Korruption und Stromversorgung in Afghanistan…

23/12/2012
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Stromversorgung hat irgendwie auch etwas mit „Fight 4 Peace“ zu tun. Eine Geschichte muss ich schon mal vorab erzählen: Machen Sie sich ein eigenes (ganzes) Bild. Hier nun ein erstes Interview meiner Afghanistanreise mit dem Leiter der afghanischen Strombehörde (DABS), Abdul Razique Samadi. Dieses Interview veröffentliche aus aktuellem Anlaß schon mal vorab im Kontext einer Korruptionsdebatte des Präsidenten Karsai von gestern und in Verbindung mit einer investigativen Doku des WDR „Die Story“ über verfehlte deutsche Stromentwicklungshilfe-Projekte, die verdeutlichen, warum das Land am Hindukusch seit Jahrzehnten Stromversorgungsprobleme hat. Demnach trägt Deutschland Mitschuld daran wie es gerade ist in Afghanistan. Wußte ich vorher so auch nicht…

Abdul Razique Samadi, CEO DABS im Blog-Interview

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die Nato-geführte Afghanistantruppe Isaf für die große Korruption im Lande verantwortlich gemacht. Am «Tag gegen die Korruption» sagte Karsai am Samstag in Kabul: «Ein Teil dieser Korruption in unserer Verwaltung ist klein und vor allem Bestechung. Der andere Teil der Korruption, der riesig ist und Hunderte Millionen Dollar umfasst, ist nicht unsere Korruption.» Karsai steht wegen der entwicklungshemmenden Korruptheit der Behörden unter Kritik der westlichen Verbündeten. Unter Bezug auf Militärverträge mit der Isaf sagte er: «Meine lieben Brüder und Schwestern, werft Euch das (die Korruption) nicht vor. Es ist die Korruption von anderen. Sie wurde uns aufgezwungen und soll unser System schwächen schwächen.» (Quelle hier)

Sehen Sie dazu einen Kurzbericht von EuroNews und danach eine WDR-Doku von 2009: „Die teuerste Ampel der Welt – Entwicklungshilfe in Afghanistan“. Ein Beispiel für Korruptionsvorwürfe gegen deutsche Behörden, die demnach beispielsweise zur landesweiten Strommisere Afghanistans beigetragen haben sollen…das geht bis ins Jahr 1966 zurück. Ambitionierte Entwicklungshilfe – gut gemeint, aber nicht durchdacht. Mit Sicherheit wurde auf beiden Seiten die Hand aufgehalten. Ein Beispiel für jahrzehntelanges Scheitern am Hindukusch! Im Anschluß daran sehen Sie ein Kurzinterview mit dem Leiter der afghanischen Strombehörde (DABS), Abdul Razique Samadi, über die Stromsituation Afghanistans.

Die teuerste Ampel der Welt
Dunkle Geschäfte mit der Entwicklungshilfe

Entwicklungshilfe ist längst zu einem der härtesten Geschäfte weltweit geworden. Ein Beispiel für viele, ein Beispiel für unsinnige Entwicklungshilfe: mehr als 50 Jahre lang wurde ein staatlicher afghanischer Energieversorger zum größten Teil mit Millionen deutscher Gelder finanziert. Beim deutschen Musterprojekt, dem Wasserkraftwerk „Mahipar“, hat die Bundesregierung Millionen buchstäblich im Sand versickern lassen. Sogar beim Bau unsinniger Straßen wurden Millionen verschwendet, inklusive Verkehrsampeln, die niemand braucht. story-Autor Ghafoor Zamani dokumentiert, wie die Entwicklungspolitik nicht die Entwicklung fördert, sondern in Wahrheit Abhängigkeiten schafft.

Geberländer, staatliche und nichtstaatliche Hilfsorganisationen ringen um ihren Anteil und grasen die ärmsten Länder regelrecht nach lukrativen Aufträgen ab. Die Entwicklungsindustrie hat inzwischen ihre eigenen Regeln. Wer diese Regeln beherrscht, kann sehr gut daran verdienen. Für Außenstehende sind die Geschäfte oft nicht durchschaubar, geschweige denn steuerbar. Das ist einer der Gründe dafür, warum die Hilfe oft fehlschlägt. Allein in Afghanistan investierte Deutschland in den letzten Jahren über vier Milliarden Euro in Entwicklungshilfeprojekte.

Ein Film von Ghafoor Zamani

Afghanistans Eigenanteil an seiner Stromversorgung liegt derzeit bei nur 25 %. AFG hat derzeit angeblich ca. 23000 Megawatt Kapazität zur Stromselbstproduktion. Den Rest des benötigten Stromes bezieht das Land aus Usbekistan (Gas), Turkmenistan (Gas), Iran (Wasserenergie) und Tadschikistan.Damit befindet sich Afghanistan in einer Abhängigkeit von anderen Staaten. Selbst diese Leitungen aus diesen Ländern funktionieren nur bedingt. Während unseres Aufenthaltes in Kabul litten auch wir an einem sechstägigen Dauerstromausfall. Zwei Leitungen aus Usbekistan waren unterbrochen. Eine wegen eines angeblichen Baumumsturzes und die andere durch eine Flut. Zur Zeit arbeitet das Land an seinem Energie-Masterplan: es werden eigene Wasserdämme geplant und entwickelt und in der Provinz Bamian soll mehr Kohle abgebaut werden.

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