht zwischen Bonn, Berlin und Koblenz. Nehmen Sie sich die Zeit auch in die Tiefe zu gehen und helfen Sie mit das Dilemma Einsatz Bundeswehr fĂŒr alle nĂ€her zu beleuchten.

      • StFwdR on 14/04/2010 at 20:54

        Das hĂ€tte ich nicht besser formulieren können, Danke. 😉

        Und gerade in einem kriegerischen Umfeld sind es die Kleinigkeiten die ĂŒber Tod und Leben entscheiden, nicht die Farbe auf der Lagekarte oder die ASU der Fahrzeuge. 🙁

  19. Georg on 13/04/2010 at 18:39

    Nachdem jetzt die große Schar der Blogger in die politische. strategische, taktische und AusrĂŒstungs/Ausbildungsplanung eingestiegen ist, habe ich eine ganz bescheidene Frage mit der Bitte um eine einfache, nachvollziehbare Antwort.
    Also eine fĂŒr „Lieschen MĂŒller“ und „Otto Normalverbraucher“.

    Zur Zeit fallen 5-10 westliche Soldaten pro Woche in AFG. ca. 100 werden verletzt, z.T. lebensgefÀhrlich oder mit einer dauerhaften BeeintrÀchtigung. Es werden Milliarden von Dollar und Euros in AFG versenkt. Was soll das bringen ?

    Wo und wie ist unsere Sicherheit bedroht, das diese Opfer gerechtfertigt sind ?

    Solange dies keiner nachvollziehbar erklĂ€ren kann, halte ich es mit Bismarck, wonach „der Balkan, nicht die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert sei“, nur das ich Balkan mit AFG austausche !

  20. Politikverdruss on 13/04/2010 at 18:48

    Wenn eine Armee sich in einem Krieg ohne kriegstaugliche AusrĂŒstung, mit zuwenig Kampftruppen und unklarem Auftrag behaupten muss, dann treten natĂŒrlich auch Fragen, die man als „taktisch kleinteilig“ bezeichnen kann, in den den Mittelpunkt der Diskussionen.

    Die dann aus der theoretischen Ferne gefĂŒhrten Diskussionen mögen aufgrund ihrer Theorielastigkeit nur von geringer Bedeutung sein. Gleichwohl halte ich sie fĂŒr wichtig. Sie befeuern eine lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Debatte ĂŒber die deutsche Sicherheitspolitik, vermindern das „freundliche Desinteresse“ breiter Bevölkerungsschichten und zeigen ideologisch einseitig ausgerichteten KrĂ€ften, dass man ihnen nicht das Feld ĂŒberlassen wird. Ich jedenfalls werde es nicht Herrn Nachtwei ĂŒberlassen, ĂŒber die Sinnhaftigkeit des Leopard-II-Einsatz in Afghanistan zu befinden.

  21. Christof on 13/04/2010 at 18:49

    Jemand hatte die Äußerungen des SPD-Vorsitzenden angefĂŒhrt, O-Ton: „Einem Krieg hĂ€tten wir nie zugestimmt“. Dass eine solche Äußerung vom Vorsitzenden der ehemaligen Volkspartei kommt, die den Einsatz 2002 beschlossen hat, zeigt einmal mehr, wie geschmacklos auf dem RĂŒcken der Soldaten Parteipolitik gemacht wird. Seit wann sind TerrorismusbekĂ€mpfung und Wiederaufbau militĂ€rische Aufgaben? Wer die Taliban als Terroristen und die stĂ€ndigen Gefechte als AnschlĂ€ge bezeichnet will oder kann nicht die RealitĂ€t wahrnehmen und die ist schon seit lĂ€ngerem:

    [b]Wir beteiligen uns auf seiten der Regierung Karzai und diverser Warlords (ehemalige Nordallianz) an einem BĂŒrgerkrieg in Afghanistan![/b]

    Ich fĂŒrchte, es werden noch etliche Kameraden fallen, bis diese Wahrheit endlich durch die Politik kommuniziert werden wird. Wie lange mĂŒssen wir noch warten, bis darĂŒber und unsere dortigen Ziele und Interessen endlich eine ehrliche Debatte gefĂŒhrt werden wird?

