Naser Ahmadi: Offener Brief an die Bundeskanzlerin

09/06/2012
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Ich freue mich immer, wenn sich Afghanen in eine politische Diskussion einmischen. Ein in Wiesbaden lebender afghanischer Journalist bat mich, seinen offenen Brief an die Bundeskanzlerin im Blog zu veröffentlichen. Naser Ahmadi hat vorallem für Ariana TV in Kabul gearbeitet und hat bereits schon einen ersten Artikel hier veröffentlicht: „Das Schachspiel Afghanistan

Naser Ahmadi, Journalist, Ariana TV, Wiesbaden

Offener  Brief an Frau  Angela Merkel  Bundeskanzlerin von

Deutschland

Sehr geehrte Frau Merkel,

lassen Sie  mich zu erst Ihnen  und der deutschen Bevölkerung für die weitere Hilfe für Afghanistan herzlich  danken.

Deutschland ist nach den USA und England der dritt größte Unterstützer  Afghanistans.

Die Bundesrepublik  hat seit 2001  uns sowohl in den militärischen als auch in den zivilen Feldern aber auch in den  entwickelten Bereichen geholfen und wird immer noch weiter helfen.

Außer Deutschland unterstützte die  internationale Gemeinschaft seit  2001 unser Land, aber leider sind  Milliarden von Dollar der internationalen Hilfe für Afghanistan durch die Korruption verschwunden.

Dafür sind nicht nur der afghanische Staat, sondern auch die nicht staatlichen Organisationen ( NGOs) in unserem Land verantwortlich.

Angesichts davon,  möchten wir Sie darum bitten, einige Bedingungen für  ihre neu versprochene finanzielle Unterstützung für Afghanistan zu erstellen. V.a. sollten das Verfahren der Projekte überwacht und kontrolliert werden.

Zur Zeit wird Afghanistan leider von mafiösen Strukturen und Korruption beherrscht. Diese Leute haben kein Interesse am Gemeinwohl und Wohlstand des Landes.

Die Familie von Hamed  Karzai,  Präsident  von Afghanistan, seine Vizepräsidenten und die Kabinettsmitglieder  wurden Multimillionäre  und haben Millionen von Dollar der internationalen Hilfe  überall für sich selbst  investiert.

Die (NGOs), die in der Zusammenarbeit mit diesem Staat arbeiten, sind ebenfalls korrupt.

Ich warne, dass wenn Sie nicht klare Bedingungen und Regelungen  für ihre neu versprochene  Hilfe für Afghanistan durchsetzen , die 150 Millionen Euro der deutschen Steuerzahler , mit denen Sie uns  jährlich helfen würden , werden genauso durch die Korruption und Unterschlagung unseres Mafiastaates  und die korrupten internationalen NGOS verschwinden.

Sie sollten Druck auf den afghanischen Staat ausüben,  um die Korruption zu verhindern und  ein transparentes System zu etablieren. Außerdem  müssten die Kabinettsmitglieder, die korrupt sind, vor Gericht gebracht werden.

Auch die Rolle der Zivilgesellschaft ist in Afghanistan sehr schwach und die Menschenrechte werden massivst verletzt.

Da die Verbrecher und die Täter entweder Regierungsbeamte oder vom Staat unterstützte Leute, kann niemand hindern und etwas gegen das Unrecht tun. Ich arbeitete als Journalist in Afghanistan und erlebte diesen schrecklichen Zustand vor Ort.

Der Präsidentschaftswahl im Jahr 2014 ist eine gute Chance, einen demokratischen Staat in Afghanistan  zu gründen.

Das ist nicht möglich ohne die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Sie sollten in diesen Wahlen diejenigen Kandidaten, die nützliche und ehrliche Führer  für Afghanistan und  ein guter Partner für die internationale Gemeinschaft sein könnten, unterstützen und fördern.

Wenn Sie die gleichen Fehler wie beim ersten Bonner Abkommen begehen, werden sowohl die Amerikaner und Europäer als auch die Afghanen die negativen Konsequenzen  zu tragen haben.

In der ersten Bonn Konferenz beschloss die internationale Gemeinschaft, statt mit den liberalen und demokratischen Gruppierungen aus Afghanistan, mit den Warlords, Kriegsverbrechern und Verletzern der  Menschenrechte zusammen zu arbeiten.

Man sollte aus den Erfahrungen lernen und deshalb sollte Deutschland  seine Politik für Afghanistan korrigieren.

Es ist sehr gefährlich mit denselben Leuten zusammen zu arbeiten, die schon ein schlechtes Erbe hinterlassen haben.

Wenn Deutschland wirklich den Frieden und Wohlstand in Afghanistan will, muss es sich mit den demokratischen und liberalen Gruppierungen  unterhalten und sie zu seinen strategischen  Partner machen und anerkennen.

