…übernimmt Patenschaft für Kabuler Journalistenschule

13/08/2013
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(Interview) – Die Deutsche Journalistenschule München (DJS) übernimmt die Patenschaft für Fight4Peace, dem Box Charity-Kampf zwischen dem WBO Intercontinentalmeister Hamid Rahimi und Boris Barschow. Zusammen wollen die beiden Afghanistans erste unabhängige Journalistenschule an der Kabuler Universität aufbauen. Unterstützt durch die deutsch-afghanische-Universitätsgesellschaft e. V. sollen junge Menschen in Afghanistan unabhängigen Journalismus erlernen, der dem Land die Chance geben soll, eine Grundlage dafür aufzubauen, dass die Menschen des Landes  jenseits von ethnischen Konflikten und Kriegen zu einer neuen eigenen selbstbewußten Identität der Gesellschaft führt. Dieses Motto haben sich der Boxer und der Journalist und Blogger auf ihre Fahnen geschrieben. Dass die DJS nun die Patenschaft für dieses Projekt übernimmt, ist ähnlich spektakulär wie die erste Mondlandung. Zudem möchte die DJS die erste Klasse an dem künftigen Institut nach München einladen. Boris Barschow, selber Absolvent Deutschlands erster und einziger unabhängiger Journalistenschule, sprach mit dem Schulleiter Jörg Sadrozinskidarüber, warum die DJS dieses ungewöhnliche Projekt unterstützen möchte.Gleichzeitig möchte ich mich für die miese Formatierung des Textes entschuldigen…irgendwie spinnt zur Zeit die Blogsoftware. Sorry for that…

Jörg Sadrozinski
(Quelle:  Wolfgang M. Weber)

 

 

 

Warum hat die DJS die Patenschaft für die Kabuler Journalistenschule übernommen?

 

Sadrozinski: Die DJS ist als eine der renommiertesten Journalistenschulen in Deutschland Vorbild für viele derartige Ausbildungsstätten. Wenn wir mit unserem Ausbildungskonzept den Aufbau von Qualitätsjournalismus in Afghanistan (oder anderswo) unterstützen und damit einen Beitrag zur Entstehung einer demokratischen Gesellschaft leisten können, tun wir das gerne.
Wie sieht diese Patenschaft aus?

 

Sadrozinski: Ein Pate ist zunächst einmal ein Ratgeber. Die DJS wird also die Kollegen in Kabul mit Know-how unterstützen. Wir können uns aber auch vorstellen, dass angehende Journalisten aus Afghanistan an der DJS unterrichtet werden und möglicherweise dadurch Kontakte zwischen den Journalistenschülern aus Afghanistan und Deutschland entstehen, die einen Austausch ermöglichen.
Was erwartet die Kabuler Schüler dann in München?

 

Sadrozinski: Die DJS bildet Journalisten in allen Medien sehr praxisnah aus. Das heisst, hier lernt man recherchieren, texten, redigieren, fotografieren, konzipieren, sprechen, moderieren, drehen, schneiden – all das könnten die Schüler aus Kabul auch lernen. Was in der Praxis bei einem derartigen Projekt tatsächlich möglich ist, muss man sehen.

 

Gibt es einen weltweiten unabhängigen Journalismus, den man weltweit lehren kann?

 

Sadrozinski: Ich bin überzeugt davon, dass unser Weg, Journalismus zu lehren, weltweit erfolgreich sein kann. Auch die DJS oder die Journalistenausbildung in Deutschland hat ja von Erfahrungen aus dem angelsächsischen Journalismus profitiert, aber auch eigene Module entwickelt. Unabhängiger Journalismus kann nur inmitten einer funktionieren demokratischen Gesellschaft entstehen und dort dazu beitragen, dass diese Gesellschaft sich weiter entwickelt.

 

Hat die DJS Erfahrungen mit muslimischen Journalisten aus anderen Ländern?

 

Sadrozinski: Wir haben hier Journalisten aus Pakistan, verschiedenen arabischen Ländern oder der Türkei empfangen und mit ihnen diskutiert, aber auch Lehrveranstaltungen durchgeführt.
Gibt es interkulturelle Besonderheiten, die man beachten sollte, wenn man in Kabul eine Journalistenschule eröffnet?

 

Sadrozinski: Die gibt es mit Sicherheit. Denken Sie daran, dass Afghanistan ein muslimischer Staat ist, der erst eine demokratische Gesellschaft aufbauen muss – als Beispiel möchte ich nur erwähnen wie schwierig es ist, Frauen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

 

Das Thema Afghanistan wird in den gängigen Massenmedien eigentlich immer nur aus einer deutschen Perspektive betrachtet. Selten wird ein komplettes Bild gezeichnet. Wie geht die Nachwuchsjournalisten-Generation mit dem Thema Krieg in Afghanistan um? Thema oder Tabuthema?

 

Sadrozinski: Allein durch den Einsatz der Bundeswehr kann, ja darf es kein journalistisches Tabuthema sein. Ein Bericht aus einem Klartext-Magazin (dem Magazin der DJS-.Schüler), der mir noch immer sehr präsent ist, ist der über einen Comic der die Situation der deutschen Soldaten in Afghanistan thematisiert.
Journalisten sollen sich ja eigentlich nie gemein mit einer Sache machen. Wie bewertet die DJS das Vorhaben Fight4Peace?

 

Sadrozinski: Da ich selbst noch mit Hanns Joachim Friedrichs zusammen gearbeitet habe, der diese Forderung aufgestellt hat, weiß ich, wie das gemeint war: Die journalistische Berichterstattung sollte nach Objektivität streben, es sollten (mindestens) zwei Seiten gehört werden. In diesem Fall setzen wir uns für genau diese Form von Journalismus ein, indem wir das Projekt unterstützen.


Ein Journalist, der im Krieg war, seit Jahren andere Perspektiven bloggt und nun für ein Bildungsentwicklungshilfe-Projekt boxt – gab es sowas schon einmal?

 

Sadrozinski: Nicht das ich wüsste.

 

Unabhängige Journalistenausbildung in Krisengebieten: welchen Ratschlag gibt Deutschlands einzige unabhängige Journalistenschule mit auf den Weg?

 

Sadrozinski: Unabhängigkeit von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen (religiösen) Zwängen ist die Grundlage für freie und demokratische Berichterstattung. Das gilt natürlich auch für die Ausbildung: Nur wenn junge angehende Journalisten frei von Zwängen ausgebildet werden, können sie später diese Form der Berichterstattung anwenden.



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