  22. Stefan on 13/04/2010 at 19:21

    Sigmar Gabriel ist ein Populist erster GĂŒte, der so bequem in die Linkspartei passen wĂŒrde. Nichts was er sagt, kann man irgendwie ernst nehmen. Ähnliche vollkommen idiotische Äußerungen gab er z.B. nach dem Störfall im KKW KrĂŒmmel von sich. Und das als Umweltminister – also in einem Gebiet wo man vielleicht etwas mehr Sachverstand erwarten wĂŒrde.

  23. StFwdR on 13/04/2010 at 20:04

    @Christof
    Spitze Klammern dann klappts auch mit der Formatierung 😉

    @Georg

    – Opferzahlen 9/11
    – Opferzahlen London ?
    – Opferzahlen Madrid ?

    jeweils incl. SpÀtfolgen und wirtschaftliche Auswirkungen.

    Hinzukommen die mögliche Opfer durch die Sauerlandgruppe und dem vergeigten Bahnhofsanschlag.
    Wir haben in Deutschland bisher schlicht GlĂŒck gehabt.

    Wer angesichts der globalen ZusammenhĂ€nge des Terror`s immer noch der Meinung ist dies mit einem Mate-Tee zu regeln, der soll sich mal auf den Weg machen. 😉

    Wer meint Deutschland als Insel der Seeligen kann sich aus den BĂŒndnissverpflichtungen grußlos abmelden und autakt vor sich hin wurschteln, sollte sich mit den RealitĂ€ten sowohl wirtschaftlich als auch ökonomisch auseinandersetzen.

  24. Klaus on 13/04/2010 at 20:14

    @ Georg

    Sie haben es kurz und knapp auf den Punkt gebracht – Danke dafĂŒr!

    Die Soldaten vor Ort, insb. in Kunduz, hÀtten gerne nur diese Sorgen, wie sie hier bis ins Unendliche zerredet werden.
    Sie mĂŒssen mit dem, was ihnen zur VerfĂŒgung gestellt wird und was sie vor allem benutzen dĂŒrfen, versuchen, die Haut ihrer Kameraden und die eigene zu retten! Wer von mehr redet bzw. erwartet, hat immer noch nicht den RealitĂ€ten ins Auge gesehen.
    Bedanken darf man sich hierfĂŒr bei den politisch Verantwortlichen und bei denen in den eigenen Reihen, die immer noch nicht den Mund aufmachen und unbequeme Wahrheiten aussprechen, weil die Jacke nĂ€her ist als die Hose, da lĂ€sst man dann auch die Kameraden im Stich.
    Und die ignorante Gesellschaft macht sich mit ihrem Schweigen letztlich mitschuldig – nur in Umfragen dagegen sein, reicht nicht.

    FĂŒr eine öffentliche Demo reicht der Mumm nicht, also wĂ€hlt man „heimlich“ links, wie mir manch einer berichtet?

  25. Peter on 14/04/2010 at 09:47

    @StFwdR
    Ihre Berechnung der StĂ€rke eine PzBtl ist zwar richtig, aber nicht ganz vollstĂ€ndig. Nicht alle Instarbeiten können im Btl geleistet werden. Zum Transport von Munition, Treibstoff und Material wird eine zusĂ€tzliche Transportkomponente benötigt. Gerade bei den Entfernungen in AFG erfordert dies erhebliche KrĂ€fte, die auch wieder einem ĂŒberdurchschnittlichen Verschleiß unterliegen. Das VerhĂ€ltnis von 10:1 von UnterstĂŒtzern und KĂ€mpfern kommt nicht von ungefĂ€hr.

