Letzter dt. Journalist in AFG verläßt das Land…

30/05/2011
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Und wieder geht einer…offenbar der letzte ständige deutsche Korrespondent in Afghanistan. Er sagt dem Land eine düstere Zukunft voraus. Die Ereignisse wiederholten sich, meint er in dem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa). Schade. Somit können wir uns sicher sein, dass wir nur noch aus zweiter oder dritter Hand „authentische“ Berichte lesen oder erhalten. Klar gibt es noch die Teilzeitkorrespondenten, die immer wieder in unregelmäßigen Abständen an den Hindukusch reisen. Dennoch: darüber sollten wir uns im Klaren sein…jede künftige Berichterstattung anderer deutscher Journalisten wird über das V-Ministerium in Berlin „abgewickelt“. Deutsche im Land lebende Berichterstatter am Hindukusch gibt es nun nicht mehr! Das stimmt mich nachdenklich! Riechen, hören, schmecken, fühlen…so habe ich es gelernt: am Ort sein!

Kabul/Neu Delhi (dpa) – Der einzige deutsche Auslandskorrespondent in Afghanistan hört auf: Christoph Reuter (43), entsandter Korrespondent des Magazins «Stern» mit  in Kabul, verlässt den Posten an diesem Dienstag aus freien Stücken. Er wird nach eigenen Angaben auf absehbare Zeit nicht ersetzt werden. Künftig wird Reuter als Reporter der Auslandsredaktion des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» vor allem über den Nahen Osten berichten. Im (telefonisch geführten) Interview der Nachrichtenagentur dpa sagt der Journalist Afghanistan eine düstere Zukunft voraus: Nach dem für 2014 geplanten Abzug der ausländischen Truppen erwartet er einen Bürgerkrieg.

Christoph Reuter vom STERN

Interview von Can Merey/dpa – Neu Dehli:

Herr Reuter, Sie sind seit November 2008 in Afghanistan. Was hat sich in dieser Zeit im Land verändert?

Reuter: «Eigentlich gar nicht so viel, und das ist das Tragische. Die Taliban kontrollieren immer noch weite Teile des Südens und Ostens. Im Norden sind die Verhältnisse ungeklärt. Die Regierung von Präsident Hamid Karsai ist bis an die Zähne korrupt. Es gibt die gleichen Floskeln wechselnder Chefs der Internationalen Schutztruppe Isaf, das werde ein kritisches Jahr, das Zeitfenster schließe sich, nun müsse man die Wende schaffen. Letzten Endes aber ändert sich nichts wirklich.»

Wie würden sie das Verhältnis zwischen Afghanen und Ausländern nach fast zehn Jahren internationalem Einsatz beschreiben?

Reuter: «Wäre das Verhältnis zwischen Afghanen und Ausländern eine Ehe, dann wäre sie zerrüttet.»

Wie sind die Machtverhältnisse heute in Afghanistan?

Reuter: «Keine der konkurrierenden Gruppen – ob die Taliban, die Regierung oder die Nordallianz – weiß, wie stark sie eigentlich ist. Absehbar ist, dass die Machtfragen mehr oder weniger grausam ausgetragen werden, wenn die ausländischen Truppen abziehen. Dabei ist egal, ob sie noch ein, zwei oder vier Jahre bleiben. Die Dinge klären sich nicht, solange die Truppen hier sind.»

Was wird passieren, wenn die internationalen Truppen gehen?

Reuter: «Ein Aspekt ist die ökonomische Lage. Die Truppen haben die Simulation geschaffen, dass sie die Wirtschaft entwickeln. Aber die Wirtschaft, das sind die Truppen, sie sind die größten Arbeitgeber. Wenn sie gehen, hinterlassen sie ein kollabierendes System, und damit genau das Gegenteil von dem, was geschaffen werden sollte: ein System, das von sich aus funktioniert. Weder die Afghanen noch die Ausländer haben viel Mühe darauf verwendet, dieses Land unabhängig zu machen von den Ausländern.»

Rechnen Sie dann mit einem Bürgerkrieg?

Reuter: «Das ist leider die wahrscheinlichste Option. Es wird eine grausame, tragische Phase geben, in der aussortiert werden wird, wer herrscht und was von dem Versuch einer Demokratie überleben wird. Unabsehbar ist, ob dann ein Regime wie das der Taliban zurückkehrt – oder ob zehn Jahre westlicher Einfluss die Menschen doch geprägt haben, ob sie gelernt haben, Sachen wie Bildung, Freiräume oder Musik wertzuschätzen.»

