Machtgespräche in Berlin: Taliban oder Nordallianz?

19/01/2012
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„Kennst Du einen Afghanen hast Du 77 Probleme auf einmal“, so ein afghanisches Sprichwort. Wie muss es da wohl deutschen Politiker gehen, die seit 10 Jahren mit der internationalen Gemeinschaft versuchen, dem Hindukusch eine bessere Zukunft zu gestalten. Jeden Tag Händeschütteln, die Blut an ihren Fingern haben. Ein moralisch schwieriges Geschäft: gegen die Taliban sein, gegen Warlords sein, gegen Drogenhandel sein, für Demokratie sein, für Menschenrechte sein, für Sicherheit sein…Jetzt sind alle für den Rückzug aus Afghanistan, in Berlin trafen sich vergangene Woche Vertreter der Nordallianz mit US Kongressabgeordneten, um neue Machtstrukturen für die Zeit nach ISAF in Afghanistan zu besprechen (sh. hier: Afghanische Kriegsverbrecher in Berlin? / bitte vorher lesen, sonst verstehen Sie das hier vielleicht nicht). Ein Treffen, das fast unter Auschluß der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Die jüngste Afghanistan-Konferenz ist seit dem längst Geschichte, Präsident Karsai scheint nicht unbedingt „amused“ zu sein, über das, was in deutschen Hotel-Hinterzimmern diskutiert wird. Ich habe heute mal ein bisschen durch die Republik herumtelefoniert und diese Gespräche haben mich schockiert. Hier nun erst einmal ein Fundstück aus dem Netz zur Veranstaltung. Fundstelle bei paktika1.com bzw. hier. Den Betreiber der Seite konnte ich nur soweit identifizieren. Da hat sich wohl jemand nicht an Absprachen gehalten 😉

Die Einladung des Aspen Institutes zum Treffen in Berlin

In Berlin habe ich heute Abend mit einigen Teilnehmern dieser Veranstaltung des Aspen Institutes telefoniert, die zwar offen und ehrliche Hintergrundgespräche mit mir geführt haben, aber namentlich nicht erwähnt werden möchten. „Schreiben Sie doch einfach, Sie haben mit  einigen Teilnehmern geredet.“ Gut. Versprochen. Gerade umgesetzt. Ich halte mich als gut erzogener Journalist daran. Ehrensache. Aber schrieben darf ich darüber gerne. Verstehen tue ich es aber trotzdem nicht! Gut. Dann soll es eben so sein. Ob da nun zwei oder eine Veranstaltung gleichzeitig im Hotel stattfanden, will mir niemand so wirklich bestätigen oder dementieren. Einmal gab es die Veranstaltung „Sustainable Strategies for Afghanistan and the Region after 2012“ vom Aspen Institut und der Konrad-Adenauer Stiftung (KAS) vom 9. bis zum 11. Januar. und vom 7. bis zum 9. Januar das Treffen des Aspen Institutes „AFGHANIsTAN 2014 OPPORTUNITIEs AND CHALLENGEs: MEMBERs OF THE U.s. HOUSE OF REPRSENTATIVEs IN DIALOGE WITH LEADERs FROM NORTHERN,WEsTERN AND CENTRAL AFGHANIsTAN„. Der Leiter des Teams Asien- und Pazifik der KAS bestätigte mir, dass beide Termine unabhängig voneinander stattfanden und man von dem anderen  nichts wußte. Soweit so gut. Folgende Zitate sind aus dem Geächtnisprotokoll und aus Gesprächsnotizen.

Die Teilnehmerliste…Nicht alle Afghanen sind gekommen. Quelle:http://paktika1.com/pdf/ago_etlaaiyae_aajel_8_1_12%20(2).pdf

„Ich bin da nur hin zum Treffen mit den Afghanen, um zu hören, was da so geredet wird. Man muss sich doch auf dem Laufenden halten“, so meine erste Antwort, die ich erhalte als ich einen Teilnehmer der oben abgebildeten Veranstaltungsliste danach frage, warum sie bei diesem Treffen war.

Man muss doch mit allen Playern reden. Mit den Taliban und auch mit der Nordallianz. Ich bin da aus persönlichem Interesse hin.“

Ich erfahre, dass dieses Treffen eigentlich schon vor der Bonner Afghanistan-Konferenz stattfinden sollte, das Auswärtige Amt (AA) die Einreise der Gäste aber auf den Januar 2012 verlegen wollte, damit es nicht parallel zur AFG Konferenz stattfinden musste. Damit war das AA und damit auch die Bundesregierung über dieses Privattreffen der US Kongressmitglieder in Berlin informiert.

