Nachwuchsjournalist und neuer Blogkorrespondent…

17/04/2012
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Deutschland hat momentan keinen eigenen ständigen Korrespondenten in Afghanistan. Alles, was wir über das Land erfahren, ist aus zweiter oder dritter Hand. Auch die jüngste Talibanoffensive vom vergangenen Wochenende, kann ein Blogger wie ich daher nur über offene Quellen über das Internet oder durch persönliche Kontakte spiegeln. Medienexperten und andere Journalisten, die sich für ebensolche halten, bekommen ihre Informationen auch nur aus zweiter oder dritter Hand und analysieren wild durch die Gegend herum, spielen diese Offensive herunter, halten die Fahnen der ISAF hoch…nach dem Motto: „läuft doch alles sehr gut“…und merken dabei nicht wie sie am Thema vorbei reden. Und dabei wird auch oft die afghanische Perspektive vergessen. Andere Think Tank Experten erzählen das Gegenteil. Zwar habe ich ein eigenes Netzwerk afghanischer Journalisten am Hindukusch, oft fehlt mir aber die Zeit, dieses bei meiner knapp bemessenen, professionell einzusetzen. Deshalb möchte ich nun etwas Neues ausprobieren:

Mich erreichte neulich die Anfrage eines in Deutschland lebenden afghanischen Nachwuchsjournalisten, der im Sommer fünf  Wochen als Freelancer aus Kabul berichten will. Das möchte ich unterstützen. Und schon hat der Gute seinen ersten Auftraggeber: das Afghanistan Blog 🙂 Ich habe Kahled Waziri gebten, aus seiner persönlichen Perspektive einen kurzen Hintergrundartikel über die sogenannte Offensive zu verfassen. Sie werden also künftig häufiger von ihm lesen. Seien Sie ihm bitte gewogen…

Nachwuchsjournalist Kahled Waziri aus Marburg

 

von Kahled Waziri

Afghanisches Innenministerium: Drahtzieher der Anschlangsserie wahrscheinlich Haqqani-Clan

Dem afghanischen Innenministerium zufolge sind die Angriffe,die mit der sogenannten Frühjahrsoffensive der Taliban einhergehen,auf den Haqqani-Clan zurückzuführen.

Afghanistans Innenminister Bismillah Khan Mohammadi sagte heute in einem Interview,das er dem Sender Ariana Television gab: „Sowohl die Art und Weise der Angriffe als auch die Tatsache,dasss es auch außerhalb Kabuls in mehreren Provinzen Angriffe gab, deuten zumindest auf eine Beteiligung des Haqqani-Netzwerkes hin.“

Taliban berichteten laut Reuters, dass die  Hauptziele des Angriffs die deutsche und britische Botschaft,sowie das Führungshauptquartier der Nato gewesen seien. Schwere Feuergefechte zwischen afghanischer Polizei und Taliban fanden  in den den Kabuler Distrikten Charahi Qambar und Charahi Zanbaq und außerhalb Kabuls in Jalalabad, Nangahar und Logar statt.

Haqqani-Clan und Pakistan – Partner im Kampf gegen die Nato!

Der Haqqani-Clan,Verbündeter der Taliban im Kampf gegen die Nato,stellt einen sehr wichtigen und für die Nato sehr bedrohlichen Machtfaktor dar. Gründer Jalaluddin Haqqani,der ursprünglich aus der ostafghanischen Provinz Paktia stammt, ließ sich bereits Ende der Siebziger Jahre im Stammesgebiet Nord -Waziristan,das an der Grenze zu Pakistan liegt,nieder.Dieses Gebiet ist aufgrund der Durand-Linie traditionell sehr umkämpft und gilt als Hochburg der Taliban. Offiziell wird der Haqqani-Clan noch von Jalaluddin Haqqani geführt.De facto hat aber sein Sohn Sirajuddin die Führung des Netwerks übernommen.Der Haqqani-Clan hat dem Taliban-Chef Mullah Omar Loyalität geschworen und akzeptiert die Quetta-Shura,das Führungsgremium der Taliban an. Meistens agiert der Haqqani-Clan jedoch autonom.

