Sayed Ali Shah: Neue Stimme aus Kabul…

31/07/2012
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(Video)/Aktualisiert. Kahled ja war wieder fleissig und hat mir heute dieses Interview geschickt. Ein Großvater mit seinen beiden Enkeln. Mashallah. Die Interviewserie ist ein voller Erfolg. Sayed Ali Shah, offenbar ein Mensch aus Kabul, der die Hoffnung für sein Land wohl nicht aufgegeben hat, aber irgendwie doch ein bisschen enttäuscht ist…über die letzten 10 Jahre ISAF im Lande.


Die Übersetzung – wie immer – unter dem Video. Ich habe dieses Interview von einem Afghanen, den ich kenne, übersetzen lassen und von einem anderen gegenchecken lassen. Ich persönlich spreche zu wenig Dari, um für eine korrekte Übersetzung garantieren zu können. Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, bitte ich, diese zu verzeihen.

Hast Du gut gemacht Kahled. Spannende Meinungen der Menschen aus Kabul. Weiter so. Und passe auf Dich auf. Vielleicht schaffst Du ja mal einen Artikel über Deine bisherige Zeit zu schicken?! Taschakor.


Interview mit Sayed Ali Shah, aus dem Kabuler Stadtteil Chendawul
von Kahled Massud Waziri 

Können Sie uns einmal kurz ein Beispiel nennen, das Sie mit der Kabuler Regierung persönlich erlebt haben?

„Das Leben ist nicht so schlecht, die Umwelt in Kabul ist jedoch katastrophal. Es wurde beispielsweise bisher kein richtiges Abwassersystem errichtet und das Wetter ist sehr heiß und trocken. Ich war mit Doud Khan sehr zufrieden. Auch, wenn Doud nur kurz an der Macht war, hat er versucht, Afghanistan als ein Volk zu betrachten und das hat zu einem Allgemeinwohl geführt. Seine Regierungszeit hat das Leben der Menschen positiv verändert, vielen ging es einfach besser. Daud war gut und nennenswert, alle anderen nach Ihm sind nicht der Rede wert.“

Sind Sie persönlich zufrieden mit den Machthabern hier in Kabul?

„Der Beginn 2001 hat uns hoffnungsfroh gestimmt, aber es hat seitdem niemand etwas für Afghanistan oder das afghanische Volk getan. Daud Khan hat das Volk als ein Volk betrachtet und er hat versucht, für alle eine Änderung zu schaffen, während Karzai von Vettenwirtschaft und Ethnienbevorzugungen geprägt ist. Jeder hier versucht, seine Leute und seinen Stamm voran zu bringen, und dieses Verhalten ist gegen das Volk und ist nicht annährend eine Demokratie.“

Können Sie uns kurz ein Beispiel,bei dem Sie mit der hiesigen Politik unmittelbar konfrontiert worden sind, aus Ihrem eigenen Leben nennen?

„Bei den vielen Machthabern, Königen und Präsidenten, die ich in meinem bisherigen Leben gesehen und erlebt habe, kann ich am positivsten über Daoud Khan berichten. Auch wenn er nur kurz an der Macht war, hat er innerhalb dieser kurzen Dauer viel zum Positiven bewegt im Leben vieler Menschen.

Was gab es bei Daud für gute Sachen bezogen auf die Menschen, die es heute nicht mehr gibt?

„Man kann das nicht so vergleichen, da damals Afghanistan eigenständig mit seinen Ressourcen und seinen Menschen etwas geschaffen und verändert hat. In der Karzai-Zeit kann man nicht von Afghanistan sprechen. Da sich die gesamte Welt jetzt für Afghanistan interessiert – und Karzai alleine nicht alles bestimmen kann – sind die anderen Nationen unter ISAF nun die Tongeber im Land. Viele von Ihnen sind da, weil Sie etwas wollen und wirtschaftliche Interessen haben.  Jede Nation versucht, für sich am besten wegzukommen, um für sich den größten Nutzen zu erlangen. Es hat sich nicht viel verändert, denn sonst hätten viele das Wohlbefinden der Afghanen im Focus gehabt. Und dann hätte sich während der 10jährigen Besatzungszeit vieles zum Guten hinwenden müssen und neue Reformen hätten das Land positiv verändern müssen. Dass dem nicht so ist, ist für mich ein weiterer Beweis dafür, daß alle Nationen nicht richtig an den Afghanen interessiert sind.“

 Wie sehen Sie die Zukunft Afghanistans?

„Wenn die vielen Länder, die sich in Afghanistan befinden mit dem afghanische Volk fühlen sollte, wird sich in Afghanistan alles zum Positiven entwickeln.“

Wie bewerten Sie die Zukunft des Landes unter 55 Nationen?
„Es wird spannend, wenn 2014 die westlichen Truppen abziehen und  sie hoffentlich vor Ihrem Abzug etwas Nachhaltiges da lassen und auch dafür sorgen, dass die Afghanen weiter machen können, würde gar nix weiteres Schlimmes passieren nach 2014. Aber, wenn es so aussieht, dass jede Nationen versucht, schnell abzuhauen und das Land und alles mitnimmt, was sie ins Land gebracht haben, würde die Zukunft Afghanistans – wie so oft in der Geschichte – wieder einmal ungewiss werden und das eher schlechter und trauriger als gut.“

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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