    Die rot-grĂŒne Regierung hat uns seiner Zeit in eine ZwickmĂŒhle gebracht. Es war nicht sinnvoll und notwendig in diesen Einsatz zu gehen. Auch nicht mit dem Hinweis auf BĂŒndnisverpflichtungen. Es gab seinerzeit genug nachvollziehbare GrĂŒnde fĂŒr unsere Partner, davon Abstand zu nehmen. Angefangen z.B. mit dem fehlenden strategischen Lufttransport. Mittlerweile stellt sich aber die Frage, ob ein RĂŒckzug nicht teurer wird. Entscheidend ist das Signal, welches wir den Islamisten damit geben. Leider gibt es noch viele BĂŒrger und Politiker, die die Ursache fĂŒr islamischen Terrorismus in westlichen Provokationen sehen. Sie verstehen nicht, dass dieser reiner Selbstzweck ist und sich die Terroristen nach Aufgabe des Kampffeldes in AFG andere Ziele suchen werden. Terrorismus ist ein SelbstlĂ€ufer und so lange wir die feindlichen KrĂ€fte in AFG binden kommen sie eben nicht nach Deutschland. Aus diesem Grunde sind auch alle bisherigen Verhandlungen gescheitert, weil das Wesen des Terrorismus nicht verstanden wurde.

  26. StFwdR on 14/04/2010 at 13:09

    @Peter

    Irgendwie kann ich Ihrer Argumentation nicht so recht folgen,

    Wir haben also unter rot – grĂŒn einen nicht sinnvollen Einsatz begonnen, den wir uns z.B. mit einem Hinweis auf fehlende LufttransportkapazitĂ€ten hĂ€tten entziehen können?
    Andererseits bedauern Sie das die, im ĂŒbrigen richtige, EinschĂ€tzung ĂŒber den internationalen Terrorismus noch nicht bei allen angekommen ist und es eigentlich besser ist diese feindlichen KrĂ€fte in Afghanistan zu binden und sie so daran zu hindern bei uns tĂ€tig zu werden?

    Hinsichtlich der Logistikkomponente solten wir uns darauf verstĂ€ndigen, das wo ein Wille auch ein Weg ist und im Zweifel können wir uns bei DĂ€nen und Canadiern erkundigen wie die es lösen 😉

    Merke : GEHT NICHT, GIBTS NICHT, sofern der politische Wille dazu vorhanden ist 😉

  27. Georg on 14/04/2010 at 19:36

    @ StFwdR

    Zitat: (als Reaktion auf meine oben gestellte Frage)

    – Opferzahlen 9/11
    – Opferzahlen London ?
    – Opferzahlen Madrid ?

    jeweils incl. SpÀtfolgen und wirtschaftliche Auswirkungen.

    Hinzukommen die mögliche Opfer durch die Sauerlandgruppe und dem vergeigten Bahnhofsanschlag.
    Wir haben in Deutschland bisher schlicht GlĂŒck gehabt.

    Wer angesichts der globalen ZusammenhÀnge des Terror`s immer noch der Meinung ist dies mit einem Mate-Tee zu regeln, der soll sich mal auf den Weg machen.

    Wer meint Deutschland als Insel der Seeligen kann sich aus den BĂŒndnissverpflichtungen grußlos abmelden und autakt vor sich hin wurschteln, sollte sich mit den RealitĂ€ten sowohl wirtschaftlich als auch ökonomisch auseinandersetzen.

    Zitatende

    Ich will versuchen die angerissenen Fragen aus meiner Sicht, nach meiner Meinung abzuarbeiten.

    Al Kaida und der weltweite islamische Terror ist mehr eine Dachorganisation, eine „Holding“ von verschiedenen nationalen Terrororganisationen, als eine Großorganisation

    – 09/11: waren 15 von 19 AttentĂ€ter Saudis

    – London: waren Briten pakistanischer Abstammung, radikalisiert in britischen Moscheen

    – Madrid: waren in Spanien lebende Einwanderer, mit algherischer und marokkanischer Abstammung, radikalisiert in spanischen Moscheen.