Wie haben Sie – und Ihre Partnerin – denn persönlich die Zeit in Afghanistan erlebt?

Reuter: «Sehr, sehr gemischt. Es gibt, glaube ich, wenige Länder, die so extrem sind. Hier sind uns Menschen begegnet, die ihr letztes Hemd für uns gegeben hätten, die uns wunderbar geholfen haben in schwierigen Situationen. Auf der anderen Seite findet man bei manchen Menschen hier ein Ausmaß an Verlogenheit und krimineller Energie, das ist so krass, wie man es in den Ländern Europas nicht erlebt. Afghanistan ist kein Land für Grautöne. Entweder trifft man großartige Leute oder ganz furchtbare Menschen.» (lesen Sie weiter auf europeonline-magazin.eu)

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10 Responses to Letzter dt. Journalist in AFG verläßt das Land…

  1. Katrin Eigendorf on 31/05/2011 at 08:13

    Lieber Boris Barschow,

    Sie schreiben, jede künftige Berichterstattung aus Afghanistan werde über das V-Ministerium abgewickelt. Wie kommen Sie dazu? Ich berichte selbst immer wieder für das ZDF über Afghanistan und habe noch nie mit Militär zusammen gearbeitet. Ich bin immer mit meinem afghanischen Kollegen und Kameramann alleine unterwegs. Das tun übrigens auch andere KollegInnen. Ich sehe ehrlich gesagt auch keinen Grund, warum wir das nicht weiterhin so machen sollen. Die Berichterstattung über den Einsatz der Bundeswehr ist wichtig und ein Teil der Berichterstattung- die Reportagen über das Leben und die Entwicklungen im Land ein weiterer. Das eine schließt das andere nicht aus.

    Beste Grüße, Katrin Eigendorf

    • Boris Barschow on 31/05/2011 at 08:57

      Liebe Kollegin Katrin Eigendorf,

      vielleicht habe ich mich zu unklar ausgedrückt. Natürlich gibt es nach wie vor Journalisten wie Sie und einige andere auch, die auf eigene Faust ins Land reisen und berichten. Und das ist auch gut so. Die „Masse“ – so weiß ich aus eigener Erfahrung – „trauen“ sich nicht alleine ins Land, gehen nicht in die Fläche, suchen keine Geschichten, sondern kaprizieren sich auf sicherheitspolitische Truppenberichterstattung. Das ist auch wichtig, aber nur die eine Seite einer Medaille. In Afghanistan gibt es gibt es mindestens genauso viele Erfolgsgeschichten wie „Bad News“, ich kann ein Lied davon singen. Und diese Geschichten werden so gut wie gar nicht erzählt. Ständige Korrespondenten haben den Vorteil, dass sie im Land leben und einen direkteren Blick haben als diejenigen, die nur mit dem Militär einreisen und sich nur mit selbigem im Land erleben…und finden mit Sicherheit andere Geschichten, die am Konferenztisch nicht entdeckt werden können. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, mir geht es darum, dass es zumindest aus Deutschland – sollte es anders sein, klären Sie mich bitte auf – keine ständigen Korrespondenten mehr am Hindukusch gibt. Und denjenigen Kollegen, die sich auf eigene Faust durchs Land bewegen, zolle ich meinen persönlichen Respekt für ihren Mut und die persönlichen Risiken, die damit verbunden sind! Wissen Sie, viele Afghanen haben mir auf diesen Post gemailt und zum Ausdruck gebracht wie hoffnungslos sie sich fühlen, traurig sind, dass es um ihr Land so bestellt ist wie es ist. Eigentlich sollten sie selber die Geschicke ihrer Heimat in die Hände nehmen. Dann sollten wir ihnen auch erzählen, dass sich die internationalen Bemühungen lohnen. Und dafür sind schon viele gestorben…leider. Wie sie mit Sicherheit wissen, hängt mein Herz an diesem Land und deswegen probiere ich mit diesem Blog Aufmerksamkeit zu schaffen, Interesse zu wecken. Vielleicht ein Vorschlag: hätten Sie Lust, einen Gastartikel zu verfassen, um Ihre persönliche Sicht der Dinge in Afghanistan zu beschreiben? Ihre Erfahrungen, ihre Blickwinkel? Ich denke, die Leser wären Ihnen dafür sehr dankbar.

