Teil 11 einer Tagebuchserie einer Soldatenangehörigen

01/09/2010
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Hallo ihr Lieben,

Land unter… was ein verregneter August. Er schlägt einem sehr auf den Magen, vor allem wenn die allgemeine Stimmung sowieso schon gedrückt ist.

Die Arbeit hat mich voll und ganz wieder eingespannt. Leider hab ich mir eine Sommergrippe eingefangen und hoffe,  dass sie schnell wieder weg ist. So viel habe ich in den letzten 10Jahren nicht genießt. Fitnessstudio fiel diese Woche leider aufgrund der Erkältung flach. Nächste Woche muss ich dann gleich doppelt so hart reinhauen, um mein Ziel zu erreichen.

Mit der allgemeinen Situation des Alleinseins habe ich mich ziemlich gut zu Recht gefunden, ab und an kommt wieder ein Anfall, dann rege ich mich tierisch auf und danach geht es mir wieder gut. Zumindest, nachdem ich geschlafen habe. Was ich in der letzten Zeit ziemlich viel getan hatte.

Seit zwei Wochen bin ich nämlich gar nicht mehr wirklich allein,  ich habe es jetzt lang genug geheim gehalten… bei mir ist ein „Karlchen“ eingezogen.  Es ist ein Mädchen, ich musste lange überlegen wie sie denn heißen könnte und irgendwann hat sie es mir selbst „gesagt“. Kimani das ist afrikanisch es heißt so viel wie:  süß und schön. Für mich ist sie natürlich die Süßeste und Schönste auf der ganzen Welt! Sie beflügelt meine Seele, erstrahlt mein Gemüt. Sie gibt mir so viel, allein dadurch, dass sie hier ist. Ein lustiges Tier ist sie, immer am Quäken und total schmusebedürftig. Sie liegt auch gerade in diesem Moment auf meinem Bauch und schnurrt.

Leaf, 25 J. aus Norddeutschland schreibt exklusiv für das Afghanistan-Blog über ihre Gedanken und Gefühle, während ihr Lebenspartner im Einsatz am Hindukusch ist.

Seitdem ich den Alptraum niedergeschrieben habe, ist er nicht mehr wiedergekehrt. Vielleicht sollte ich das öfter tun. Ich wache manchmal morgens auf und denke ich hätte dies alles hier nur geträumt, wenn dann das Bett neben mir leer ist…weiß ich es ist kein Traum. –Leider –

Ich merke, dass ich mich immer mehr auf die Heimkehr freue, auch wenn sie noch in so großer Entfernung steckt. Irgendwie sehne ich sie herbei. Ich schmiede und verwerfe Pläne, mache mir Gedanken über das Outfit und die Frisur (typisch Frau *haha*) denn ich will doch gut aussehen. Sollte er nachts landen, muss ich wohl im Schlafanzug anreisen, wobei das sicherlich nicht mal schlimm wäre, sondern zur allgemeinen Erheiterung beitragen würde. Es ist noch so lange hin bis er endlich heimkommt, aber die Planerei erleichtert mir das Warten.

Im letzten Blog hatte ich um 10 Tafeln Schokolade gebeten, nein ich hatte sie mir gewünscht. Diese Woche bekam ich ein Päckchen von einem der liebsten Menschen auf der Erde. Darin enthalten waren 10 Tafeln Schokolade und ein Post-It mit Smiley drauf. Ich musste so sehr lachen, dass irgendwie alles vorherige vergessen war. DANKE!!!

Ich selbst habe auch wieder ein Päckchen verstand. Es war ein Gemeinschaftspäckchen von vielen verschiedenen Menschen, die an meinen Mann denken und ihn gern haben. Was darin war, werde ich berichten wenn es angekommen und geöffnet wurde 😉 natürlich nur, wenn es gefallen hat. Sonst ist es ja kein guter Tipp für all die Daheimgebliebenen die sich, so wie Ich, Gedanken über den Inhalt eines Päckchens machen.  Was ich schon erwähnen kann, ich habe einen Kuchen im Glas mitgeschickt (Tarte au Chocolaté, gabs bei meiner Schwester auf dem Wochenendgrundstück auch und er war sooo lecker schokoladig das ich das ausprobieren musste!)  http://www.chefkoch.de/rs/s0/glas+kuchen/Rezepte.html es gibt so viele Variationen die man ausprobieren kann. Leider hab ich ihn nicht probieren könne (hätte doof ausgesehen wenn eine Ecke gefehlt hätte, wobei Ich denke Schatz hätte es mir nicht mal übel genommen, das wäre Typisch Leaf gewesen) ich hoffe sehr das er schmeckt und falls nicht, ich habe eine Entschuldigung!