    – Sauerlandgruppe: waren deutsche Konvertiten, nach Radikalisierung in deutschen Moscheenvereinen (Neu-Ulm), milit. Grundausbildung in Trainingscamps in Pakistan (zum Zeitpunkt des Vorfall war dies noch kein Straftatbestand in Deutschland)

    – mißlungener Bahnhofsanschlag mit Bombe: waren in Deutschland lebende Libanesen, zum Studium nach Deutschland geschickt (Kiel), vorher im Libanon radikalisiert und in deutschen Moscheevereinen weiter radikalisiert.

    Eine gemeinsamer Punkt ist die Radikalisierung in jeweils inlÀndischen Moscheevereinen, bzw. radikalen islamistischen Gemeindebereichen.
    Also alle dieser TÀter waren einheimische, bzw im Inland wohnende TÀter, vom jeweiligen inlÀndischen Elementen radikalisiert.
    Die Terrorcamps liegen in Pakistan, werden also von uns im ISAF-Einsatz auch nicht bekÀmpft.

    Wo ist der Ansatzpunkt der BekÀmpfung ?

    Man muss diesen Bereichen den ideologischen Unterbau und den Nachwuchs entziehen. Dies geht am Besten mit einer Strategie der VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit unserer Aktionen (Tit for Tat, bitte googlen)

    Saudi Arabien und deren Staatsreligion des Wahabismus ist der weltweite ideologische Terrorexporteur No. 1
    Es bezahlt auch die islamistischen KĂ€mpfer in Tschetschenien u.a. mit einer ErfolgsprĂ€mie fĂŒr jeden getöten Gegner. Diese KĂ€mpfer sind jetzt laut Spiegel z.Teil nach Kundus abgewandert. Dies erklĂ€rt auch die Professionalisierung der gegnerischen KĂ€mpfer.

    Wo ist die „Containment“-Politik gegenĂŒber Saudi-Arabien und seiner aggresiven Ideologie ?

    In den letzten 20 Jahren waren die meisten MilitÀraktionen des Westen gegen muslimische LÀnder gerichtet. Helmut Schmidt erwÀhnte diesen Umstand bei der AFG-Diskussion der Atlantischen Gesellschaft an der Bw-Uni in HH.
    Also Somalia, Irak, Sudan Raketenangriffe, sogar die HumanitÀre Intervention in Bosnien wird als eine Aktion gegen die Muslime ausgelegt, weil die bosnischen Muslime die Hauptlast der Opfer der Balkankriege trugen.

    Also meiner Meinung nach mĂŒssen wir alles tun um diesen aggressiven Eroberungseindruck in den muslimischen LĂ€ndern zu vermeiden.
    Gleichzeitig mĂŒssen wir mit aller HĂ€rte und Konsequenz gegen inlĂ€ndische Islamisten vorgehen und eine offene Auseinandersetzung mit dem inlĂ€ndischen muslimischen Gemeinden fĂŒhren, bezĂŒglich Koran und Grundgesetz. Jedem inlĂ€ndischem Muslime muss klar sein, dass der Koran als staatliche Macht in westlichen Gesellschaften nicht durchsetzbar ist und somit verfassungsfeindlich ist.

    Falls von diesem Ziel offen oder verdeckt nicht abgelassen wird, dann muss im Extremfall ausgewiesen werden.

    Nachtrag zu den Opferzahlen:

    Wieviel Zivilpersonen wurden im Irak und in AFG von westlichen Truppen erschossen ?
    Hochzeitsgesellschaften, Tauffeiern und sonstige Familienfeiern sowie Reporter in Bagdad usw.
    Bitte mal aufsummieren und mit den Opfern von 09/11 gegenrechnen.