      Viele Grüße
      Boris Barschow

  2. J. König on 31/05/2011 at 15:44

    “ …hätten Sie Lust, einen Gastartikel zu verfassen, um Ihre persönliche Sicht der Dinge in Afghanistan zu beschreiben? Ihre Erfahrungen, ihre Blickwinkel? Ich denke, die Leser wären Ihnen dafür sehr dankbar.

    Ein weiterer dankbarer Leser.
    Mich würde auch interessieren, ob Sue die Bewertung „Bürgerkrieg nach ISAF“ teilen.
    Gruss

  3. Helga D. on 03/06/2011 at 09:42

    Vorgestern hatte ich ein äußerst interessantes Gespräch mit einem mir seit langem bekannten ägyptischen muslimischen Mitbürger, der seit vielen Jahren hier in Deutschland lebt und in der Wissenschaft arbeitet. Er berichtete mir von seinem spontanen Entschluss, in seine Heimat zu reisen,um dort an der „Revolution“ teilzunehmen, die Luft der Veränderungen zu atmen und den Geist zu spüren, der von den Menschen ausgeht.
    Er bestätigte mir, was ich auch seit langem in Bezug auf Afghanistan sage: Es muss von ganz unten, von den Menschen an der Basis kommen, sie müssen wollen, sie müssen sich dafür einsetzen – keine Fremden, keine internationalen Truppen! Solange das Volk nicht gemeinsam für die Veränderungen eintritt – und das auch im Bewusstsein, dass es Verluste geben kann, wird sich niemals etwas verändern. Er war spürbar begeistert von der Kraft und dem Mut seiner Landsleute – „ein unglaubliches Gefühl, das geht unter die Haut…“

    In manchen Ländern war und ist die Zeit reif für den Aufbruch, wie seinerzeit in der DDR, in anderen eben noch nicht – und in Afghanistan ist sie es scheinbar (noch) nicht. Die, die anderes wollen, haben nicht genügend Rückhalt – noch nicht? Oder evtl. nie?
    Interessant empfand ich die Schilderung, dass Ägypten quasi im Chaos versinkt, keinen funktionierenden Sicherheitsapparat hat – aber die Menschen selbst sorgen für Ordnung: Wohnviertelweise organisieren sie sich und sorgen für Ruhe und Sicherheit – quasi einzelne friedliche Bürgerwehren, die sich aber auch zusammenschließen, wenn „mehr“ gefordert ist. Und es funktioniert – die Menschen fühlen sich sicher und haben Vertrauen, vor allem haben sie aber den Willen, jezt nicht aufzugeben und weiter für ihre Ziele einzustehen und ihren Beitrag zu leisten, vor allem einen „Gottesstaat“ zu verhindern, denn das ist es, „was wir in Ägypten keinesfalls wollen, das hat nichts mit unserer Religion zu tun…“ Viel Glück dabei!

    Davon ist Afghanistan Lichtjahre entfernt – und wenn Afghanen, die hier leben, „traurig sind, über das, was in ihrer Heimat passiert“, ja, dann sollen sie ihren Beitrag dazu leisten, dass es sich ändern kann! Warum sollen es unsere Söhne/Töchter/Männer/Frauen tun? Und wenn das Land im Chaos versinkt, dann steht man eben wieder auf. Manchmal ist es gut, ein Haus ganz abzureißen und neu zu bauen, als immer nur Flickschusterei zu betreiben, manchmal muss ein Alkoholiker oder ein Junkie erst in der Gosse gelegen haben, um den „Überlebenswillen“ zu aktivieren und einen Neuanfang zu wagen.
    Herrn Reuter sricht die Desillusion aus der Seele und ich kann gut verstehen, wenn er hautnah von dort berichten möchte, wo Menschen etwas bewegen wollen und sich dafür einsetzen.