Warum aber ausgerechnet Berlin?

„Weil Deutschland ein unbelasteter Player ist und mit keiner Kolonialgeschichte mit Afghanistan verbunden ist. Kommunikation muss unbedingt stattfinden. Mit allen. Mit den Taliban. Und warum nicht auch mit der Nordallianz? Egal mit wem Sie reden, viele haben keine reine Weste, in Afghanistan ist vieles anders. Und bevor wieder ein Bürgerkrieg ausbricht müssen wir den Afghanen helfen, genau dieses zu verhindern. Also reden wir mit allen, eruieren, was gehen könnte und was nicht.“

Ja, aber, wenn die Nordallianz und die Taliban wieder um die Macht streiteten, dann hätten wir ja wieder der Ursprungzustand wie vor dem 11. September 2001, oder?  Kann man dann sagen: 10 Jahre Afghanistan-Mission waren umsonst?

„Herr Barschow, es geht doch nicht um Deutschland, wird sind eine internationale Gemeinschaft in Afghanistan und die USA sind da im Lead, die machen das, was sie für richtig halten.“

Was würden Sie einem Afghanen antworten, der ihnen die Frage stellt, warum ausgerechnet das befreundete Deutschland solchen Menschen seine Gastfreundschaft für solche Gespräche anbietet? Verlieren unsere Soldaten da im Einsatz nicht ein bisschen an „Glaubwürdigkeit“?

„Wir sollten uns nicht überschätzen. Die Realitäten in Afghanistan sind andere als hier. Mit jedem, mit dem Sie dort reden hat irgendwie Dreck am Stecken. Darüber muss man sich im Klaren sein. Wir brauchen eine neue Strategie, damit wir einen Bürgerkrieg in Afghanistan verhindern. Und wenn wir es schaffen, dass Taliban und Nordallianz miteinander reden und verhandeln, dann wäre das doch ein Erfolg. Und Karsai hatte doch Dostum auch mal in seinem Kabinett.“

Danach telefoniere ich mit Rainer Arnold (SPD), verteidigungspolitisches Ausschuss-Mitglied. Er hat von diesem Treffen nur aus der Zeitung erfahren: „Grundsätzlich sind vermittelnde Gespräche immer gut. So kann ich nichts dagegen sagen.“

Ich darf über dieses Telefonat schreiben – dagegen hat er nichts.

„Allerdings sollten alle gemeinsamen Ideen auf demokratischem Wegen gegangen werden. Man muss auch mit Menschen reden, die Blut an ihren Fingern haben. Wir (Deutschen) haben überall gutes Ansehen. Wenn wir Gesprächsfäden auf demokratischem Wege spinnen und Menschenrechte eingehalten werden, dann finde ich das o.k. Alle andere aber nicht!“

Beide Gesprächspartner haben mir versprochen, das Afghanistan Blog in weiteren Entwicklungen in dieser Sache, auf dem Laufenden zu halten. Für weitere Nachfragen dürfe ich sie jeder Zeit kontaktieren. Dafür bedanke ich mich recht herzlich.

Was gab´s noch heute? Ach ja: Eine Bundeswehrsprecherin veröffentlichte heute die neusten Zahlen PTBS erkrankter Soldaten aus dem Afghanistan-Einsatz. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Fälle wohl um 26%, meldet die ZEIT vor zwei Stunden.

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12 Responses to Machtgespräche in Berlin: Taliban oder Nordallianz?

  1. mschiede on 19/01/2012 at 22:19

    Sehr merkwürdig diese Antwort (Zitat): “Herr Barschow, es geht doch nicht um Deutschland, wird sind eine internationale Gemeinschaft in Afghanistan und die USA sind da im Lead, die machen das, was sie für richtig halten.”

    Der Bevölkerung in Deutschland wurde doch immer gesagt, dass unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt werde. Nun geht es doch nicht um unsere Freiheit, sondern um die der Amerikaner, die ja im „Lead“ (was auch immer das heißen mag) sind. Mir stellt sich damit wirklich die eindringliche Frage, ob wir unsere Soldaten in Afghanistan nicht umsonst „verheizen“. Nach dieser Aussage ist jeder in Afghanistan gefallene deutsche Soldat umsonst gefallen!!! Diese Aussage soll mal jemand den Familien der gefallenen Soldaten verständlich machen. Wenn dies ein Politiker war, sollte er sich hinterfragen und die Konsequenzen ziehen. Rückzug aus allen politischen Ämtern!!!