Es ist ein offenes Geheimnis,dass der Haqqani-Clan der verlängerte Arm Pakistans ist. Amerika hatte bereits im vergangenen Jahr Pakistan mehrfach dazu aufgefordert gegen den Haqqani-Clan in Waziristan [gehört eigentlich zu Afghanistan;aufgrund der Durand-Linie,die  zwischen paschtunischen Stammesgebieten gesetzt wurde, zählen Teile Waziristans heute offiziell zu Pakistan,ehemals Indien] vorzugehen.Die Pakistani lehnten das jedoch mit der Begründung ab,dass es der pakistanischen Armee an Kapizitäten fehle,um gegen den Haqqani-Clan eine Offensive zu beginnen. Es ist jedoch klar,dass die pakistanische Armee nicht gegen das Haqqani-Netwerk vorgeht,weil man die Haqqanis als Verbündete betrachtet,sagte Ahmed Rashid gegenüber Reuters. Aufgrund dieser Tatsachen wird vermutet,dass die Angriffsserie in Afghanistan zu einer schweren Belastung,der ohnehin sehr strapazierten Beziehung zwischen Amerika und Pakistan,führen wird.

Quellen: Ariana Television,RTA,Reuters,Privat

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3 Responses to Nachwuchsjournalist und neuer Blogkorrespondent…

  1. Emran Feroz on 18/04/2012 at 12:55

    Weiter so, Khaledjaan! 😉

  2. Cem Sey on 16/05/2012 at 07:19

    Lieber Kollege Boris Barschow,

    ich freue mich auf den zukünftigen Aufenthalt unseres jungen Kollegen Khaleed Waziri in Afghanistan und wünsche ihm viel Erfolg.

    Doch Ihre Behauptung, in Afghanistan gebe es keine deutschen Journalisten, ist schlicht und einfach falsch.

    Ich bin ein akkreditierter deutscher Journalist in Kabul und habe bisher für N24, FTD und die taz in Deutschland, sowie für die BBC und türkische und luxemburgische Zeitungen berichtet. Ich werde voraussichtlich bis Mitte 2014 weiterhin als freier Journalist in Afghanistan bleiben und hoffentlich sehr viele und eigens recherchierte Berichte liefern.

    Ich denke, dass auch ich meine Objektivität beibehalten kann, obwohl ich hier nicht das große scheitern der Bundeswehr oder der NATO sehe, sondern eher das Scheitern der westlichen Politik und zivilen Aufbauhelfern und der NGOs. Zu diesem Schluss komme ich durch Gespräche mit Afghanen. Ich lerne also auch ihren Blickwinkel durchaus kennen. In meinen Recherchen spielen übrigens afghanische Quellen eine mindestens genau so große Rolle, wie internationale Quellen hier im Land.

    Andererseits muss ich als ein deutscher Journalist in Kabul mich über die Desinteresse der Kolleginnen und Kollegen in Deutschland beschweren. Denn sie sind meistens an nichts anderes interessiert als Explosionen und die Bundeswehr, sie tendieren den Krieg zu übertreiben – das verkauft sich wohl besser. Und das, obwohl dieses Land nicht nur sehr interessante politische, kulturelle und wirtschaftliche Geschichten bietet, sondern auch in der Region und deshalb auch in der Weltpolitik eine große Rolle spielt.

    Ich hoffe, dass Sie in ihren weiteren Ausführungen in diesem Blog, meine Bemerkungen und Kritik berücksichtigen.

    Vielen Dank und herzliche Grüße vom Hindukusch!

    Cem Sey

  3. Boris Barschow on 16/05/2012 at 12:02

    Hallo Cem jan,

    vielen dank für Ihren Kommentar. Es gibt keinen ständigen Korrespondenten eines Senders oder einer Zeitung oder Hörfunk in Afghanistan. Das bezog sich auf den ehemaligern Sternkorrespondenten Christoph Reuter http://www.afghanistan-blog.de/?p=4631, der als letzter ständiger berichterstatter am Hindukusch verlassen hat und nun wohl beim Spiegel arbeitet.

    ich freue mich, dass Sie sich auf Khaleed Waziri freuen 🙂 Darf ich sie beide irgendwie in Kontakt zueinander bringen? Vielleicht können Sie dem jungen Kollegen hier und da helfen. Ich würde micha uch freuen, wenn wir von Ihnen hier ab und an einen Gastartikel lesen dürften.

    Interesse? Dann bitte Mail an admin@afghanistan-blog.de

    Herzliche Grüße

    Boris Barschow



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