Paris: Friedenspläne der Taliban nach 2020…

23/12/2012
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Es tut sich mal wieder etwas. Vertreter der Taliban haben sich die letzten Tage nördlich von Paris getroffen, um den Friedensprozess Afghanistans nach 2020 zu besprechen. Hier eine rasche Zusammenstellung deutscher Berichterstattung darüber. Liest man das  Statement der Taliban-Vertretung zu diesem Treffen, werden Parallelen zum Shorish-Friedensplan ersichtlich, über den ich hier ja kürzlich schon berichtet habe. Ein Interview mit dem Vertreter für Außenangelegenheiten des High Peace Councils (HPC), einem ehemaligen hohen Ex-Taliban-Kommandeur, Habiullah Fawzi, das ich als erstes deutsches Fernsehteam führen durfte, werde ich demnächst hier im Blog veröffentlichen.

Habiullah Fawzi, HPC Kabul 

Das Afghanistan Blog im High Peace Council (HPC) gegenüber vom Außenministerium in Kabul. Wie man mir versicherte, sei ich der erste deutsche Journalist, der dort ein TV-Interview führen durfte. Und im Blog würde man dort ab und an auch herumlesen. Ob ich das glauben kann? Nun denn, es freut mich zumindest, dass die geführten Interviews nun plötzlich an Aktualität gewinnen. Bemerkenswert – soviel möchte ich verraten, bevor ich die Blogdoku zur Afghanistan-Reise fertigstelle – ist, dass sich ein in die afghanische Gesellschaft reintegrierter Ex-Taliban bei der Bundesregierung für den Wiederaufbau Afghanistans bedankt hat.

Afghanistan-Konferenz in Frankreich
Taliban geben sich versöhnlich

(Chantilly) – Ranghohe Vertreter der radikal-islamischen Taliban haben sich auf einer Konferenz in Paris für eine Teilung der Macht in Afghanistan ausgesprochen. In einer am Wochenende verbreiteten Mitteilung erklärten sie sich bereit, in einer Regierung mitzuwirken, die alle Afghanen vertrete. Sie versprachen Toleranz und Frieden, pochten aber auf eine neue Verfassung nach islamischen Prinzipien.

Die Taliban-Repräsentanten, die laut Mitteilung mit Zustimmung des Taliban-Führers Mullah Omar auftraten, waren am Donnerstag und Freitag in Paris mit Vertretern der Regierung in Kabul, afghanischen Parlamentariern und Oppositionellen zusammengekommen. Mullah Omar, der derzeit in Pakistan vermutet wird, achte seine politischen Gegner. „Er verlangt ein gegenseitiges Verständnis und fordert sie auf, sich ihm bei der Verteidigung des Landes anzuschließen“, heißt es in der Mitteilung.

Aktuelle Verfassung nicht anerkannt

Die Taliban-Vertreter forderten eine Verfassung, die auf „islamischen Prinzipien, nationalen Interessen, sozialer Gerechtigkeit und historischen Errungenschaften“ beruhe und gleiche Rechte für alle ethnischen Gruppen garantiere. Die derzeitige Verfassung sei unter dem Druck der alliierten Truppen im Land geschrieben worden und daher nicht akzeptabel. (mehr bei:  Tagesschau.de)

Die Süddeutsche berichtet:
Mit Terror herrschten die Taliban von 1996 bis 2001 in Afghanistan. Eine strikte Umsetzung der Scharia war höchstes Gebot. Aus dem Sportstadion in Kabul wurde ein Ort des Horrors, an dem Menschen in aller Öffentlichkeit hingerichtet wurden. Inklusive Steinigungen. Frauen verloren ihre Rechte, wer westliche Musik oder gar Filme konsumierte, riskierte furchtbare Strafen. Doch jetzt versprechen die eifernden Koranschüler Toleranz und Mäßigung.

Sind sie geläutert? Bestimmt nicht, aber nun gibt es erste Anzeichen dafür, dass sie nach Abzug der Alliierten wieder in Afghanistan mitmischen wollen. Ranghohe Vertreter der radikalen Islamisten haben sich auf einer Konferenz in Paris für eine Teilung der Macht in Afghanistan ausgesprochen. In einer am Wochenende verbreiteten Mitteilung erklärten sie sich bereit, in einer Regierung mitzuwirken, die alle Afghanen vertrete. Sie versprechen Toleranz und Frieden, pochen aber auf eine neue Verfassung nach islamischen Prinzipien.

Die Taliban-Repräsentanten, die laut einer Mitteilung nach der Konferenz mit Zustimmung des Taliban-Führers Mullah Omar auftraten, waren am Donnerstag und Freitag in Paris mit Vertretern der Regierung in Kabul, afghanischen Parlamentariern und Oppositionellen zusammengekommen. Mullah Omar, der in Pakistan vermutet wird, achte seine politischen Gegner. „Er verlangt ein gegenseitiges Verständnis und fordert sie auf, sich ihm bei der Verteidigung des Landes anzuschließen“, heißt es in der Mitteilung.

Für die New York Times ist die Mitteilung das substanziellste Friedensangebot, das die Taliban bisher gemacht haben. Die Bereitschaft an einer Koalitionsregierung mitzuarbeiten, zeige, dass die Taliban sich von ihrem Alleinherrschafts-Anspruch in Afghanistan verabschiedetet hätten. Jetzt sehe sich die Taliban eher als eine politische Fraktion unter Vielen, statt den Machtverlust nach der Invasion 2001 rückgängig machen zu wollen. (mehr hier bei der SZ)

Ein ausführliches Statement der Taliban-Vertreter auf diesem Treffen lesen Sie hier.

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