    • Norman on 19/01/2012 at 22:39

      „Mir stellt sich damit wirklich die eindringliche Frage, ob wir unsere Soldaten in Afghanistan nicht umsonst “verheizen”.“

      Aber ich bitte Sie. Doch nicht umsonst.
      Unsere Soldaten haben (o-Ton De Maizière) „Opferbereitschaft gezeigt“.
      Darum ging es von Anfang an, um Bündnispolitik.
      Man hatte nicht das Rückgrat, den Amerikanern zu sagen dass das so nicht läuft.
      Anders als Joschka Fischer, als Roosevelt uns in den Irak-Krieg pressen wollte.
      Also.
      Wenn Sie eines Tages an einem Grab stehen wollen, das mit Dispositionsmasse
      zur Demonstration von transatlantischer Bündnistreue zum Militärisch-Industriellen
      Komplex der USA gefüllt ist, erziehen sie Ihr Kind zum Bundeswehr-Soldaten.

      Man wird Ihnen danken.

      Dann gibts Lachsschnittchen.

      Denn dieses Geschäft rentiert sich wie Sau.

  2. Norman on 19/01/2012 at 22:32

    Machen wir uns doch nichts vor. Wenn es irgendeinen Politiker in Deutschland wirklich interessieren würde, was in Afghanistan passiert, würden dort keine Straßenlaternen ohne Stromnetz stehen. Dann würden keine überwiegend ausländische „Entwicklungshelfer“ 5000 EUR im Monat verdienen, um weitgehend unverrichteter Dinge wieder in die Heimat zu gehen. Dann würden 400 000 000 ziviler Aufbauhilfe, die dem deutschen Steuerzahler p.A. abgezwackt werden nicht im System einer korrupten Auftragsvergabe versanden. Und unsere Politiker würden sich nicht mit Personen beschäftigen, die sie am Ende genauso schmutzig aussehen lassen wie die, mit denen sie reden. Sie nennen es „verhandeln“. Seit wann „verhandelt“ ein Talib mit den Kuffar ? Warum sollte er sich an Absprachen mit einer Person halten, die er unter anderen Umständen sofort töten oder meistbietend verkaufen würde ? Aber deutsche Politiker müssen ja nicht die Verantwortung dafür übernehmen, sich die Finger schmutzig zu machen. Die Amerikaner sind ja „lead“, wir Deutsche keine „Player“, und für die Afghanen bleibt, um im angelsächsischen Idiom zu bleiben, ein großer Haufen BULLSHIT. Und ein nettes Bildchen mit Merkel. Das Abschiedsfoto einer ehemaligen Hochkultur, kurz bevor das Land von bärtigen Affen ins Archaikum befördert wird. Unsere einzige Perspektive, hier noch irgend etwas zu bewirken, ist dezentrale Hilfe zur Selbsthilfe. Aber nicht mit einem bis ins Mark korrupten, vollkommen intransparenten „Entwicklungshilfe“-Apparat.

  3. Exit Option on 19/01/2012 at 23:52

    Hallo,

    Erst mal ein ganz großes Dankeschön an Herrn B.B. für seine Recherchen. Ich finde es toll dass auf diesem Blog eine Plattform geboten wird um über solche Ereignisse diskutieren zu können.

    Zum Sachverhalt,
    Warum Berlin ? Das frage ich mich auch? Was ist den mit allen Anderen Gastgeber? Erfahrungsgemähß sind doch die Arabischen Emirate gast Geber für Taliban und co. Diese waren ja auch Neben Pakistan und Iran diejenigen die das Taliban Regime als Staat anerkannt hatten damals bzw. zum teil noch Heute.

    Deutschland bemüht sich immer um den Dialog, fraglich ist ob ein Dialog immer der Richtig Weg ist? Schaut man sich aktuelle Entwicklungen an und den Trend der Taliban ist klar abzusehen was auf der Agenda steht. Islamischer Gottesstaat, Scharia über alles und für immer. Ich denke nicht dass die Welt 10 Jahre Leben, Geld, Geduld, und Särge mit Fahnen investiert hat damit nach 2014 genau das passiert was schon mal da war. An dieser Stelle sollte man nicht Vergessen wie viel Leid die Afg. Bevölkerung davon getragen hat und wird.

