Tatort „Heimatfront“: PTBS Pilotstudie zum Download

23/01/2011
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Gerade läut der TATORT vom Saarländischen Rundfunk in ARD – das Thema Bundeswehr und Einsatzbelastungen bei Soldaten wird uns zur besten Sendezeit vorgesetzt. Doch ist das Thema PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) schon wirklich in den Köpfen unserer Gesellschaft angekommen? Lesen Sie hier kurz den Inhalt der Tatort-Geschichte und danach eine PTBS-Pilotstudie der Universitätsklinik Ulm.

„Das Miterleben aggressiver und konflikt- hafter Handlungen und menschlichen Elends in Einsatzgebieten führen zu Grenzerfahrungen, die über den Alltag weit hinausgehen. Zurück im Heimatland geraten die betroffenen Soldaten nicht selten in die Isolation, denn kaum jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis kann diese Erfahrungen und Erlebnisse nachvollziehen.“

Tatort des Saarländischen Rundfunks im ARD mit dem Titel “Heimatfront”. Während einer Kunstperformance wird die junge Viktoria Schneider erschossen. Schnell ist für die Hauptkommissare Kappl und Deininger klar, dass nur ein geübter Schütze diesen Mord begangen haben kann, denn der Schuss wurde aus weiter Entfernung abgegeben. Da die Performance sich zudem kritisch mit dem Engagement der Bundeswehr in Afghanistan auseinandersetzte, fällt der Verdacht bald auf eine Gruppe von vier traumatisierten Soldaten. Ein deutliches Indiz sind Videos von deren Therapiesitzungen, die die Künstlerin für ihre Performance benutzt hat. Somit hat jeder der vier ein Motiv. Trotzdem gestalten sich die Ermittlungen schwierig, weil die Soldaten eine starke Kameradschaft bilden und sich gegenseitig Alibis geben. Für Kappl und Deininger stellt sich die Frage, wie sie diese eingeschworene Gruppe knacken können. Und nicht zuletzt lösen die Ermittlungen im Soldatenmilieu auch Kontroversen zwischen den Kommissaren aus. Denn zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan haben sie durchaus unterschiedliche Ansichten.

Bildquelle: Manuela Meyer/SR "Heimatfront"

Belastung durch traumatische Erfahrungen bei Soldaten in Kriseneinsätzen
Ergebnisse aus einer Pilotstudie der Universtätsklinik Ulm
von
LUCIA JERG-BRETZKE VLADIMIR HRABAL STEFFEN WALTER HARALD C. TRAUE

Vorgestellt werden die Ergebnisse einer Pilotstudie zur traumatischen Belastung von Soldaten in Kriseneinsätzen. Eine Stichprobe von Soldaten wurde vor, wäh- rend und nach dem Einsatz in einem Kri- sengebiet untersucht. Für die Erhebung wurden das Harvard Trauma Question- naire (HTQ), das Beck Depressionsinventar (BDI) und ein in Zusammenarbeit mit ein- satzerfahrenen Soldaten ausgearbeiteter Fragebogen zur Erfassung der speziellen Belastung von Soldaten in Kriseneinsät- zen eingesetzt. Die Ergebnisse der Unter- suchung zeigen, dass sich alle 66 befrag- ten männlichen Soldaten nach ihrem Einsatz im Kosovo oder Afghanistan von den traumatischen Ereignissen belastet fühlten, 80 % sogar stark bis sehr stark. Eine klinisch relevante Höhe des HTQ erreichten die Befragten im Mittel jedoch nicht. Allerdings wird der Cutt-off des HTQ von einzelnen Variablen von knapp einem Viertel der Soldaten erreicht. Ebenfalls niedrige Werte zeigen die Ergebnisse des BDI, den Cutt-off für eine klinisch rele- vante Depression überschreiten vor dem Einsatz 5 % der Befragten, eine Auffällig- keit erreichen 16 %. Nach dem Einsatz erreicht keiner der Soldaten diese Grenzen. Die belastendsten Situationen des Einsatzes oder Ereignisses erhob der Fra- gebogen zur speziellen Belastung: Minen- felder; Gefahr von Verletzung und Tod; gesundheitliche Risiken im Einsatzland; undurchschaubare politische Verhält- nisse; Elend der Bevölkerung; Spionage und ABC-Bedrohung machten vor, wäh- rend und nach dem Einsatz den Soldaten am meisten zu schaffen.

Laden Sie sich die komplette Studie hier als pdf-datei herunter.

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2 Responses to Tatort „Heimatfront“: PTBS Pilotstudie zum Download

  1. Karl R. on 11/02/2011 at 22:48

    Traumas werden in Ihrer Auswirkung total unterschätzt;
    Es findet um den Stress zu überleben eine Aufspaltung der Persönlichkeit statt
    die im Moment des Traums gut aber hinterher wieder schwer aufzulösen ist

    bin gerade auch persönlich zwecks Traumas unterwegs
    eher aber in der Kindheit wegen mangelnder MutterKind-Bindung aber eine interessanter weg wird hier beschritten weil normale Therapiemöglichkeiten an die Grenzen stossen

    http://www.franz-ruppert.de/

    Beste Grüsse
    /Karl



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