Mit freundlichen Grüßen

Naser Ahmadi

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4 Responses to Naser Ahmadi: Offener Brief an die Bundeskanzlerin

  1. Jamal Said on 12/06/2012 at 15:44

    Den Brief finde ich bis auf einem Satz ok.
    und zwar,wenn die Kanzlerin aufgefordert wird,auf afghanische Regierung Druck auszuben,um Korruption zu verhindern finde ich in Ordnung aber Kabinettsmitglieder vor Gericht zu bringen,ist ein Verstoß gegen die Souverinität Afghanistan.

  2. Sameer Hewad on 15/06/2012 at 14:22

    Ich frage mich ernsthaft, warum führt man in Gottes Namen kein Buch über die Ausgaben und man diese Ausgaben nicht einfach transparent darstellt.
    Ich möchte ungern Verschwörung aufstellen habe aber das Gefühl, dass die Deutschen da wohl mit verdienen und sind Korrupt, nicht nur die Afghanen.

  3. Team Bürgerservice der CDU-Bundesgeschäftsstelle on 20/06/2012 at 11:45

    Sehr geehrter Herr Ahmadi ,

    vielen Dank für Ihr Schreiben vom 07.06.2012 zum Thema Afghanistan-Einsatz,

    Die Vorsitzende der CDU Deutschlands, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel erreichen täglich Hunderte an Zuschriften und Anfragen. Es ist ihr daher nicht möglich, auf diese stets persönlich einzugehen. Seien Sie aber versichert, dass wir stets bemüht sind, die Bundeskanzlerin über den Stand der Zuschriften auf dem Laufenden zu halten und in ihrem Sinne die Anfragen beantworten.

    Die CDU unterstützt den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, denn er dient unserer Sicherheit. Die Sicherheitslage in Afghanistan ist schwierig. Der Tod von Soldaten der Bundeswehr führt dies in dramatischer Weise vor Augen. Doch in den letzten Jahren wurden auch große Fortschritte erzielt. Diese Erfolge müssen wir sichern und ausbauen. Nur der Einsatz internationaler Truppen verhindert, dass Afghanistan erneut zum Rückzugs-, Ausbildungs-, Planungs- und Operationsraum für international agierende Terroristen der Al-Qaida wird, die auch uns bedrohen können.

    Es gibt entwicklungspolitische und humanitäre Gründe für eine Fortführung des Einsatzes. Die Gefahr einer Rückkehr der Taliban an die Macht ist noch nicht gebannt. Unter den Taliban wurden Frauen ihrer Rechte beraubt und unterdrückt. Trotz der Opfer, die der Konflikt nach wie vor fordert, hat sich die Menschenrechtslage deutlich verbessert. Den Mitläufern und gekauften Söldnern der Taliban, die an der afghanischen Zukunft mitarbeiten wollen, muss ein Weg aus dem Terrorismus eröffnet werden. Der Weg zu einem stabilen und sicheren Afghanistan erfordert letztlich eine „politische Lösung“.

    Der Einsatz ist auch Voraussetzung für weitere politische und wirtschaftliche Fortschritte. Ohne Sicherheit keine Entwicklung, ohne Entwicklung keine Sicherheit. Nach dem Sturz der Taliban konnten fast fünf Millionen Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren. Seit 2001 wurden in Afghanistan 3.500 Schulen gebaut, die heute wieder für Mädchen offen stehen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung hat heute Zugang zu einer gesundheitlichen Grundversorgung. Der Drogenanbau ist in den letzten zwei Jahren deutlich zurückgegangen. Nicht zuletzt ist die afghanische Wirtschaft seit 2001 jährlich stark gewachsen. Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen ist zwischen 2002 und 2009 von rund 175 auf rund 460 US-Dollar angewachsen. Es ist noch viel zu tun, aber es wurde auch schon viel erreicht.

    In dem Maße, wie Afghanistan selbst für seine und damit auch unsere Sicherheit zu sorgen kann, können Zug um Zug die ausländischen Sicherheitskräfte und damit auch die Bundeswehr abgezogen werden. Die CDU unterstützt die internationale „Übergabestrategie in Verantwortung“ für Afghanistan. Deshalb wird auch nochmals der Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte intensiviert. Insgesamt sollen 171.600 afghanische Soldaten und 134.000 Polizisten ausgebildet werden.

    Auch das so genannte `Mentoring´ und `Partnering´, also die Ausbildung von und der gemeinsame Einsatz mit afghanischen Streitkräften, birgt Risiken für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Doch wenn die afghanischen Streitkräfte und die afghanische Polizei für die Sicherheit ihres Landes selbst mehr und mehr Verantwortung übernehmen sollen, ist es erforderlich, an diesem Konzept festzuhalten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Karim-Christoph Gharbi

    Team Bürgerservice der CDU-Bundesgeschäftsstelle

  4. Rustam Nairang on 01/07/2012 at 23:03

    Wenn Afghanistan zu 98% vom Ausland unterstützt und finanziert wird (unteranderem von Deutschland), dann hat die Druckaussage eine strenge Legitimation! Afghanistan besaß nie in seiner Geschichte eine Souverenität.



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