    Es ist immer wieder toll mit anzusehen wie hinter dem Großen Vorhang solche Treffen stattfinden, wenn dass alles so gut ist warum dann nicht ganz offiziell?

    Ich würde mich über Kommentare freuen. Das Thema ist sehr Wichtig.
    Danke und einen Guten Abend aus Rheinland-Pfalz.

  4. Christof on 19/01/2012 at 23:53

    Ich denke weder Verhandlungen mit den Taliban noch mit der Nordallianz allein können die Lösung sein. Zum einen fehlt dann immer noch der wichtigste Machtfaktor, nämlich Pakistan, zum anderen sollte man nach bald 10 Jahren des Wiederaufbaus, der Stabilisierungs- und Demokratisierungsbemühungen endlich gemerkt haben, dass der zentralstaatliche Fokus auf Top-Down-Prozesse in Afghanistan nicht Erfolg haben kann. Dass Afghanistan von der Verfassung her eines der „präsidialmächtigsten“ also zentralistischsten Länder de Welt ist, entspricht weder der dortigen Kultur noch gibt es dafür historische Vorläufer. Jenseits der Städte war der Staat immer kaum existent, geschweige denn tradiert im Sinne einer Identifikation mit ihm. Hier waren und sind die Schuras, also die Dorfräte wichtiger und einflußreicher. Nicht umsonst beruht das im Sinne von Effektivität und Effizienz bisher erfolgreichste Entwicklungsprojekt, das National Solidarity Program, auf diesem Ansatz. An ihm haben bisher mehr als 20.000 Dörfer teilgenommen, deren gewählte Ortsräte Geld zur lokalen Verwendung zugewiesen bekommen.

    Das ist schon lange bekannt, zumindest in den einschlägigen Think Tanks. Ich verweise exemplarisch mal nur auf zwei Artikel aus Foreign Affairs:
    Seth G. Jones: It takes the Villages. Mai/Juni 2010 (http://www.foreignaffairs.com/articles/66350/seth-g-jones/it-takes-the-villages)
    Biddle, Christia & Thier: Defining Success in Afghanistan. Juli/August 2010 (http://www.foreignaffairs.com/articles/66450/stephen-biddle-fotini-christia-and-j-alexander-thier/defining-success-in-afghanistan)

    Lange Rede, kurzer Sinn, was in Berlin oder sonstwo über Afghanistan mit welcher Partei auch immer verhandelt wird, ist natürlich wichtig, aber man sollte es nicht überbewerten. Die Zukunft des Landes entscheidet sich dort vor Ort und zwar auf dem Land und nicht in den Schaufenstern Kabul, Maser oder Herat.

    • Sunnymarc on 25/02/2012 at 14:17

      Solange Pakistan nicht im Verhandlungstisch mit offe Karten spielt, und die Taliban, oder anders gesagt,die Barbaren mit Waffen,Geld und Logestik versorgt.
      Wird es keinen Frieden geben .
      Pakistan kann z.Z. kann sich kein Stabiles Land wie Afghanistan leisten.
      1x Nachbarland Feind Indien
      1x Nachbarland Feind Afghanistan (wegen Rückgabe Pashtunistan an Afghanistan ) .
      Frieden in Afghanistan wird erst geben, wenn Pakistan in die Knie gezwungen wird .

  5. Robert Sedlatzek-Müller on 23/01/2012 at 16:39

    Ich habe mich nun in das Thema eingelesen und kann die Aufregung um die Verhandlungen auf deutschem Boden nicht teilen.

    Es handelt sich um Personen, die seit Kriegsbeginn mit den ISAF und OEF Truppen verbündet sind.
    An ihnen klebt nicht mehr Blut, als an westlichen Politikern, mit Einfluß auf den Afghanistan Einsatz
    Für Deutschland ist es eine Ehrenbezeugung seitens der Afghanen, daß man die Verhandlungen auf deutschem Boden führen will. Die ihnen zugesagte Immunität, die im übrigen jedem Diplomaten zugebilligt wird, selbst wenn er volltrunken Auto fährt und Personen gefährdet, zu brechen, wäre ein unerhörter Wortbruch. Gerade in Afghanistan ist Gastfreundschaft ein besonders wertvolles Gut. Das zu brechen, würde uns für die Zukunft als Partner ins Abseits stellen.