ES WAR MEIN ALLER ERSTER KUCHEN IM LEBEN! Jaja wozu ein Einsatz nicht alles verleitet. Die Idee habe ich bei Frau zu Frau gefunden, also mit dem Kuchen im Glas und da mein Schatz mal meinte, er möge gern Kuchen. Bin ich davon ausgegangen, er mag auch den Kuchen, welchen ich gebacken habe. Der Teig hat zumindest super lecker geschmeckt und ich habe mehr davon gegessen als ich gedurft hätte.  Meine Kekse hat er damals nicht gemocht *hahaha* Naja, ich hatte kein Rezept, eigentlich auch keine Zutaten, nur Lust letztes Jahr in der Weihnachtszeit zu backen. Schatz hat sich gefreut und sie mit auf Lehrgang genommen. Seine Kameraden wollten natürlich alle mal kosten, ähm naja dabei blieb es dann auch. Die Kekse haben GRAUENAFT geschmeckt und es tut mir sehr leid dass ich die Geschmacksnerven so vieler Männer geschädigt habe. Ich hab einfach zu viel Zitrone verwendet. Aber naja, aus Fehlern lernt man. Ich backe nie wieder ohne Rezept, versprochen!!!

Vorhin stand ich vor der Tür und musste feststellen, mein Türkranz ist mittlerweile schon ganz schön Gelb, er erinnert mich täglich daran wie viel Zeit schon vergangen ist. „Die Geschichte aus der das Gelbe Band hervorgeht, über den Soldaten der nach so langer Zeit nach Hause kam und die alte Eiche voll war mit gelben Schleifen, die ihm zeigten wie sehr seine Frau ihn wieder haben wollte“,  hat mich so sehr gerührt,  dass ich meinem Soldaten ebenfalls zeigen möchte wie sehr ich mich auf ihn freue und ihn wieder haben möchte! Täglich binde ich eine neue Schleife daran, je mehr es werden desto weniger lange muss ich warten. Das beruhigt, irgendwie zumindest.

Momentan verbringe ich ziemlich viel Zeit vor dem PC, suche Ideen, shoppe (typisch Frau).  Naja meistens shoppe ich nur imaginär… das ist meine Spezialität, alles was mir gefällt kommt in den Einkaufswagen und dann mach ich die Seite zu und bin glücklich. Per Chat habe ich Kontakt zu Freundinnen in ganz Deutschland, leider kann man nicht eben mal nach Berlin, Leipzig, Straßbourg, Hamburg, München oder Köln fliegen um sie zu besuchen. Deshalb danke ich, denjenigen Menschen, die den Chat und das Internet erfunden haben. Sicherlich stimmen mir viele zu, vor allem diejenigen die in einem anderen Land festsitzen und für unsere Freiheit kämpfen. Was würde ich nur ohne die Emails von meinem Schatz tun? Ich würde vermutlich noch mehr Angst haben als sowieso schon. Meine Freundinnen versüßen mir fast jeden Abend. Entweder sitzt eine hier auf der Couch, ich gehe mit einer ins Fitnessstudio oder ich chatte mit den Mädels die so weit weg sind. Ich möchte mich auf dem Weg bei euch bedanken, danke das ihr da seid, das ihr zu hört, das ihr mir sagt wenn ich mich reinsteigeres und das ich auch mal akzeptiert wenn ich sage „lass mich, ich muss mich da jetzt reinsteigern!“,, dass ihr meine Felsen in der Brandung seid, das ich mich an euch lehnen kann und weiß wir stützen uns gegenseitig ohne das einer von uns umfällt. Ich weiß wie viel es Bedeutet Freundinnen und Freunde zu haben die einem in schwierigen Situationen zur Seite stehen, leider trennen sich in solchen Situationen oft die Wege. Manche Menschen kommen nicht damit klar, trauen sich nicht zu fragen wies einem geht… und nein ich gehöre nicht zu der Sparte, die gleich losflennt, wenn ich darauf angesprochen werde. Ich kanns ziemlich gut verbergen, aber trotzdem tut es weh zu wissen, man steht plötzlich allein da, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. Deshalb danke ich meinen Mädels um so mehr für die vielen lustigen gemeinsamen Stunden, die wir verbracht haben und noch verbringen werden! Ich hab euch ganz furchtbar doll lieb!!! ( Ohje wie Kitschig… naja dann mach ichs doch gleich wie bei den „Oscars“ … *Kitschmodus ein* Ich danke meiner Oma und meinem Opa, meinen Eltern, meinen Geschwistern und ihren Familien, ich danke meinen Freunden und allen anderen Menschen die mich zu dem gemacht haben was ich heute bin. Danke… *kitschmodus aus*

Mich würde freuen, Rezessionen von Euch zu lesen, was interessiert den „Gemeinen Leser“ meines Tagebuchs. Wovon möchtet ihr mehr erfahren? Mich interessiert auch wer hier liest, ob es nur Angehörige oder auch Soldaten sind. Natürlich muss sich nur offenbaren, wer gern möchte. Aber bei 5000 Lesern ist man doch schon irgendwie Neugierig oder nicht? 😉


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One Response to Teil 11 einer Tagebuchserie einer Soldatenangehörigen

  1. Soldatenehefrau on 01/09/2010 at 11:57

    Hallo Leaf,

    ich lese dein Tagebuch immer gespannt mit. Ich selber bin auch mit einem Soldaten verheiratet. Einsätze gehören auch zu unserem Leben und ich kann nur sagen, dass was du beschreibst stimmt ganz genau. Wir können alles schaffen, wenn man liebt. Halte durch und bleib stark. Du schaffst das.

    Liebe Grüße.



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