    Und ich kann sie eigentlich nicht mehr hören, diese „kleinen Erfolge“ – hier eine Schule, die morgen wieder zerbombt wird, oder die Mädchen werden mit Säure angegriffen, oder die Eltern trauen sich nicht mehr, ihre Kinder dorthin zu schicken, oder die Eltern und Brüder wollen nicht, dass Mädchen zur Schule gehen und Frauen eine Ausbildung bekommen. Die Brücken, die heute gebaut und morgen wieder von den Taliban gesprengt werden. Muss ich jemandem erst irgendwo reinkriechen, damit ich ihm „helfen darf“ – nein, die, die Geschicke des Landes leiten, müssen dankbar für Hilfe sein. Wenn sie denn Hilfe wollen. Und da denke ich, liegt die Krux, die Hilfe, die die Afghanen verstehen, ist schlicht und ergreifend Bargeld, um damit machen zu können, was sie wollen. Wir verstehen unter Hilfe etwas anderes – die ist aber nicht gewünscht. Also wird sie auch nichts bringen!
    Die Sprengsätze, die heute von den Isaf-Soldaten zerstört werden und sie zusehen müssen, wie diese Verbrecher unter den Augen der Soldaten das eigene oder das Grab des Kameraden schaufeln! Wer hier weiter Illusionen hinterherläuft, sollte das Gespräch mit denjenigen suchen, die täglich draußen vor Ort sind und nicht irgendwelche Hochdekorierten, die ja nichts anderes sagen dürfen, um ihre Karriere nicht zu gefährden und die Truppe nicht gänzlich zu demotivieren. Und auch die Begründung, dann „sind die Soldaten umsonst gefallen“, nein, jeder weitere gefallene oder an Körper oder Seele verwundete Soldat und zwar von allen Nationen, ist zu viel. Die demotivierende ANA- und ANP-Ausbildung im Crash-Verfahren, von denen zu viele nicht wollen, desertieren oder überlaufen. Auch hier habe ich einen frischen Bericht vom aktuellen Stand: „Vergiss es…“ „was wir da sollen, ist nicht nachzuvollziehen…“
    Und das Volk lässt sich weiterbelügen von Phrasen dreschenden Politikern und sorgt immer noch nicht dafür, dass deutsche Soldaten eine entsprechende Ausrüstung, wie z. B. die der USA, bekommen und evtl. deren Leben schützen und retten kann – so wie es gestern im „heute journal“ der Wehrbeauftragte „halbherzig“ geäußert hat – warum hat er nicht gefordert??? Warum schweigt der Bundeswehrverband?
    Das sind Fragen, die sich die Familien, die heute in Hannover an der Trauerfeier ihrer Söhne und Männer teilnehmen, stellen und die sich auch wir anderen stellen – wo sind die, die uns ehrliche Antworten geben??? Aber wir kennen die Antwort: Geld, Geld, Geld – Deutschland will in der großen Weltpolitik mitspielen, hat aber nicht das Geld dafür – wie andere Nationen im Übrigen auch nicht – und „spielt“ mit seinen Soldaten „Russisch Roulette.“

    In Trauer und in Gedanken bei den in den letzten Tagen, zuletzt gestern, gefallenen Soldaten, bei den Verwundeten, bei ihren Familien, Freunden und Kameraden hier in der Heimat und in den Feldlagern.

  4. Klaus on 03/06/2011 at 10:20

    Der Mut und der Wille zur Veränderung muss im Volk entstehen und umgesetzt werden. Wenn aber in der kleinsten Zelle, der Familie, schon nicht der Hunger auf Verbesserung besteht, sondern wenn bei den Väter, Brüdern und Ehemännern die Angst vor patriarchischem Machtverlust schwerer wiegt, dann wird sich auch das gesamte Land nicht verändern.
    Für mich hat nicht der Westen, nicht die internationalen Soldaten versagt – für mich hat Afghanistan und damit die Menschen, die die Chance zu Veränderung nicht ergriffen haben, versagt. Viel zu viele haben sich nicht getraut, sie ihre Gunst der Stunde(n) nicht ergriffen, sie waren feige! Sie bleiben lieber im „Mittelalter“ stehen, während um sie herum ihre muslimischen Brüder und Schwestern kämpfen.

    „Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können“ – Abraham Lincoln.

    Dies hat und bewahrheitet sich auch in Afghanistan – leider!

  5. Daniel Lücking on 03/06/2011 at 19:30

    Die Worte zu den Ausrüstungsproblemen heute morgen im Morgenmagazin waren deutlich. Hoffe, sie verhallen nicht ungehört.

  6. Helga D. on 17/06/2011 at 10:12

    Afghanistan isoliert sich mehr und mehr, weder in der muslimischen, noch in der christlichen Welt hegt man noch große Sympathie.
    Zu viele Berichte über Korruption, wie zuletzt im Spiegel 24/2011 über „Verdächtige Vertretungen“, in dem berichtet wurde, dass afgh. Ortskräfte der Botschaften über Jahre Visa erteilt haben, die auf falschen Angaben basierten. Mehrere Dutzend Personen werden beschuldigt, seit 2007 an der Schleusung von illegalen Afghanen nach Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Als Auftraggeber hat die Staatsanwaltschaft einen afgh. Geschäftsmann im Visier. Oder von den USA mit viel, viel Geld wieder aufgebaute Brücken werden schließlich von den Taliban kontrolliert und fördern jede Menge „Maut“ in deren Geldbeutel, damit diese wieder Menschen und Waffen kaufen können, damit sie auf eben jene Soldaten schießen bzw. bombardieren können. Unzählige Beispiele könnte man hier auflisten.
    Zu viele Berichte über „Menschenrechtsverletzungen“, insbesondere gegen Mädchen und Frauen, s. Post weiter oben, ernten nicht nur Kopfschütteln, nein Ablehnung und Hass.
    Zu viele Berichte über Elite-Afghanen, die lieber das Land verlassen, anstatt sich dafür einzusetzen – auch unter Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens. Warum sollen es internationale SoldatInnen und Mitarbeiter von NGO`s tun, die ebenfalls täglich in Gefahr sind?