  28. StFwdR on 14/04/2010 at 20:46

    @Georg

    Das sich die radikalislamistischen Ideen auch bereits in Deutschland ausgebreitet haben macht die Sache nicht einfacher.

    Aber eine Abschottung ist schlicht nicht möglich und von daher obsolet. Ergo was bleibt zu tun?

    Es gibt immer einen Tropfen der das Fass zum ĂŒberlaufen bringt. In diesem Fall der zweite Anschlag auf das WTC 9/11. Die Spuren fĂŒhrten nun mal nach Afghanistan und zu AQ.

    Ob alles was danach gelaufen ist optimal und zielgerichtet war mag dahingestellt bleiben,der deutsche Beitrag allemal nicht, aber die Situation wird durch was wÀre wenn nicht besser.

    Eine RĂŒckkehr der Taliban fĂŒhrt zwangslĂ€ufig wieder dazu das in der Region ein weiterer RĂŒckzugsraum fĂŒr den Terror entsteht, das die unmittelbaren Nachbarn trotz ihres suboptimalen Regimes unter Druck geraten und auch dort fundamentalradikale KrĂ€fte die Kontrolle erlangen. Angesicht der atomaren Bewaffnung Pakistans und der regionalen Konflikte ein Alptraum.
    Und dann?
    Atomwaffen und letztendlich Technologie in der Hand radikalislamistischer Terroristen?

    Das wĂŒrde das Pulverfass zum Explodieren bringen, zumal Israel hier ebenfall eine unkalkulierbare GrĂ¶ĂŸe darstellt.

  29. Georg on 14/04/2010 at 21:09

    @StFwdR

    NatĂŒrlich ist eine Abschottung möglich, wenn man dem isamistischen Terror den Zulauf verrringert !

    Die Spuren von 09/11 fĂŒhren zu El Kaida, zu einem saudischen Prinzen der in Amerika als Botschafter residierte und selbstverstĂ€ndlich nach AFG.

    Mit der Operation OEF wurden die talibanische Regierung in AFG entfernt. RĂŒckzugsrĂ€ume des Terrors sind in erster Linie die ganzen Stammesgebiete in Pakistan. Die unmittelbaren und mittelbaren Nachbarn Afghanistan fĂŒhren ihre eigenen Interessen in AFG durch und geraten durch eine Beteiligung der Taliban an der afghanischen Regierung keineswegs unter Druck.

    Saudi Arabien finanziert schon heute ĂŒber Umwege den islamistischen Terror. Iran hat seine eigenen Interessen in AFG, auf jeden Fall wollen sie dort keinen westlichen Einfluss. China hat mit 4 Mrd $ Direktinvestionenen seinen Einflussbereich in AFG abgesteckt. Indien hat mit 1,2 Mrd $ Entwicklungshilfe und einer diplomatischen Großoffensive mit neuen Konsulaten und einer großen Botschaft ebenfalls seinen Einfluss in AFG drastisch vergrĂ¶ĂŸert.
    Aus dem gleichen Grund (Einflussnahme Indiens) unterstĂŒtzt Pakistan weiterhin die Taliban in AFG, damit die VerhĂ€ltnisse dort nicht zu stabil werden, damit der indische Einfluss in seinem geografischen RĂŒcken sich nicht verfestigen kann.

    Keiner der Nachbarn hat eine direkte Bedrohung durch eine afg Regierung mit Talibaneinfluss, meiner Meinung nach.
    DafĂŒr sorgt schon die Tatsache, das AFG finanziell nicht selbststĂ€ndig ĂŒberleben kann und seit min. 100 Jahren mit auslĂ€ndischen Geld ĂŒberlebt.
    Ich bin auch davon ĂŒberzeugt, dass nach Abzug der Nato-Truppen, Talibanvertreter mit am Kabinetstisch sitzen werden, ob uns das nun passt oder nicht.

    Teile und herrsche !

    Karzai bereitet sich auf die Zeit nach dem Abzug vor.



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