    Auch die Vita (die ich nur auf Wiki gelesen habe) finde ich nicht verwerflich:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Zia_Massud

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hadschi_Mohammed_Mohaqiq

    http://m.faz.net/aktuell/politik/ausland/afghanistan-worte-statt-kalaschnikows-1257637.html
    Ahmad Zia Massoud – Wikipedia
    de.wikipedia.org
    Ahmad Zia Massoud (* 1. Mai 1956 in Ghazni) ist ein afghanischer Politiker. Er ist der jüngere Bruder des im September 2001 ermordeten Anführeres der United Front (Nordallianz), Ahmad Shah Massoud, und war von Dezember 2004 bis November 2009 Vizepräsident im ersten Kabinett von Hamid Karzai.[1] Ende…
    Ahmad Zia Massoud – Wikipedia
    de.wikipedia.org

  6. Georg on 23/01/2012 at 21:40

    Ich möchte mich den beiden vorigen Kommentatoren (@Christof und Robert Sedlacek-Müller) anschließen und noch ein paar Punkte vertiefen.

    Die moralische Keule mit „Kriegsverbrecher“ in der Überschrift geht an der afghanischen Realität vorbei. Selbst in diesem Blog ist die afghanische Realität schon wirklichkeitsnäher beschrieben worden (12.Feb 2010, „Nice 2 know about Afghanistan“).
    Demnach ist die afghanische Gesellschaft von extremen Paritkularinteressen gekennzeichnet. Karzai ist in weiten Teilen der afghanischen Gesellschaft eben doch nur der Bürgermeister von Kabul. Dass die Vertreter der Volksgruppen der Usbeken, Tadschiken und Hazara völlig legitimerweise darauf achten müssen, dass Karzai mit den Taliban keinen Seperatfrieden macht ist vor dem Hintergrund der Geschichte verständlich. Vor einiger Zeit wurde meines Wissens der letzte Minister von der ehemaligen Nordallianz im Kabinett Karzai entlassen.

    Welches Szenario droht denn nach dem Abzug der ISAF Truppen ?
    Die afghanische Armee wird nach der ethnischen Herkunft der Angehörigen zerfallen. Sie kämpft nur für Dollars und nicht für irgendwelchen überragenden Staatsziele oder Ideale. Die loyalsten Soldaten sind noch die Offiziere, die von den Russen während der Besetzung ausgebildet wurden. Doch wem sollen sie loyal dienen ? Der paschtunischen Bevölkerung, Präsident Karzai und seinem System der Korruption oder den gesamten Ethnien in AFG ?

    Was würde denn eine Annäherung von den Amerikanern zu den Taliban bedeuten ?
    Es würde doch nur den Status quo ante wiederherstellen, indem die Pakistaner AFG als eine Provinz von Pakistan betrachtet hatten. 1994 bot Mullah Omar Karzai an UN-Botschafter der Taliban zu werden. Die Modalitäten sollte im pakistanischen Aussenministerium geregelt werden. Karzai lehnte entsetzt ab !
    Man muss sich immer vergegenwärtigen, das ein Deal mit den Taliban bedeutet, das Pakistan in Kabul regieren will, zu Lasten der Völker des Nordens.
    Da sowohl Karzai als auch Pakistan die Glaubwürdigkeit, das Vertrauen der westlichen Staaten verspielt haben, muss man sich auf die alten Verbündeten im Krieg gegen die Taliban besinnen und AFG gemäß den Ethnien aufteilen. Gegebenenfalls muss man die ethnischen Umsiedlungen der Paschtuen in Enklaven des Nordens (siehe z.B. Charrah Darrah), die vor ca. 100 Jahren erfolgten, wieder rückgängig machen um eine stabile politische Ordnung zu bekommen.

    Wenn man als Parallele den Kosovo anschaut, sieht man, dass es ein Fehler war den Kosovo nicht aufzuteilen und die serbisch besiedelten nördlichen Teile entweder Serbien zuzuteilen, oder die Bevölkerung umzusiedeln. Ihre Lebensgrundlage erhalten die Serben im Nordkosovo sowieso nur durch die Alimentierung von Belgrad, den Schmuggel und durch Schutz von KFOR. Nachdem erst kürzlich spekuliert wurde, ob wir noch 10 Jahre dort bleiben müssen um diesen Staat der „Organisierten Kriminalität“ am Überleben zu halten, muss die Frage erlaubt sein, ob uns, Deutschland das gleiche Schicksal am Hindukusch droht. Besser man sieht den Realitäten ins Auge und macht eine geordnete Umsiedelung, bevor es hinterher eine kriegerische Vertreibung mit Mord und Totschlag gibt.