    Wenn man den Wandel in der „anderen“ Welt sieht, mit welcher Kraft und mit welchem Mut, sich die Menschen einsetzen – ja, dann geht einem wirklich das letzte Fünkchen Verständnis und eben Sympathie abhanden. Und nicht zuletzt dürfte das „Kriegs-Jahrzehnt“ in Afghanistan dazu beigetragen haben, viele Empfindungen und das Interesse an diesem Land und deren Menschen wachgehalten zu haben. Wieviel Elend und Not ist zwischenzeitlich über andere Nationen und Erdteile hinweggefegt?

    Ein sehr interessanter Bericht, der aufzeigt, wie Menschen für ein besseres Leben, Bildung, Gerechtigkeit und gegen einen Gottesstaat kämpfen, ist „Widerstand in Lybien – Der Städtemord von Misrata“ von Bernard-Henry Lévy von der faz/fas:

    http://www.faz.net/artikel/C32315/widerstand-in-libyen-der-staedtemord-von-misrata-30437988.html

    Und so muss es sein: Hilfe zur Selbsthilfe und nicht für die Menschen tun, was sie selbst tun können (sollten!).
    Nur das, was man sich „erarbeitet“ und „erkämpft“ hat, wird man zu schätzen wissen und auch verteidigen.
    Vielleicht muss Afghanistan erst tatsächlich „im Chaos versinken“, damit die Menschen sich dann aus den Ruinen wieder selbst aufbauen und auferstehen lassen – dass sie das können, haben sie seit Jahrhunderten immer wieder bewiesen.

  7. Gisela L. on 17/06/2011 at 13:09

    Dazu hätte ich auch eine sehr interessante Anmerkung zu machen.
    Wie in den Medien, der letzten Tage, zu hören war, sind aus Syrien
    geflohene Menschen,- die in der Türkei Schutz gesucht haben,- wieder
    in Ihr Land zurückgegangen. Mit Lebensmittel und anderen lebenswichtigen Dingen.
    Wohl wissend, daß es ein Himmelfahrtskommando ist und Sie
    das Vorgehen mit Ihrem eigenen Leben bezahlen könnten. Gefragt von
    Reportern, warum sie das denn tun, bekamen diese zur Antwort : “ Wir müssen
    etwas tun, wir können unser Landsleute doch nicht allein und verhungern lassen !“
    Reporter: “ Aber wenn sie gefaßt werden, ist das Ihr Todesurteil .“
    Antwort`: “ Das Risiko ist immer da, das müssen wir in Kauf nehmen, wir tun das für unser Land, vorallem für die hungernden Menschen !“
    Das ist NUR ein KLEINES Beispiel dafür, wie sich Menschen einsetzen können,
    um Ihren eigenem Land und den Menschen zu helfen. Mag es auch NUR ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Aber von dieser Solidarität, können sich die Afghanen eine Scheibe abschneiden. Auch das ist Hilfe zu Selbsthilfe !

    Die Afghanen, – und das ist meine persönliche Meinung,- die im westlichen Ausland leben,- und zwar recht gut leben,- haben das Jammern um Ihr geschundenes Land, auf höchster Ebene schon recht gut gelernt. Wenn sich ein
    Land verändern will/soll, dann von innen heraus, und nicht mit Waffengewalt anderer Länder. Wie schon angedeutet wurde. Aber meiner persönliche Einschätzung nach, will dieses Afghanistan gar nicht aus den hundert Jahren alten Trsditionen raus.

    • Boris Barschow on 17/06/2011 at 15:13

      Gisela, das ist richtig, den Beitrag im heute journal habe ich auch gesehen…und ich hatte den selben Gedanke….

  8. Gisela L. on 17/06/2011 at 13:10

    Sorry, soll “ Traditionen “ heißen.



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