    • Boris Barschow on 27/01/2012 at 19:15

      Das Wort Kriegsverbrecher hätte ich in Anführungszeichen setzten sollen (völkerrechtlich gesehen ist das natürlich nicht korrekt!). Ich bin auf weitere Meinungen gespannt…

    • Ramin Alekozai on 20/02/2012 at 23:07

      Einen Dümmeren und Hirnloseren kommentar habe ich noch nie gelesen. Sie als Tajike können nur davon Träumen das Afghanistan aufgeteilt wird. Werden sie sich mal das wort Afghanistan bewust!!! AFGHANISTN = LAND DER PASCHTUNEN. Afghanistan bedeutet wörtlich übersetzt land der paschtunen und das bleibt auch so. sie machen sich nur lächerlich wenn sie weiter solche märchen kommentare schreiben

  7. turan saheb on 04/02/2012 at 17:19

    Ich schliesse mich so einigen Vorrednern mit Kritik am Tenor der beiden Blog-posts an: gerade wo in Afghanistan jeder, der irgendeine Form von Macht inne hat oder hatte (auch wir!) „Blut an den Haenden“ hat und jeder (auch wir!) u.a. mit den Taliban verhandelt (auch die haben ja uebrigens „Blut an den Haenden“) bzw. das gerne tun wuerde, ist die Kritik an diesem Treffen voellig ueberzogen. Atta und Dostum haben sich uebrigens nach der Ermordung Rabbanis mehrfach getroffen, teilweise auch mit Mohaqeq. Dafuer brauchen die weder Deutschland noch vier amerikanische Oppositionsabgeordnete. Und nicht nur Verschwoerungstheoretiker unterstellen Karzai, dessen Unterstuetzung ueberwiegend aus dem Sueden kommt – wobei noch groessere Teile des Suedens spaetestens ab 2014 wieder von den TB beherrscht werden – dass er zugleich an der Aussoehnung um jeden Preis mit den TB und der Schwaechung von Jamiat, Jonbesh und Wahdat arbeitet. Und auch wenn ihre Truppen (Dostum, Atta, Mohaqeq) bzw. die ihres Bruders (Massoud) unzaehlige Kriegsverbrechen begangen haben, sind fuer die Ethnien der Tadschiken, Hazara und Usbeken (und Turkmenen) keinerlei Fuehrungsfiguren von annaeherndem Gewicht erkennbar; gerade wenn 2014 wieder der voellig Buergerkrieg ausbricht. Es macht daher also durchaus Sinn, dass sie um Unterstuetzung auch im amerikanischen politischen System werben duerfen. Bei aller berechtigten Kritik an den Herren gibt es ja nun auch berechtigte Kritik an Karzai – und nur eine begrenzte Auswahl an Alternativen. Viele Afghanen, die unter dem Buergerkrieg gelitten haben, werden es (gerade aus der sicheren Entfernung) kritisieren, das diese Maenner eine grosse politische Rolle spielen; hier in Afghanistan gibt es aber auch sehr viele, die sie immernoch den Taliban vorziehen.

    wie Georg ausfuehrt waere es doch merkwuerdig, wenn die

  8. Sunnymarc on 25/02/2012 at 14:01

    das waren nicht die US Truppen,ISAF Sondern,ISI (Geheimdienst-Pakistan) ( Feind Afganistan ) versucht das Land zu destabilisieren ,die Taliban mit Waffen, und Logestik zu versorgen, und das ist eine neue Art um die Nato, und US Truppen aus Afghanistan zu vertreiben, man hätte erst Pakistan bekämpfen müßen, dann, die Terorissmuss in Afghanistan , IM JAHR 2011 PAKISTAN ERHIELT WAFFEN, UND MILIARDENHILFE FÜR DEN KAMPF GEGEN TERROR AUS DEN U.S.A NATÜRLICH, PAKISTAN SOLL MAN WEGRADIEREN, DANN GIBT ES AUCH KEINE TERRORISMUSS. VERHANDELN MIT TALIBAN BEDEUTET TOTALES VERSAGEN GEGEN TERORISTEN NICHT NUR IN AFGHANISTAN, SONDERN WELTWEIT



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